Isabell Widek: Kommentar zur Arbeitslosigkeit in Österreich

Wien – Und wieder ein paar Tausend Arbeitslose mehr in Österreich. Genauer gesagt sind es 34.065 Menschen mehr als im März 2012, die sich im vergangenen Monat auf Jobsuche begeben mussten. Aber auch der Schuldige ist schnell gefunden: Der lange Winter und der daraus resultierende Stillstand des Baugewerbes lassen die Negativzahlen eben nach oben rauschen, heißt es. Dass es trotz Schneefall Projekte gibt, die jetzt schon geplant, begonnen oder fertiggestellt werden könnten, wird hinter vorgehaltener Hand von Kennern der Branche zwar bestätigt, offiziell ist ein unangreifbarer Sündenbock wie das Wetter aber natürlich viel, viel praktischer. Da hilft es auch nicht, dass Österreich europaweit schon fast zwei Jahre in Folge mit der niedrigsten Arbeitslosigkeit der Union punkten kann.

Andere Zeiträume und Berechnungsmethoden machen das Ergebnis zwar nicht weniger gut, helfen den insgesamt 366.277 beschäftigungslosen Bewohnern dieses Landes aber auch nicht sehr viel weiter.

Dabei ist allen Arbeitsmarktexperten vollkommen klar, dass die große Misere, mit der sich der Arbeitsmarkt herumschlagen muss, schlicht und einfach die (mangelnde) Bildung der heimischen Arbeitskräfte ist. Hier sprechen die Zahlen einfach für sich: 46 Prozent der Arbeitslosen können lediglich einen Pflichtschulabschluss vorweisen, 37 Prozent zumindest eine abgeschlossene Lehre. Uni-Absolventen stellen hingegen bloß 3,5 Prozent der Jobsuchenden. Treffender formuliert: Ein Universitätsstudium ist noch immer die beste Arbeitslosenversicherung.

Doch ein Land voller Akademiker ist natürlich ebenso utopisch wie unnötig. Ganz im Gegenteil braucht jedes Land zur Steigerung seiner Wettbewerbsfähigkeit eine Unmenge an Qualifikationen und Betätigungsfeldern.

Der Fokus der Mehrzahl aller arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen zielt daher auch auf die große Gruppe der Niedrigqualifizierten und deren Aus- und Weiterbildung ab.

Und hier bietet sich – aus aktuellem Anlass, siehe Schneefall – der Tourismus als Betätigungsfeld geradezu an. Denn in keiner anderen Sparte werken dermaßen viele Menschen in Relation zum Output. Außerdem gehört die Branche zu den niedrigschwelligen Bereichen. Das bedeutet, dass relativ viele Menschen mit relativ geringen Grundkenntnissen beschäftigt werden. Aber genau die kann man ausbilden. Und genau das sollte man auch tun.

ots-Originaltext Presseaussendung unter ausschliesslicher inhaltlicher Verantwortung des Aussenders.

Foto: AMS / Petra Spiola

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