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Die städtischen Inflationsraten liegen bis 65% über Bundesdurchschnitt

Die Inflationsrate Deutschland ist im Mai 2013 leicht angestiegen und liegt nach 1,2% im April nun wieder bei etwas unter 1,5%. Die Experten sind sich jedoch einig, dass der Wert im gesamten Jahr 2013 deutlich unter der 2% Teuerungsrate aus dem Jahr 2012 bleiben dürfte. 2011 lag diese sogar noch bei 2,3%.

Der Wert der Inflationsrate gilt in der Wirtschaft als das Maß der Geldentwertung durch die Steigerung des Preisniveaus der Verbraucherpreise. Dass diese so niedrig ausfällt, sollte allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass es bei der Höhe der Inflationsrate in unserem Land deutliche regionale Unterschiede gibt, die besonders Menschen in den Metropolen treffen. Obwohl es kein Geheimnis ist, dass das Leben in Großstädten schon immer etwas teurer ist, erstaunen die teilweise eklatanten Unterschiede.

Wohnkosten & Energie als Hauptkomponente der Haushaltausgaben

In unserem Beitrag der letzten Woche über die Entwicklung der Lebenshaltungskosten in Deutschland konnten wir deutlich machen, dass die Ausgaben für Miete und Energie die Preistreiber für die Haushaltsausgaben sind. Im vom Statistischen Bundesamt in Wiesbaden definierten Warenkorb, der zur Ermittlung des Verbraucherpreisindex herangezogen wird, und der eine repräsentative Auswahl von Waren und Dienstleistungen enthält, für die ein durchschnittlicher Verbraucher bzw. Haushalt unseres Landes im Jahresverlauf Geld ausgibt, fallen diese Ausgaben mit einem Drittel des Haushaltseinkommens maßgeblich ins Gewicht.

Inflationsrate Die städtischen Inflationsraten liegen bis 65% über Bundesdurchschnitt

Berlin – die Stadt mit der höchsten Teuerungsrate

Eine aktuelle Analyse, die Anfang des Jahres 2013 vom Statistik-Portal statista und ImmobilienScout24 durchgeführt wurde, hat sich nun eingehender mit den städtischen Inflationsraten in Deutschland befasst. Im Rahmen der Studie wurden besonders die Preisanstiege bei den Kosten für Miete und Energie in unterschiedlichen Städten unter die Lupe genommen und auf dieser Basis eine Übersicht der städtischen Inflationsraten erarbeitet. Aus dieser Statistik vom Januar 2013 geht hervor, dass die städtische Inflationsrate in Berlin mit 2,7% um 65% über der des Bundesdurchschnitts liegt. Platz zwei der Städte mit den höchsten Verbraucherpreisanstiegen im Januar belegt Leipzig mit 2,2% vor Bremen und München mit jeweils 1,9% über dem Durchschnitt.

Zu den günstigsten Großstädten in Deutschland zählen Stuttgart mit 1,4% unter dem Durchschnitt sowie Potsdam und Saarbrücken mit sogar -1,3% zur bundesweiten Inflationsrate.

Die Berechnungsgrundlage der regionalen Inflationsraten waren dabei bereinigte Warenkörbe, bei denen der Anteil der Kaltmieten durch die tatsächlichen regionalen Mietpreise ersetzt wurde. Dies ist notwendig, da in den Städten derzeit ein rasanter Anstieg der Mietpreise zu verzeichnen ist, der durch die repräsentativen Werte im Warenkorb des Statistischen Bundesamtes bisher keine Berücksichtigung fand.

Berlin – extremer Anstieg der städtischen Inflationsrate

Auch wenn der Berliner Senator für Stadtentwicklung und Umwelt Michael Müller, der letzte Woche den neuen qualifizierten Mietspiegel für die Hauptstadt vorstellte, von einer moderaten Teuerung auf dem Wohnungsmarkt sprach, zeigen aktuelle Werte der städtischen Inflationsrate, wie hoch die tatsächliche Belastung für die Berliner ist.

Die aktuelle Inflationsrate, die in Berlin auch im vergangenen Monat Mai 2013 bei 2,4% gegenüber den erwähnten bundesweiten 1,5% erneut um 60% über dem Bundesdurchschnitt liegt, spricht eine eindeutige Sprache. Auch die Haushaltskosten für Energie sind in der Hauptstadt um 5,5% gestiegen, wobei sich allein der Strompreis um fast 17% erhöht hat. Profitieren konnten Berliner hingegen, wie auch die Verbraucher in ganz Deutschland, von den leicht gesunkenen Ölpreisen, die im Vergleich zum Vorjahresmonat um 4,6% gesunken sind.

Verliert ein Wirtschaftsstandort an Bedeutung?

Am Donnerstag war diese Frage Thema im Berliner Abgeordnetenhaus. Hier wurde festgestellt, dass es höchste Zeit sei, nach Mitteln und Wegen aus diesem Problem zu suchen, denn die Steigerung der Einkommen und Sozialleistungen können schon längst nicht mehr mit den Steigerungen der Wohnkosten mithalten. Außerdem sei es wichtig, Berlin als attraktiven Wirtschaftsstandort zu erhalten, der bisher zahllosen jungen Unternehmen – nicht zuletzt wegen günstiger Lebenshaltungs- und Mietkosten – eine Heimat und Basis geben konnte. Sollte dieser Tendenz der steigenden Mieten und wachsenden städtischen Inflation nicht bald ein Ende gesetzt werden, dürften wohl in naher Zukunft Startups und andere Unternehmen nach neuen Standorten suchen und die Hauptstadt hätte dann das Nachsehen.

Grafik: Statista

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