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Entwicklung und Tendenzen der Arbeitslosigkeit in Deutschland seit 1991

Die Entwicklung der Arbeitslosenzahlen in Deutschland zeigt, dass bereits seit 2008 kein Anstieg mehr zu verzeichnen ist und, dass die Zahlen weit entfernt von den Spitzenwerten aus den Jahren 2003 bis 2006 sind. Die unten stehende Grafik verdeutlicht die Zahlen der Jahre von 1991 bis heute. Um die Zusammenhänger der Zahlen zu verstehen, ist es notwendig, die einzelnen Zeitspannen und ihre Ereignisse zu beleuchten.

Aus zwei mach Eins - hohe Arbeitslosenzahlen durch Umstrukturierung

Nach der Wiedervereinigung beider deutscher Staaten galt es zunächst, die marode Wirtschaft in den neuen Bundesländern wieder in die Rentabilitätszone zu bringen, was selbstverständlich mit einem Stellenabbau bisher kaum gekannten Ausmaßes im Osten Deutschlands verbunden war. Zahlreiche Betriebe mussten innerhalb der nächsten Jahre umstrukturiert oder auch stillgelegt werden. Die Arbeitslosenzahlen belegen diese eindeutig. Da nicht nur die ehemalige BRD, sondern auch die frühere DDR als Exportnationen galten und der gesamte osteuropäische Markt durch die Umwälzungen wegbrach, waren Schließungen und Entlassungen unvermeidbar.

Schröders Agenda 2010 - erntet Merkel den Erfolg?

In den Jahren 1998 bis 2005 während der Kanzlerschaft Gerhard Schröders, der die Senkung der Arbeitslosenzahlen bei seinem Amtsantritt zum Hauptanliegen erklärt hatte, lässt sich eine interessante Entwicklung feststellen. Nach der Einführung seines Reformprogramms Agenda 2010 zum Umbau des Sozialstaates im Jahre 2003, welches die Kürzung der Bezugszeit von Arbeitslosengeld auf generell ein Jahr und die Einführung des Arbeitslosengeld 2 vorsah, ist sogar noch ein weiterer Anstieg auf die Rekordhöhe von fast 5 Millionen Menschen ohne Arbeit zu verzeichnen. Dieser hatte für Schröder mit seiner SPD bei Landtagswahlen Verluste in Reihe zur Folge, worauf hin Schröder die Vertrauensfrage stellte, um vorgezogene Neuwahlen zu ermöglichen. Gewinner der Neuwahlen war Angela Merkel, die bis heute das Amt des Bundeskanzlers innehat. Unter ihrer Kanzlerschaft begannen die Reformen, welche von Schröder eingeleitet wurden, erste Früchte zu tragen und die Arbeitslosenzahl hat seitdem kontinuierlich abgenommen. Zumindest auf den ersten Blick – denn man sollte nicht vergessen, dass die Statistik bei genauerer Betrachtung Fragen aufwerfen sollte. Zum Beispiel werden Arbeitslose, die in einer Umschulung stecken, nicht als Arbeitslose gezählt.

Nahezu Vollbeschäftigung im Süden - im Norden und Osten Probleme

Betrachtet man die zweite Grafik, wird sehr schnell deutlich, dass es immer noch zwei Achsen für die Verteilung gibt, was nicht zuletzt auf die Entwicklungen der Neunzigerjahre zurückzuführen ist. Am höchsten ist die Arbeitslosigkeit in Ostdeutschland – der ehemaligen DDR, am niedrigsten im Westen in den Südländern Bayern und Baden-Württemberg, wo man nahezu von Vollbeschäftigung sprechen kann. Nicht zuletzt sind hier die großen Automobilhersteller Mercedes, Audi, BMW und Porsche angesiedelt, sondern auch der Maschinenbau - Deutschlands Vorzeigebranche Nummer zwei - ist in Süddeutschland zuhause. In Rheinland-Pfalz und Hessen ist die Arbeitslosigkeit noch relativ moderat, dramatisch wird es jedoch wieder in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Das hängt in NRW sicher mit dem Niedergang des Bergbaus zusammen. Auch die Textilindustrie, die früher erfolgreich im Rheinland und im Münsterland ansässig war, ist nach Asien verlagert worden. In Niedersachsen gibt es mit Volkswagen zwar einen großen Arbeitgeber, doch der kann auch ein so großes Flächenland wie Niedersachsen nicht allein beschäftigen. Erwähnenswert ist vielleicht noch der Stadtstaat Bremen , der in der Arbeitslosigkeit mit 11 Prozent auf einem Niveau mit Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern liegt. Man muss sich fragen, wie eine Region wirtschaftlich erfolgreich sein soll oder kann, wenn 40 Prozent der Beschäftigten – wie in Bremen – im öffentlichen Dienst arbeiten. Grafik: Statista

Die Krise 2008 hinterlässt Spuren

Die dritte Grafik liefert Information über die Zahl der Bezieher von ALG I im Zeitraum von 2002 bis heute in absoluten Zahlen. Die Zahlen mögen für sich sprechen, aber sie werfen auch interessante Fragen auf. Wir sehen, dass die Zahlen kontinuierlich kleiner wurden, mit einer Ausnahme: Anstieg in 2009, was auf die Weltwirtschaftskrise 2008 zurück zu führen ist. Dies wird durch Grafik Nummer fünf zusätzlich untermauert, wenn man die Zahl der gemeldeten offenen Stellen von 2007 bis 2012 betrachtet. Auch hier ist die niedrige Zahl in 2009 augenfällig und macht die Konsequenz der Krise von 2008 deutlich. In den Jahren 2011 und 2012 bleibt die Zahl der Bezieher von ALG I in etwa gleich, jedoch ist 2012 noch nicht zu Ende, man muss hier also noch ein wenig abwarten, um einen Trend benennen zu können. Diese Werte könnten aber auch wichtige Indikatoren sein, wie schnell es gelingt, Bezieher von ALG I wieder in Arbeit zu bringen, ehe sie in die Stufe von ALG II rutschen, um dann als Langzeitarbeitslose zu gelten, deren Vermittlungschancen erheblich schlechter werden.

Positive Tendenzen mit Fragezeichen

Wie die vierte Grafik deutlich macht, konnte die Dauer der Arbeitslosigkeit von durchschnittlich ca. 39 Wochen in 2000 auf ca. 34 Wochen in 2010 gesenkt werden. Jedoch gab es diese signifikante Absenkung erst in 2009 und 2010, nach einer Hochzahl von ca. 41 Wochen in 2007. Es stellt sich die Frage, wie diese Senkung erreicht werden konnte. Ein wichtiger Baustein dürfte die immer bessere Integration auch älterer Arbeitsloser sein. Allerdings sollte auch hinterfragt werden, ob durch den Schritt in die Beschäftigung älterer Arbeitsloser auch wirklich die Bedürftigkeit staatlicher Unterstützung hinfällig ist, oder ob die Einkommen dieser Gruppe so gering sind, dass sie allein nicht zum Bestreiten des kompletten Lebensunterhalts ausreichen. Der Begriff Teilzeitarbeit und geringfügig Beschäftigte ist gerade in dieser Altersgruppe besonders oft zu hören. Wurde also wirklich die Beschäftigung erhöht? Die sechste und letzte Grafik dürfte uns durchaus positiv stimmen, zeigt sie uns doch die Diagnose der Zahl der Arbeitslosen von 2008 bis hin zur Prognose von 2012 und 2013 durch unabhängige Wirtschaftsinstitute. Auch hier gilt die eben aufgeworfene Frage, ob die positiven und optimistischen Erwartungen für die Zukunft nur statistischer Art sind, oder ob sie auch von den Betroffenen so angesehen wird.

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