IG BCE fordert „energiepolitischen Schengen-Raum“

Der Chef der Industriegewerkschaft IG BCE, Michael Vassiliadis, fordert als Konsequenz aus dem Ukraine-Krieg eine neue europäische Energiepolitik. „Energiepolitik wurde allzu lange auf dem Ponyhof geplant“, sagte er dem „Manager Magazin“. Er plädiere für einen „Schengen-Raum“ der Energie.

Dieser müsse eine dichtes europäisches Netz nicht nur für Strom, sondern auch für Gas und Treibstoffe umfassen. Ein Lieferstopp für russisches Gas würde zu einem immensen wirtschaftlichen Schaden führen, so Vassiliadis. Die Langfristfolgen wären „fundamental“.

Die Industrie, die für mehr als ein Drittel des deutschen Gasverbrauchs stehe, wäre als Erste gezwungen, „ihre Anlagen abzuschalten“. Mit „Hochgeschwindigkeit“ müssten darum nun alternative Rohstoffquellen erschlossen werden, „was wir in der Vergangenheit fahrlässig versäumt haben“, so Vassiliadis. Tabus dürfe es dabei nicht geben.

„Krise ist keine Zeit des Wünsch-dir-was, sondern des Pragmatismus.“ Dazu gehöre auch, Atomstrom aus Frankreich zu nutzen, „wenn die Franzosen ihn überhaupt noch übrig haben“. Über Energiepolitik hinaus sieht Vassiliadis die Notwendigkeit eines gemeinsam handelnden Europas.

Sollten Russland und China wirtschaftlich enger zusammenrücken und die Amerikaner noch stärker Front gegen China machen, „wären wir mit unserer hohen Exportquote maximal betroffen“, so der Arbeitnehmerführer. „Deshalb brauchen wir dringend eine europäische Wirtschaftsstrategie, nicht nur bei der Energie, sondern auch bei anderen Themen wie Innovation.“ Vassiliadis: „Derzeit verheddern wir uns in einem einzelstaatlichen Klein-Klein. Das können wir uns gerade jetzt nicht mehr leisten.“. (dts Nachrichtenagentur)



Foto: Strommast, über dts Nachrichtenagentur

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