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Acino und das Verhütungspflaster

Acino in AeschBasel – Seit rund einer Woche liegt die Mehrheit der Aktien des Pharmaunternehmens Acino in den Händen von zwei Beteiligungsgesellschaften, die planen, Acino von der Börse zu nehmen. Das Unternehmen verfügt über ein Ass im Ärmel, das von großen Pharmafirmen heiß begehrt ist, das Verhütungspflaster. Aber auch andere Medikamentenpflaster werden von Acino erzeugt. Das Unternehmen ist dabei qualitativ derart gut aufgestellt, dass selbst Weltkonzerne bevorzugen, bei dem Basler Unternehmen zu bestellen, als selbst zu produzieren. Auch der Pharmariese Bayer steht bereits im Wartezimmer bei Acino, denn demnächst wird das neue Verhütungspflaster zugelassen.

Wirkstoffe über Haut aufnehmen

In erster Linie sind es Hormone, die via Pflaster über die Haut aufgenommen werden. Die Wirkstoffe werden dabei gleichmäßiger verteilt als bei einer oralen Aufnahme beziehungsweise über Spritzen. Auch die Belastung der Leber und die Vermeidung eines vorzeitigen Abbaus im Verdauungstrakt erweisen sich gegenüber oralen Gaben als positiv. Hormonpflaster werden bereits seit längerer Zeit bei Wechselbeschwerden angewendet. Durch die Nebenwirkungen der Antibaby-Pille sind sie inzwischen auch ein beliebtes Verhütungsmittel. Die Sicherheit der Pflaster entspricht mit einem Pearl-Index von 0,88 der der Pille. Und Acino hat nicht nur qualitativ bei der Erzeugung von Hormonpflastern gegenüber anderen Konzernen die Nase vorne, sondern auch bei der Entwicklung des kleinsten, am niedrigsten dosierten Verhütungspflasters. Durchsichtig, unauffällig, bleibt es, mit Hormonen beschichtet, drei Wochen auf der Haut. Nach einer Woche des Nichttragens, kann es wieder an einer anderen Stelle aufgebracht werden. In den nächsten Tagen soll die Zulassung erfolgen.

Zweitgrößte Pflasterfabrik Europas

Acino ließ die zweitgrößte Pflasterfabrik Europas errichten, wobei 20 Millionen Euro investiert wurden. Insgesamt sind bei Acino 836 Mitarbeiter beschäftigt. 2012 wurde ein Umsatz von 257,1 Millionen Euro erzielt, doch das neue Verhütungspflaster soll für weiteres Wachstum sorgen. Nicht unbeteiligt dabei, der Pharmariese Bayer. Verwaltungsrats-Präsident Luzi von Bidder plant die Produktion einer dreistelligen Millionenanzahl der Pflaster: „Wir werden von Bayer abgegolten.“ Der Vertrieb von Antibaby-Pillen ist stark rückläufig, doch Bayer möchte auf dem Weltmarkt weiterhin bei Hormonpräparaten in erster Front mitspielen. Da kommen neuen Patches von Acino gerade rechtzeitig. Gelingt die Einführung, erwartet Bayer allein mit dem Produkt in einigen Jahren einen Umsatz von bis zu 500 Millionen Euro. Und Bayer muss sich im Rahmen der Verhütung sehr bemühen, den Ruf des Unternehmens wieder herzustellen. Wurden doch in diesem Jahr eine Bayer-Pille nach vier Todesfällen nach der Einnahme in Frankreich vom Markt genommen. In den USA musste der Konzern tausende Patientinnen finanziell entschädigen und der Fall einer jungen Frau, die nach Einnahme der Pille eine Lungenembolie erlitt, erregte ebenfalls Aufsehen. Das Acino Pflaster soll sichtlich auch die Imagewunden von Bayer heilen.

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