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Irrational, Kommentar zu Fiat Chrysler von Sebastian Schmid

Gerüchte, dass chinesische Autobauer an der Übernahme von Fiat Chrysler (FCA) interessiert sein könnten, machen schon länger die Runde. Nun konkretisieren sie sich: Great Wall Motors, ein Autobauer aus dem Reich der Mitte, ist an den italoamerikanischen Autobauer herangetreten, um über einen Kauf der Premiummarke Jeep zu sprechen. Der Aktienkurs zog unmittelbar um 5% an. FCA dementierte im Eiltempo.

Gründe für das schnelle Dementi kann es viele geben. So wird gemutmaßt, dass mit der chinesischen Geely, die bereits Volvo geschluckt hat, eine Komplettübernahme verhandelt werde. Auch könnte der Argwohn der US-Behörden gegenüber chinesischen Käufern ein Grund sein. Noch schwerer wiegt aber: Wird Jeep tatsächlich verkauft, kann der Restkonzern praktisch einpacken. Werden Verhandlungen über das Filetstück eingeräumt, das laut Analysten mehr als FCA insgesamt wert ist, sind Gespräche über den Restkonzern zum Scheitern verurteilt.

FCA-Chef Sergio Marchionne ist zuletzt kaum etwas geglückt. Auf seiner Partnersuche hat er sich GM, Opel, VW und Peugeot an den Hals geworfen – umsonst. Der Versuch, Alfa Romeo als Premiummarke zu etablieren, erweist sich als Luftschloss. Die Absatzerfolge der US-Marken Chrysler und Ram verblassen in der Erinnerung. Trotz hoher Rabatte ist der US-Absatz dieses Jahr um 7% gesunken.

Nur Jeep macht noch Freude. Die SUV-Premiummarke setzte vor wenigen Jahren kaum 400000 Autos im Jahr ab – inzwischen sind es 1,4 Millionen. Während das Geschäft in den USA und Europa schwieriger wird, wurden in China in den ersten sieben Monaten 2017 fast so viele Jeeps verkauft wie im gesamten Vorjahr. Als globale Marke mit Potenzial im Reich der Mitte ist Jeep für chinesische Autobauer hochinteressant.

Der Gedanke, dass Fiat die Marke veräußern könnte, erscheint zwar irrational. Auszuschließen ist ein Deal um Jeep aber nicht. In Elektromobilität und autonomem Fahren hinkt FCA weit hinterher. Auch Jeep kann die starke Position nur halten, wenn Augenhöhe mit den Oberklasse-Rivalen hergestellt wird. Es wird erwartet, dass sich die Gewichte in der Automobilindustrie in den nächsten Jahren verschieben könnten. Auch deshalb investieren BMW, Daimler und Co. Milliarden. Allein können sich aber weder Chinesen noch FCA aussichtsreich in Position bringen. Dabei erscheinen die deutschen Rivalen wegen des Dieselskandals angreifbarer denn je. FCA könnte daher das Irrationale wagen, um rational eine Chance auf Erfolg zu haben.

Quelle: Börsen-Zeitung

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