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Flughafen-Start-Landung

Austro-Control kritisiert Pläne für einheitlichen europäschen Luftraum

Flughafen Start und Landung

Wien - "Es ist purer Sarkasmus gegenüber den ArbeitnehmerInnen, wenn die EU-Mitgliedstaaten und die EU-Kommission in Krisenzeiten und Rekordarbeitslosigkeit ernsthaft auf Maßnahmen setzen wollen, die Arbeitsplätze gefährden", kritisiert Austro-Control-Betriebsratsvorsitzender am Flughafen Wien, vida-Gewerkschafter Daniel Liebhart, den neuesten Anlauf aus Brüssel zur weiteren Vereinheitlichung des Europäischen Luftraums. Nicht umsonst habe es erst im heurigen Jänner massive europaweite Proteste der FluglotsInnen gegeben. "Wenn es sein muss, werden wir unseren Widerstand gegen Privatisierung, Arbeitsplatzgefährdung und Sicherheitsrisiken im Air-Traffic-Management verstärken", kündigt Liebhart an.

Wenn die EU-Kommission verspreche, dass Fliegen durch den einheitlichen europäischen Luftraum und die Abschaffung der nationalen Kontrollblöcke "günstiger und sicherer" würde, dann sei dies eine Täuschung, so Liebhart weiter. Erst Mitte Dezember war es im britischen Kontrollzentrum Swanwick bei der privaten Betreiberfirma NATS zu einem Computerproblem gekommen. Massive Ausfälle, Verspätungen und Ungewissheiten seien für die Passagiere entstanden. Auch der Flughafen London-Heathrow, das wichtigste europäische Luftverkehrsdrehkreuz, sei von dieser Panne stark betroffen gewesen.

"So etwas darf in einem hochsicherheitsrelevanten Bereich wie der Flugsicherung einfach nicht passieren", sagt Liebhart. Noch dazu müsste man es gerade in England besser wissen. Die für sich sprechenden Beispiele der Privatisierung der englischen Eisenbahn oder der Londoner U-Bahn hätten in den vergangenen Jahren deutlich vor Augen geführt, wohin die Profitmaximierungsphilosophie privater Betreiber im Verkehrsbereich führen könnten: Zugausfälle und Streichung von unrentablen Verbindungen, teurere Fahrpreise und gehäufte Unfälle wegen mangelnder Instandhaltung bzw. kaputter Infrastruktur. "Wir dürfen nicht zulassen, dass es auch in der Luftfahrt zu derartigen Szenarien kommt. Das könnte sonst zu schwerwiegenderen Folgen führen", warnt der Betriebsrat.

Zudem würden sich viele Flugticketpreise schon lange aufgrund des enormen Kostendrucks der Airlines im Wettbewerb unterhalb der Verlustgrenze bewegen und würden unter den eigentlichen Werten der Dienstleistungen angeboten. "Weiteres Preisdumping müssten alle Beschäftigten in der Luftfahrt mit weiterem Lohn- und Sozialdumping sowie steigendem Druck am Arbeitsplatz bezahlen. Für die Kunden würde das weniger Sicherheit und weniger Service bedeuten", gibt der Betriebsrat zu bedenken.

"Die gute Ausbildung sowie Qualität des Personals und somit auch die Sicherheit der Passagiere und des Airline-Personals müssen beim Air-Traffic-Management ohne Wenn und Aber an erster Stelle bleiben", fordert Liebhart. Der Beruf der FluglotsInnen sei ein anspruchsvoller und das müsse auch so bleiben. Ohne das dafür notwendige qualifizierte Personal könne nicht mehr für ausreichende Sicherheit garantiert werden, gibt der Betriebsrat zu bedenken.

Verwundert zeigt sich Liebhart über die Prognosen der Kommission, wonach durch einen einheitlichen Luftraum 300.000 neue Arbeitsplätzen entstehen könnten. In einer Branche, die seit der Finanz- und Wirtschaftskrise am absoluten Limit operiere, in der fast weltweit nur mehr rationalisiert, Löhne gedrückt und Personal abgebaut werde, von zusätzlichen hunderttausenden neuen Arbeitsplätzen zu sprechen, sei völlig aus der Luft gegriffen. Es sei zudem unverantwortlich, wenn die Kommission im Zusammenhang mit dem einheitlichen europäischen Luftraum immer nur auf eine Vergrößerung der Kapazitäten, Flugstreckenverkürzung und Kosten schiele ohne gleichzeitig Zielvorgaben zu machen, wie dabei das Ausbildungs- und Sicherheitsniveau gehalten bzw. verbessert werden könne.

Auch das Argument der Kommission, dass Flugzeuge wegen 27 nationaler Kontrollsysteme der EU-Mitgliedsstaaten unnötige Verzögerungen im Luftraum auf sich nehmen müssten, greife kaum. Die durchschnittliche Abweichung von der kürzest möglichen Route betrage nämlich gerade einmal 28 km. "Eine derartige Entfernung sei für ein Flugzeug eine kaum nennenswerte Distanz und auch aus ökonomischer Sicht kaum von Bedeutung", stellt Liebhart fest.

Zudem hätten sich die neue EU-Verkehrskommissarin Violeta Bulc und der Chef der privaten britischen Flugkontrolle NATS, Richard Deakin, in einem von ORF-Online Anfang Dezember veröffentlichten Bericht gleich selbst widersprochen. Denn beide würden in einem Atemzug davon reden, dass durch das Zustandekommen eines einheitlichen europäischen Luftraums FluglotsInnen eingespart werden könnten.

Bulc und Deakin befürchten laut Bericht deswegen Widerstand der Gewerkschaften. "Das bestätigt eins zu eins unsere Befürchtungen. Wir wollen aber in der europäischen Flugsicherung keine Situation analog den Airlines, wo schon europäische Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter mit Dumpinglöhnen aus dem arabischen Raum konkurrieren müssen. Wertvolle Arbeitsplätze in der europäischen Wirtschaft müssen samt Wertschöpfung in Europa bzw. Österreich erhalten bleiben. Das müssen die Mitglieder der EU-Kommission endlich ernst nehmen. Wir wollen keine privaten Billiganbieter. Sonst werden wir uns mit einem Arbeitskampf entsprechend zur Wehr setzen", bekräftigt Liebhart.

Quelle: ots

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