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Elektroschrott – vom Ärgernis zum profitablen Geschäft

Die nachfolgenden Generationen werden uns danken, wenn wir sorgsamer mit Rohstoffen umgehen. Derzeit sieht es noch nicht danach aus: so wie unsere Archäologen heutzutage die Kulturgüter vergangener Äonen ausgraben, werden die Nachfahren unseren Elektroschrott als höchst willkommenen Rohstoff wieder exhumieren. Die Archäologen werden es ist nicht leicht haben. Denn obwohl allein in der EU derzeit jährlich etwa 3.500.000 Tonnen Elektroschrott produziert wird, er wird nicht mehr verbuddelt. Nicht auf Müllkippen entsorgt oder in Bergwerke gekippt, wie das mit anderem, derzeit nicht recycelbarem Abfall noch geschieht. Das Recycling von Elektroschrott hat sich mittlerweile von einer spinnerten Idee einiger Umweltfreaks zu einem respektablen und profitablen Industriezweig gemausert.

Wobei es heutzutage nicht mehr nur um Umweltschutz geht. Klar, wenn Elektroschrott nicht mehr in die Umwelt entsorgt wird, wird diese damit nicht belastet. Insofern können die Umweltschützer der vorherigen Generation nunmehr die Früchte ihrer Arbeit genießen. Obwohl natürlich noch nicht alles getan ist in dieser Hinsicht. Denn Elektroschrott befindet beispielsweise sich auch in Schrottautos, die nach Afrika oder sonst wohin geschippert werden und dort die Umweltschäden verursachen, die hier vermieden werden. Doch wie so oft, hat auch diese Münze zwei Seiten. Die heutigen Umweltschäden in den Ländern, in denen der Elektroschrott aus Europa noch landet, werden künftig die Länder zu reichen Rohstoffquellen machen.

Elektroschrott Elektroschrott - vom Ärgernis zum profitablen Geschäft

Grafik: Statista

Je mehr Wohlstand, desto mehr Elektroschrott

Je besser es den Menschen, insbesondere in Mitteleuropa, geht, umso mehr Elektroschrott erzeugen sie. Zwei Drittel des gesamten in Europa erzeugten Elektroschrotts wird lediglich in vier Ländern, denen es wirtschaftlich gut geht, produziert. Es ist nicht erstaunlich, dass das auch die leistungsstärksten Länder im Kontinent sind. Obwohl, auch die Schweiz als kleines, aber wohlhabendes Land, trägt viel zum Elektroschrottaufkommen bei. Die Menschen, deren Lebensstandard höher ist als anderswo, kaufen sich oft und gerne die kleinen elektronischen Gimmicks. Und werfen sie genauso oft und gerne weg. Das Problem dabei ist, dass die Teile zu billig sind. Sodass eine Reparatur sich nicht lohnt. Denn eine Handwerkerstunde kostet nun einmal, schon wegen der Abgaben darauf. Und was soll ein Gerät, wenn es einem nicht gerade besonders ans Herz gewachsen ist, repariert werden, wenn es für ein Fünftel der Reparaturkosten ein neues gibt?

Die Wegwerfgesellschaft macht‘s möglich. Das wird sich auch nicht in absehbarer Zeit ändern lassen. Denn die Geräte werden nun einmal immer besser und billiger. Die moderne Elektronik macht‘s möglich und die Billighersteller in Asien. Auch lohnt die Reparatur schon deshalb nicht, weil elektronische Geräte heutzutage schneller moralisch altern denn kaputtgehen. Das Problem der Wegwerfgesellschaft entsteht jedoch an anderer Stelle und macht sich so peu à peu bemerkbar: die Rohstoffe. Denn so gut wie alle elektronischen Bauteile erfordern den Einsatz spezieller Materialien.

Dass Gold in jedem Handy ist, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Weit mehr beinhalten elektronische Geräte jedoch Palladium, Rhodium, Silber oder Lithium, dass wir aus den Batterien kennen. Hinzu kommen die sogenannten seltenen Erden. Das ist keine Erde, wie der Name es vermuten lässt, sondern ganz ganz seltene Metalle. Sie sind so selten, dass es nur wenige Länder gibt, in denen sie überhaupt gefördert werden. China ist Weltmarktführer und nutzt sie natürlich gleich für die eigene Produktion. Russland fördert auch seltene Erden, muss diese aber derzeit noch verkaufen, da die eigene Produktion sie nicht in ausreichender Menge verwenden kann. Das wird sich ändern. Beim Gold ist es ähnlich. Abgesehen einmal von den Querelen auf dem internationalen Goldmarkt, bei dem Gold als Währung gehandelt wird, ist Gold als Rohstoff für die Elektronikindustrie unbezahlbar geworden. Nicht umsonst ist der Goldpreis stetig gestiegen, die Nachfrage nach Altgold ebenso. Derzeit kann nur noch ein Drittel der Nachfrage nach Gold für die Industrie aus neu geschürftem Gold gedeckt werden.

Elektroschrott als Rohstoff der Zukunft, aber auch der Gegenwart

Nicht nur kommende Generationen werden glücklich sein über den Rohstoff, denen wir ihnen so leichtsinnig überlassen. Bereits unsere Kinder und deren Kinder werden, wenn sie weiterhin die Vorteile der Elektronik nutzen möchten, nicht umhin kommen, Elektroschrott zu recyceln. Die Aufbereitung ist leider derzeit noch viel zu teuer. Es ist aber abzusehen, dass die Aufarbeitung von Elektroschrott der einzige Weg sein wird, um künftig an Rohstoffe wie bei seltenen Erden zu kommen. Der gegenwärtig am gangbarsten erscheinende Weg ist die Zerkleinerung sämtlicher Elektronikteile in einem Schredder und anschließende chemische Herauslösung der einzelnen Elemente. Was aber, wegen der erforderlichen Chemie, neue Umweltschäden verursachen kann?

Hier ist der Erfindungsreichtum der Ingenieure, insbesondere der heute noch in der Schule befindlichen, gefragt. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass jede Generation ihr Päckchen zu tragen hat. In der Frühzeit der industriellen Revolution war es die Umweltbelastung durch Kohle und deren Verbrennung, es folgte das Desaster des Atommülls. Die vierte industrielle Revolution, deren Beginn wir gerade erleben, wird dazu führen, dass Elektroschrott noch mehr anfällt, aber auch besser genutzt wird. Dieser Weg ist nicht mehr vermeidbar, weltweit. Und damit in den Industrieländern Arbeitsplätze neu schafft.

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Grafik: © Statista

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