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Medikamentensucht

Der Drogenbericht 2012 – Sucht ist kein Randgruppenthema

Medikamentensucht Der Drogenbericht 2012 - Sucht ist kein Randgruppenthema

Berlin – Das Thema Sucht und Drogen spielt in unserer Gesellschaft keine untergeordnete Rolle, denn es handelt sich nicht um ein Thema, das eine kleine Randgruppe von Menschen betrifft. Vielfach wird der Begriff Sucht allein mit krankhafter Abhängigkeit von Drogen, Medikamenten oder Alkohol gleichgesetzt, jedoch wird dabei dem hohen Anteil des missbräuchlichen und gefährdenden Gebrauchs von Suchtmitteln wie auch nicht stoffgebundener Verhaltensweisen (Glücksspiel, Sexsucht oder Computersucht) weniger Beachtung geschenkt.

Bei allen Formen von Sucht und Abhängigkeitserkrankungen handelt es sich um schwere chronische Erkrankungen, die nicht nur beim Abhängigen selbst zu erheblichen Gesundheitsschäden, Folgeerkrankungen bis zum vorzeitigen Tod führen können, sondern sie wirken sich in aller Regel auch enorm negativ auf die Familienangehörigen, Freunde und das gesellschaftliche Umfeld aus.
Anlässlich der Veröffentlichung des Suchtberichts der Bundesregierung wurde deutlich, dass der Drogen- und Suchtmittelkonsum zwar leicht rückläufig ist, jedoch immer noch ein recht hohes Ausmaß aufweist. Vor allem wird eine Verlagerung der Suchtproblematik deutlich. Während besonders unter Jugendlichen der Alkoholkonsum, der Genuss von illegalen Drogen, sowie das Rauchen leicht rückläufig sind, nimmt die Zahl der Spielsüchtigen und der Internetabhängigen dramatisch zu. Diese beiden Suchtarten sind natürlich auch zwangsläufig eng miteinander verknüpft, denn ein großer Anteil der Spielsüchtigen nutzt die Möglichkeit, ihre Sucht beim Online Spiel auszuleben.

Unsere beigefügte Infografik macht das Ausmaß der Suchterkrankungen in Deutschland nur zum Teil deutlich, gibt jedoch einen recht repräsentativen Überblick über den Ernst der Gefährdung. Sie zeigt, dass Sucht in Deutschland kein Problem einer Randgruppe oder Minderheit ist, sondern dass sie sich durch alle Bevölkerungsschichten und Altersgruppen zieht. Besonders erschreckend aber ist, dass ein sehr hoher Prozentsatz an Jugendlichen von Sucht betroffen ist.

Sucht Der Drogenbericht 2012 - Sucht ist kein Randgruppenthema

Grafik: Statista

Allein 5 bis 7 Millionen Angehörige sind von der Alkoholabhängigkeit eines Familienmitglieds betroffen und 2 bis 3 Millionen Kinder leben in Familien, die als suchtbelastet gelten. Statistiken belegen wiederum, dass 50-70% dieser Kinder später selbst abhängig werden. Spätestens jetzt sollten bei vielen Menschen die Alarmglocken läuten.
In Deutschland verursachen Suchterkrankungen und Drogenabhängigkeit erhebliche gesundheitliche, soziale und volkswirtschaftliche Probleme.

Alkohol – die legale Droge

Die Grafik macht deutlich, dass 1,3 Millionen Deutsche als alkoholabhängig gelten und jährlich 73.000 Menschen an den Folgen des Missbrauchs von Alkohol sterben. Noch erschreckender aber dürfte die Aussage sein, dass 9,5 Millionen Menschen in Deutschland die legale Droge Alkohol in riskanter Form konsumieren, was zu einem Pro-Kopf-Verbrauch von 10 Litern reinen Alkohol führt. Bedenkt man, dass die kritische Menge reinen Alkohols bei Männern bei max. 25 ml und bei Frauen um 15 ml 2-3 mal pro Woche liegt, kann man das Ausmaß der Gefährdung erkennen. Beim berüchtigten „Komasaufen“, das besonders unter Jugendlichen schon oft dramatische Auswirkungen hatte, ist aber ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen, was die Drogenbeauftragte der deutschen Bundesregierung Dyckmans als Erfolg der Maßnahmen der Drogen- und Suchtprävention der Bundesregierung wertet.

Tabakkonsum und das vermeidbare Gesundheitsrisiko

In Deutschland rauchen rund 16 Millionen Menschen und 110.000 Deutsche sterben jährlich an den direkten Folgen des Rauchens. Hinzu kommen noch einmal mehr als 3.000 Bundesbürger, die durch Passivrauchen vorzeitig versterben. Die Grafik zeigt noch ein paar weitere erschreckende Zahlen, die kaum kommentiert werden müssen. Beispielsweise liegt die Lebenserwartung starker Raucher 10 Jahre niedriger als bei Nichtrauchern. Die Bemerkung, dass Rauchen das größte vermeidbare Gesundheitsrisiko unserer Zeit ist, sollte deshalb für manchen Raucher eine Überlegung wert sein. Positiv ist in dem Zusammenhang zu sehen, dass mittlerweile nur noch 12 Prozent in der Gruppe der 12- bis 17-Jährigen mindestens einmal pro Woche zur Zigarette greifen.

Medikamente – vom Beruhigungsmittel zur Sucht

Bei der Medikamentensucht, die mehrheitlich ältere Menschen und Frauen betrifft gehen die Zahlen ein wenig auseinander, da es sich bei dieser Form der Sucht um eine lange verdeckt bleibende Form der Abhängigkeit handelt. Schätzungen liegen dabei zwischen 1,4 und 1,9 Millionen Erwachsenen aus. Teilweise resultieren solche Abhängigkeiten schleichend aus ärztlicher Behandlung, größtenteils aber aus allzu sorglosem Konsum von Schlaf- und Beruhigungsmitteln, die heute immer öfter genutzt werden, um vom stressigen Alltag abschalten zu können, denn hier liegt das Suchtpotenzial am höchsten.

Illegale Drogen – weniger Drogentote

Die Aussage der Grafik, dass jeder vierte Deutsche zwischen 18 und 64 Jahren schon einmal Kontakt mit illegalen Drogen in Form von Cannabisprodukten hatte und 7,4% sogar schon einmal harte Drogen konsumiert haben, ohne dass diese in die dauerhafte Abhängigkeit geraten sind, macht das Problem nicht wirklich deutlich. Auch wenn die Zahl der Todesfälle durch den Konsum illegaler Drogen in Deutschland rückläufig ist, sind im Jahr immer noch rund 980 Drogentote zu beklagen.

Der Drogensuchtbericht 2012 und die Infografik machen, wie eingangs schon einmal erwähnt, deutlich, dass sich eine besorgniserregende Tendenz zu Glücksspielen, sowie exzessiv-pathologischem Computerspiel- und Internetgebrauch entwickelt, und der Trend in diesem Bereich weiter steigend ist. Von den 14- bis 24-jährigen Jugendlichen gelten rund 250.000 als internetabhängig und weitere 1,4 Millionen als problematische Internetnutzer.

Alles in allem zeigt der Suchtbericht der Bundesregierung, dass im Kampf gegen Sucht nicht allein der Kampf gegen legale oder illegale Drogen große Beachtung verdient, sondern dass vor allem die Entwicklung im Bereich der nicht stoffgebundenen Anhängigkeiten viel Aufklärungs- und Präventionsarbeit zu leisten ist, um soziale und wirtschaftliche Schäden zu vermeiden oder wenigstens zu vermindern.

Foto: © Smileus – Fotolia

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