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Hirndoping: 243.000 Rheinland-Pfälzer dopen sich für den Job

Hirndoping im Job: 243.000 Arbeitnehmer in Rheinland-Pfalz haben schon einmal verschreibungspflichtige Medikamente genutzt, um am Arbeitsplatz leistungsfähiger zu sein oder Stress abzubauen. Das geht aus dem aktuellen DAK-Gesundheitsreport 2015 hervor. Die Studie zeigt auch die Entwicklung der Fehlzeiten bei den psychischen Erkrankungen. Sie nahmen im vergangenen Jahr um zwölf Prozent zu. Seelenleiden waren damit die zweithäufigste Ursache für Fehltage in Rheinland-Pfalz. Insgesamt sank der Krankenstand leicht auf 4,1 Prozent. Er lag damit über dem Bundesdurchschnitt von 3,9 Prozent.

Für die repräsentative Studie wertete das IGES Institut die Fehlzeiten aller erwerbstätigen DAK-Mitglieder in Rheinland-Pfalz aus. Es wurden zudem Arzneimitteldaten der Kasse analysiert und bundesweit mehr als 5.000 Beschäftigte im Alter von 20 bis 50 Jahren befragt. Demnach haben sich 6,9 Prozent der Berufstätigen in Rheinland-Pfalz und den angrenzenden Bundesländern schon einmal gedopt – mit Dunkelziffer sogar bis zu 12,3 Prozent. Hochgerechnet auf die Erwerbstätigen in Rheinland-Pfalz sind das 243.000 Menschen, die schon einmal leistungssteigernde oder stimmungsaufhellende Medikamente geschluckt haben. Derzeit betreiben etwa 33.000 der Erwerbstätigen in Rheinland-Pfalz regelmäßig und gezielt Hirndoping. „Auch wenn Doping im Job noch kein Massenphänomen ist, sind diese Ergebnisse ein Alarmsignal“, warnt Michael Hübner, Landeschef der DAK-Gesundheit in Rheinland-Pfalz. „Damit die Beschäftigten auch bei Leistungsdruck langfristig Gesundbleiben, ist Aufklärung zu dem Thema wichtig. Suchtgefahren und Nebenwirkungen des Hirndopings sind nicht zu unterschätzen.“

Grauzone bei den Verordnungen

Mehr als zwei Drittel aller Rheinland-Pfälzer (67,9 Prozent) kennen den vermeintlichen Nutzen des Hirndopings. Häufig werden dafür Betablocker und Antidepressiva eingesetzt, aber auch Wachmacher und ADHS-Pillen – Medikamente also, die eigentlich zur Behandlung von Krankheiten eingesetzt werden.

In Rheinland-Pfalz hat sich zum Beispiel die Zahl der DAK-Versicherten, die von ihrem Arzt eine Methylphenidat-Verordnung (Ritalin) erhalten haben, von 2011 bis 2013 mehr als verdoppelt. Methylphenidat ist zur Therapie von Aufmerksamkeitsstörungen zugelassen. Ein Teil der DAK-Versicherten bekam dieses Medikament, ohne dass die Kasse in den Behandlungsdaten Hinweise auf ADHS finden konnte. Auffällig auch das Medikament Modafinil: Die Verordnungsraten für den Wachmacher stiegen um mehr als 60 Prozent, aber mehr als ein Drittel der Rezepte (36 Prozent) blieben ohne nachvollziehbare Diagnose. „Die Ergebnisse unseres Reports zeigen, dass es eine deutliche Grauzone bei den Verordnungen gibt. Wir vermuten, dass aus dieser Grauzone ein Teil der zur Leistungssteigerung missbrauchten Medikamente stammt“, sagt Hübner.

Männer wollen mehr Leistung

Auslöser für den Griff zur Pille sind meist hoher Leistungsdruck sowie Stress und Überlastung. Männer greifen eher zu leistungssteigernden Mitteln, Frauen nehmen häufiger stimmungsaufhellende Medikamente ein. Entgegen der landläufigen Meinung sind es nicht primär Führungskräfte oder Kreative, die sich mit Medikamenten zu Höchstleistungen pushen wollen. Der DAK-Report zeigt, dass vor allem Erwerbstätige mit einfachen Jobs gefährdet sind. Auch Beschäftigte mit einem unsicheren Arbeitsplatz haben ein erhöhtes Doping-Risiko. „Hirndoping ist mittlerweile bei ‚Otto Normalverbraucher‘ angekommen, um den Arbeitsalltag besser zu meistern. Das Klischee der dopenden Top-Manager ist damit vom Tisch“, so Hübner.

Krankenstand sinkt leicht

Der DAK-Gesundheitsreport untersucht auch den Krankenstand in Rheinland-Pfalz. Er ist gegenüber dem Vorjahr leicht gesunken und liegt bei 4,1 Prozent. Das heißt, 2014 waren von 1.000 erwerbstätigen Arbeitnehmern in Rheinland-Pfalz im Schnitt pro Tag 41 krankgeschrieben, im Bund waren es 39. Ein Beschäftigter fehlte in Rheinland-Pfalz an durchschnittlich 15 Tagen im Job. Für mehr als ein Fünftel dieser Ausfälle (22,5 Prozent) waren Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems verantwortlich, beispielsweise Rückenschmerzen. Die Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen, wie Depressionen und Angstzuständen, stiegen um zwölf Prozent an und lagen mit 17 Prozent der Ausfälle auf Platz zwei der Krankheitsarten.

Die Zahl der Fehltage in diesem Bereich stieg auf 257 Tage pro 100 DAK-Versicherte. Seit dem Jahr 2000 verzeichnet der DAK-Report einen Anstieg bei den psychischen Erkrankungen um insgesamt 116 Prozent.

Die Branchen mit dem höchsten Krankenstand waren 2014 das Gesundheitswesen mit 4,8 Prozent, die öffentliche Verwaltung mit 4,5 Prozent und der Handel mit 4,2 Prozent. Den niedrigsten Krankenstand hatte der Wirtschaftszweig Rechtsberatung, unter anderem Unternehmensdienstleistungen, mit 3,2 Prozent.

Die DAK-Gesundheit ist die drittgrößte Krankenkasse Deutschlands. Für die Analyse wurden die Daten von rund 158.000 erwerbstätigen DAK-Mitgliedern durch das IGES Institut in Berlin ausgewertet.

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