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Ex-Außenminister Fischer plädiert für Corona-Bonds

Der frühere Bundesaußenminister Joschka Fischer hat sich in der Coronakrise für eine gemeinsame Schuldenaufnahme der EU-Länder, sogenannte Corona-Bonds, ausgesprochen. „Zu meinen, wir seien nicht zur Solidarität mit Italien verpflichtet, würde bedeuten, dass wir die ganze Konstruktion dran gäben und zurückfielen auf einen deutschen Nationalstaat“, sagte Fischer der „taz“ (Samstagsausgabe). Dies sei eine „Todessehnsucht“.

Der ehemalige Außenminister sieht aber auch Chancen in der Coronakrise: „Was wir jetzt im Zeitraffer erleben, gibt uns eine Vorahnung auf das, was kommen wird, wenn etwa das globale Klima kollabiert. Insofern werden wir andere Prioritäten setzen müssen. Das bietet vielleicht gerade in der internationalen Politik eine Chance, dass aktuelle Konflikte und Krisen überwunden werden können“, sagte er. Der ehemalige Grünen-Politiker hätte persönlich kein Problem damit, falls demnächst Jüngere wieder einen normalen Alltag hätten, Ältere und Risikogruppen aber zu Hause bleiben müssten. „Ich bin 72 Jahre und wenn wir Alte uns mehr selber schützen müssen und sei es nur durch einen längeren, temporären Rückzug aus der Öffentlichkeit, dann ist es so“, sagte Fischer. Das sei jetzt „nicht der richtige Moment dafür, aber dass die Jugend dauerhaft aufs Party machen verzichtet oder verzichten muss, das wünsche ich mir nicht“, so der frühere Außenminister weiter. Als Konsequenz aus der Coronakrise halte er ein „neues Verhältnis von Staat und Wirtschaft“ für notwendig. „Der Staat wird zum Vorsorgestaat“, sagte Fischer der „taz“. Es zeige sich nun, dass manches nicht dem Weltmarkt überlassen werden könne. Dies gelte für Fragen der pharmazeutischen Versorgung, aber auch für Sicherheitsfragen und Datenfragen. „In solchen Fällen wird die Politik künftig sagen: Das kann nicht nur über den Markt gelöst werden. Das ist eine Frage der Daseinsvorsorge“, so der ehemalige Grünen-Politiker.

Foto: Joschka Fischer, über dts Nachrichtenagentur

 

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