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EU baut Ärztekorps für Einsätze in Epidemie-Gebieten auf

Ebola-Übung, Tânia Rêgo/Agência Brasil, Lizenztext: dts-news.de/cc-byIm Kampf gegen Epidemien wie Ebola und weitere medizinische Krisenfälle will die Europäische Union künftig ein Ärztekorps (`European Medical Corps`) einsetzen. Die neue medizinische Krisenhilfe, die neben Ärzteteams auch Labore, mobile Krankenhäuser, Laboreinrichtungen und Flugzeuge zur Evakuierung von Schwerkranken umfasst, soll am kommenden Montag in Brüssel aus der Taufe gehoben werden, berichtet die „Welt“ unter Berufung auf die EU-Kommission und das Auswärtige Amt in Berlin. Neun EU-Länder haben sich demnach bisher bereit erklärt, in Krisensituationen kurzfristig abrufbare Ärzteteams oder medizinische Logistik zur Verfügung zu stellen.

Deutschland wird dabei mit einem Ärzteteam, einem mobilen Krankenhaus und einem Labor unter Führung des Bernhard-Nocht-Instituts den größten Beitrag leisten. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte der „Welt“: „Ich begrüße, dass die EU unsere Initiative aufgenommen und nun mit dem `European Medical Corps` einen Pool geschaffen hat, dessen Expertise und Fähigkeiten sofort abgerufen werden können. Wir machen damit einen großen Schritt vorwärts.“ Steinmeier hatte Ende 2014 anlässlich des Ausbruchs von Ebola zusammen mit seinem damaligen französischen Amtskollegen Laurent Fabius eine entsprechende Initiative vorgeschlagen und für die Einsetzung von „Weißhelmen“ geworben. Auf diesen Begriff wird jetzt allerdings aus mehreren Gründen verzichtet. Steinmeier sagte weiter, bei Krisensituationen sei Eile geboten. „Zeit ist der entscheidende Faktor. Deshalb ist es so wichtig, dass wir bei solchen akuten Krisen im Gesundheitsbereich so früh, so schnell, so entschlossen und so effizient wie nur irgend möglich reagieren können, Menschen zu helfen und Gefahren einzudämmen.“ Der deutsche Chefdiplomat kündigte an, dass Berlin „substanzielle Beiträge“ beim EU-Ärztekorps leisten werde. Dabei würden auch das Deutsche Rote Kreuz, das Technische Hilfswerk und des Bernhard-Nocht-Institut einbezogen. Der für humanitäre Hilfe und Krisenschutz zuständige EU-Kommissar Christos Stylianides sagte der „Welt“: „Mit dem europäischen Ärztekorps wissen wir vor Ausbruch einer Krise bereits, was genau an Hilfen verfügbar ist. Wir wissen, wie viele mobile Krankenhäuser, wie viele Laboreinrichtungen und wie viele medizinische Notfallteams wir einsetzen können. Und das ist genau das, was während der Ebola-Krise gefehlt hatte. Europa wird mit Hilfe des neuen medizinischen Krisenmechanismus bei Bedarf schneller und effektiver reagieren können.“ Es ginge nicht darum, „Brüsseler Parallelstrukturen“ aufzubauen, sondern die Kapazitäten in den Mitgliedstaaten zu nutzen und sie effizient einzusetzen. Das neue Projekt wird aus EU-Geldern und nationalen Mitteln bezahlt. Neben Deutschland beteiligen sich bisher Belgien, Luxemburg, Spanien, Tschechien, Frankreich, die Niederlande, Finnland und Schweden. Belgien wird dabei im Krisenfall Speziallabore zur Verfügung stellen und Luxemburg Spezialflugzeuge zur Evakuierung. Finnland, die Niederlande und Schweden wiederum schicken Logistikexperten, die die Arbeit am Krisenort koordinieren.

Foto: Ebola-Übung, Tânia Rêgo/Agência Brasil, Lizenztext: dts-news.de/cc-by

 

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