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Zwischen grün und orange, Kommentar zur US-Notenbank von Stefan Paravicini

Wenn Janet Yellen, Chefin der US-Notenbank, die Verfassung der größten Volkswirtschaft mit einem Farbton beschreiben müsste, würde sie derzeit einen satten Grünton wählen. “Die Wirtschaft scheint sich nach der Abkühlung im ersten Quartal erholt zu haben”, begründete Yellen die Entscheidung der Federal Reserve für die dritte Zinserhöhung in sechs Monaten. Geht es nach den US-Währungshütern, soll ein weiterer Schritt nach oben noch in diesem Jahr erfolgen und der eingeschlagene Kurs auch 2018 fortgesetzt werden. “Weitere graduelle Zinserhöhungen sind in den nächsten Jahren angemessen”, legte sich Yellen fest.

Doch damit nicht genug. Parallel zu der im Dezember 2015 eingeschlagenen und zuletzt verstetigten Politik gradueller Zinserhöhungen hat die Fed jetzt einen lange erwarteten Plan für den Abbau ihrer in Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise aufgeblähten Bilanzsumme vorgelegt. Noch in diesem Jahr will Yellen mit dem Abbau von Staatsanleihen und verbrieften Hypotheken beginnen, die die Notenbank im Rahmen des Quantitative Easing im großen Stil erworben hat.

Noch ist nicht klar, wann genau der Abverkauf starten soll. Der Abbau der Bilanzsumme in Höhe von derzeit rund 4,2 Bill. Dollar werde jedenfalls so geräuschlos vonstattengehen, “wie wenn man der Farbe beim Trocknen zusieht”, hofft Yellen. Monatlich sollen zunächst 10 Mrd. Dollar weniger in neue Anleihen reinvestiert werden. Geduld muss die Notenbank auch mit Blick auf die Inflation beweisen, die sich zuletzt wieder von der angepeilten Teuerungsrate entfernt hat. Derweil mehren sich die Stimmen, die auf dunkle Punkte im konjunkturellen Gesamtbild hinweisen.

Sicher, die Arbeitslosenquote liegt mit knapp 4 Prozent auf Vollbeschäftigungsniveau, worauf Yellen auch weiterhin ihre Hoffnung stützt, dass die Inflation bald die Zielmarke von 2 Prozent erreicht. Die Beschäftigungsquote, die in der Krise von 63 auf 58 Prozent eingebrochen ist, hat indessen nur die halbe Strecke zurück geschafft. Dass die neue Regierung die versprochenen Impulse setzen kann, während Donald Trump wohl mit einer Untersuchung des vom Justizministerium eingesetzten Sonderermittlers Robert Mueller konfrontiert ist, wird von Tag zu Tag unwahrscheinlicher. Die politische Lage des US-Präsidenten entspricht farblich längst seinem Teint. Zumindest der Bondmarkt signalisiert für das konjunkturelle Umfeld eine ähnliche Einfärbung. Auf dem Aktienmarkt stehen derweil scheinbar ungetrübt alle Zeichen auf Grün.

Quelle: Börsen-Zeitung

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