2. Oktober 2012 4:26
Berlin – Schnäppchenportale wie Groupon gibt es mittlerweile wie Sand am Meer und alle verfolgen eine Linie. Wie das Kunstwort aus Group (Gruppe) und Coupon (Gutschein) suggeriert, geht es dabei darum, Gutscheine für Rabatt- und Schnäppchenangebote von Händlern, Herstellern oder Service-Anbietern über das Internet zu verkaufen. Auf diese Art soll der Umsatz des Anbieters beträchtlich erhöht werden, während die potenziellen Kunden von einem gemeinsamen Mengenrabatt profitieren. Als Mutter der Coupon-Portale dieser Art gilt das bereits 2008 gegründete Portal Groupon.
Das US-amerikanische Schnäppchenportal Groupon, das am Anfang zu den am schnellsten wachsenden Firmen überhaupt zählte und das laut einem seiner Gründer Andrew Mason angetreten war, die Art und Weise fundamental zu ändern, wie Menschen lokal einkaufen und Händler verkaufen, veröffentlichte vor einiger Zeit seine Quartalszahlen für das zweite Quartal 2012. Diese Zahlen wecken bei Analysten und Anlegern durchweg gemischte Gefühle. Obwohl Groupon es nach langem, beschwerlichem Kampf endlich geschafft hat, sich aus den roten Zahlen zu kämpfen, wächst das Unternehmen langsamer als gedacht, was sich in einem Einbruch der Aktie bemerkbar macht.

Grafik: Statista
Betrachtet man die vorliegende Grafik fällt zunächst einmal auf, dass es Groupon innerhalb des letzten Jahres gelungen ist, die Kosten für das Marketing, die bis zum 3. Quartal 2011 nahezu explodiert waren, mehr als zu halbieren. Gleichzeitig konnte der Umsatz in diesem Zeitraum um 45% auf 568 Millionen Dollar gesteigert werden. Doch diese Zahlen gilt es zu hinterfragen, zumal in der Vergangenheit bereits über eher optimistische Auslegungen von Zahlen durch Groupon berichtet wurde. Bei vielen Anlegern macht sich zusehends Enttäuschung breit, da die gewohnten Steigerungsraten früherer Jahre bei weitem nicht erreicht werden konnten. Dies ist unter anderem vielleicht auch auf eine gewisse Sättigung des Marktes zurückzuführen, stellt jedoch wahrscheinlich in erster Linie eine Reaktion der Verbraucher auf schlechte Kritiken dar. Einige Kunden bemängelten, die versprochenen Artikel oder Leistungen nicht oder nur nach langen Wartezeiten erhalten zu haben, während Händler kritisierten, dass Groupon mehr Rabatte verkauft, als vorher vereinbart worden seien.
Außerdem bleibe für die Händler der erhoffte Effekt aus, durch derartige Gutscheinaktionen treue Stammkundschaft und damit dauerhaft bessere Umsätze generieren können. Die Kunden nutzen lediglich die Angebote zu Mindestpreisen und sind dann auf der Jagd nach dem nächsten Schnäppchen. Betrachtet man die Qualität vieler der angebotenen Deals, stellt man schnell fest, dass diese mittlerweile merklich nachgelassen hat, weshalb erste Kritiker bereits wieder von einer aussterbenden Industrie sprechen.
Der zweite Teil unserer Grafik zeigt die Entwicklung des Gewinns, der nach langer Durststrecke mit teilweise erheblichen Verlusten bereits im zweiten Quartal in Folge positiv ausfällt. Doch auch hier sind nur die bloßen Zahlen zu sehen. Hinterfragt man die Gewinne des letzten Quartals, wird man feststellen, dass diese letztendlich aus einem Tausch von Firmenanteilen in China resultieren dürften.
In der dritten Grafik wird noch einmal deutlich, was viele derzeit zum Nachdenken anregt. Nach einem stetigen Wachstum der Einnahmen aus Gutschein-Verkäufen sank dieser Wert im 2. Quartal 2012 signifikant.
Die Analyse der realen Zahlen, die negativen Schlagzeilen im Zusammenhang mit Groupon, sowie die Prognosen für die Branche in ihrer derzeitigen Form und Umsetzung im Allgemeinen, dürften mit die Auslöser sein, weshalb die Groupon-Aktie am 13.8.2012 nur noch ein Drittel ihres Wertes vom Börsenstart im Jahre 2011 betrug, wie die mitgelieferte Statistik belegt. Betrachtet man allerding die brandaktuellen Zahlen, stellt man fest, dass die Talfahrt unvermindert weitergeht, denn der Kurs betrug am 1.10.2012 gerade einmal noch 4,72 US-Dollar.
Seit einiger Zeit versucht Groupon gegenzusteuern, was sich allerdings momentan kaum bemerkbar macht. So wurde gerade wieder bekannt, dass Groupon einige personelle Veränderungen durchsetzt. So wurde der bisherige Groupon Europa-Chef Veit Dengler durch den Manager Chris Muhr ersetzt.
Sicher hat Groupon Einiges bewegt, aber ob das Unternehmen das im Januar von Mason verkündete Ziel, dass die Kunden ihren Einkauf stets mit einem Besuch der Plattform beginnen, jemals erreichen wird, darf getrost bezweifelt werden. Momentan sieht es eher danach aus, als ob der von einigen Analysten für 2012 prophezeite Überlebenskampf begonnen hat. Ob sich hier bald eine Trendwende abzeichnet, bleibt angesichts der derzeitigen Entwicklung zunächst einmal offen.
Quartalszahlen von Groupon - ein Riese am Abgrund?,
Ronny Roger
2. Oktober 2012 17:04 at 17:04
Meine Rede
. Insbesondere habe ich es nie verstanden, wie und warum sich Geschäftsleute vom Groupshopping einen positiven Marketingeffekt erwarten und überdies den Milchmädchenrechnungen der Drückerkolonne Glauben schenken. Die Gastronomen, welche ich schätze, setzten die Vertriebler direkt vor die Tour.
Dazu kommt natürlich noch der inkompetente Kundenservice und völlig überforderte Geschäftskunden, wodurch letztendlich der Gutscheinkäufer wieder das Nachsehen hat.
Nebenbei wunderte ich mich auch immer, wie die Groupshopping-Anbieter mit den paar oftmals mehr schlechten als rechten Deals Kohle machen, bei all den Ausgaben – jedenfalls sparen sie schon einmal beim Personal, was nach Hörensagen echt mies bis gar nicht bezahlt wird. Klar, die meisten Mitarbeiter “verdienen” eh nichts, trotzdem.
Groupon Observer
2. Oktober 2012 9:27 at 09:27
Gut recherchierter Artikel, Gratulation. Wobei der Satz die Ausnahme in der Recherchequalität des Artikels ist: “Doch diese Zahlen gilt es zu hinterfragen, zumal in der Vergangenheit bereits über eher optimistische Auslegungen von Zahlen durch Groupon berichtet wurde.” Ich weiss nicht, auf was sich die Aussage bezieht. Geben Sie doch mal Beispiele, bitte. Das Beispiel “Umsatz = Gutscheinverkäufe oder = eigene Kommission” ist unpassend. Ein großer Fehler ist im Jahresabschluss 2011 gemacht worden, als die Rückstellungen für Stornos zu gering bemessen worden waren. Das waren aber lediglich 12 Mio USD, wennn ich mich recht erinnere. Mehr Fakten und insights zu Groupon auf
http://grouponobserver.wordpress.com/