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Bahn im Personenverkehr weit von eigenen Zielen entfernt

Die Deutsche Bahn ist in der Coronakrise noch weit entfernt von den eigenen Grundannahmen für ein Wiederhochfahren des Transportaufkommens. Das berichtet die „Welt“ (Montagsausgabe). Demnach geht der Staatskonzern nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums davon aus, dass die Transportleistung im Fernverkehr – gemessen in Personenkilometern – im Dezember dieses Jahres 84 Prozent des ursprünglich vor Corona aufgestellten Plans für jenen Monat entspricht.

Bei einem pessimistischeren Szenario der Bahn werden für Dezember 83 Prozent der ursprünglich geplanten Personenkilometer angesetzt. Aktuell jedoch verzeichnet das Unternehmen im Fernverkehr erst rund 50 Prozent der Fahrgastzahlen aus der Zeit vor der Pandemie, wie ein Bahnsprecher der Zeitung sagte. Die Angaben zu den Erwartungen der Bahn für Dezember ergeben sich aus der Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf eine Berichtsbitte des Grünen-Haushaltspolitikers Sven-Christian Kindler. Die Antwort, über welche die „Welt“ berichtet, beziffert die Grundannahmen des finanziellen Corona-Szenarios, welches die Bahn im Mai präsentiert hatte. Damals ging der Konzernvorstand davon aus, dass es bei den inländischen Aktivitäten im Schienen- und Busverkehr allein wegen der Coronakrise bis zum Jahr 2024 zu zusätzlichen finanziellen Einbußen zwischen 8,2 Milliarden Euro in einem Basis-Szenario und 10,2 Milliarden im schlechteren Fall kommen werde. Unbekannt war bisher, welche Annahmen zum Transportaufkommen den Szenarien zugrunde lagen. Dies wird jetzt nicht nur beim Fernverkehr deutlich. Beim Regionalverkehr erwartet die Bahn laut Ministerium, dass die Transportleistungen von DB Regio im Dezember 79 Prozent beziehungsweise 60 Prozent der vor Corona für jenen Monat geplanten Personenkilometer entsprechen. Der schlechtere Prognose-Wert gerät derzeit in Reichweite, da DB Regio aktuell etwas mehr als 60 Prozent der ursprünglichen Nachfrage verzeichnet, wie ein Bahnsprecher der Zeitung sagte. Vor der Coronakrise geplant war aber, dass die Regionalverkehrszahlen für 2020 noch über über denen des Vorjahres liegen sollten. Im Güterverkehr geht die Bahn davon aus, dass DB Cargo im Basis-Szenario 84 Prozent und im schlechteren Szenario 76 Prozent des für Dezember ursprünglich geplanten Tonnenkilometer fährt. Im ersten Halbjahr 2020 kam DB Cargo auf rund 87 Prozent der Tonnenkilometer des Vorjahreszeitraums. Weil die bisher niedrigen Transportleistungen des Personenverkehrs die finanziellen Risiken des Staatskonzerns noch erhöhen könnten, sieht Sven-Christian Kindler von den Grünen die Bundesregierung in der Pflicht: „Die Bundesregierung darf nicht weiter die Hände in den Schoß legen und warten, bis die Deutsche Bahn nach dem Ende der akuten Krise in noch größeren Schwierigkeiten ist, aus denen sie sich nicht aus eigener Kraft befreien kann“, sagte Kindler der Zeitung. Corona habe „alle Schwierigkeiten des Bahnkonzerns noch einmal verschärft und alle strukturellen Probleme noch deutlicher offengelegt“.

Foto: ICE, über dts Nachrichtenagentur

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