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Handel mit Russland verliert für Thüringer Unternehmer an Bedeutung

Die Handelsbeschränkungen der Europäischen Union gegen Russland haben in den vergangenen 12 Monaten zu einem drastischen Rückgang des Exportvolumens aus dem Freistaat gesorgt. So verliert der Handel mit Russland auch für Thüringer Unternehmer weiter an Bedeutung. Doch auch die russische Wirtschaft wird durch die anhaltende Kapitalflucht und die große Abhängigkeit von Öl und Gas zusätzlich belastet. Mittlerweile leidet die russische Währung besonders unter dem niedrigen Ölpreis. Der Rubel ist eingebrochen und damit auch der bilaterale Handel fast aller Länder mit Russland.
„Ein Jahr nach Inkrafttreten der Sanktionen gegen Russland zeigt auch die Thüringer Handelsbilanz deutlich nach unten. Die Exporte des Freistaats  im 1. Quartal 2015 liegen mit 60 Millionen Euro nochmals rund 30 Prozent unter dem Vorjahresniveau“, informiert Gerald Grusser, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Erfurt. Russland verliere als Handelspartner für die Thüringer Unternehmen weiter an Bedeutung: Der Anteil der Ausfuhren nach Russland an den gesamten Warenlieferungen betrage nur noch 1,8 Prozent. Stark rückläufig wären auch die Einfuhren von Waren und Dienstleistungen aus dem osteuropäischen Land. Deren Anteil sei inzwischen auf 0,8 Prozent gesunken.
Doch auch Russland befindet sich in einer der schwersten Wirtschaftskrisen der letzten Jahrzehnte. Und das hat nicht nur mit dem Ukraine-Konflikt zu tun. Notwendige Strukturreformen sind über Jahre verschleppt und nicht angepackt worden. Die Abhängigkeit der russischen Wirtschaft von Öl und Gas ist nach wie vor groß. Vertrauensverlust, weniger Investitionen
und Kapitalflucht haben die Situation zusätzlich belastet. Mittlerweile leitet die russische Währung besonders unter dem niedrigen Ölpreis. Der Rubel ist eingebrochen und damit auch der bilaterale Handel fasst aller Länder mit der Russischen Föderation. Das zeigt: Sanktionen sind nicht die alleinige Ursache für die wirtschaftliche Entwicklung. Sie haben jedoch den schon vorher einsetzenden Trend noch verschärft.
„Auch der Anteil an den gesamtdeutschen Exporten beträgt nun weniger als zwei Prozent. Russland ist von Platz 11 (2013) der deutschen Außen-handelspartner auf Platz 16 gerutscht“, so der IHK-Chef. Die Kaufkraft der Bevölkerung wäre dramatisch gesunken. So sei allein der Markt für Neuwagen um ein Drittel geschrumpft.
Russische Firmen haben vor allem aufgrund der Finanzsanktionen immer mehr Schwierigkeiten bei der Finanzierung ihrer Handelsgeschäfte. Die Refinanzierung über den westlichen Finanzmarkt ist für staatseigene Un-ternehmen praktisch trockengelegt. Wichtige russische Betriebe müssen daher mit öffentlichen Mitteln unterstützt werden, um finanzielle Schieflagen zu verhindern. Investitionen werden zurückgestellt, die Banken und der Energiesektor schreiben Verluste.
„Dennoch bleibt das strategische Interesse der Thüringer Wirtschaft am russischen Markt bestehen“, unterstreicht der IHK-Hauptgeschäftsführer. So hätten einige Produzenten in Russland auch Vorteile: der günstige Rubel verschaffe einzelnen Herstellern wichtige Wettbewerbsvorteile beim Export.

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