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Kommentar: Feuerwerk an der brasilianischen Börse

Mit einem Feuerwerk begrüßte die Börsen in Sao Paulo das Ergebnis der Präsidentschaftswahlen vom Sonntag. Dabei war es nicht allein der erste Rang des 63-Jährigen Rechtsaußen Jair Bolsonaro, der die Fantasien der Anleger beflügelten. Es war die Höhe von Bolsonaros Sieg. Mit gut 46 Prozent Zustimmung fehlen dem Kandidaten nur noch 4 Punkte zum Sieg in der Stichwahl am 28. Oktober. Dann ist sein Gegner der linke Fernando Haddad von der Arbeiterpartei PT. Da diesem ein erheblicher Teil der Bürger die Verantwortung für Misswirtschaft und Korruptionsskandale anlastet, gehen fast alle Marktteilnehmer davon aus, dass Bolsonaro am Neujahrstag die Regierung übernehmen wird.

Vor einigen Monaten war in den einflussreichen Wirtschafts- und Finanzkreisen noch verächtlich die Nase über Bolsonaro gerümpft worden, jenes ökonomische Irrlicht vom rechten Rand, das mehrfach öffentlich erklärt hatte, von Wirtschaft „keinen Schimmer“ zu haben. Weil sich Bolsonaro nun mit Paulo Guedes einen ebenso erfahrenen wie orthodoxen Ökonomen an die Seite holte, wurde der lange Jahre geflissentlich ignorierte Radaumacher akzeptabel.

Kurz vor der Wahl outeten sich einige bedeutende Unternehmer ebenso wie nationale Fußballstars als „Bolsonaristas“. Noch wichtiger dürfte sein, dass sich die zwei wichtigsten Machtblöcke im Kongress hinter Bolsonaro stellten: der Agrar-Block sowie die Evangelikalen-Fraktion, die fast die Hälfte der Kammer über alle Parteigrenzen hinweg beherrscht.

Auf diese Unterstützer muss Bolsonaro künftig hoffen, denn trotz erheblicher Zugewinne belegt seine Partei nur ein Zehntel der Sitze im Kongress. Im Senat besetzt die PSL nur 5 von 66 Sitzen. Um seine politischen Pläne zu realisieren, muss Bolsonaro einen erheblichen Anteil der Abgeordneten auf seine Seite ziehen. Daher erwarten viele politische Experten, dass er besonders radikale Wahlversprechen wie etwa das Ende des allgemeinen Waffenverbotes nur schwerlich durchsetzen kann.

An den Finanzmärkten dürfte sich nun nach langer Vorwahl-Stagnation Optimismus Bahn brechen. Anleger hoffen, dass der sich selbst nun als „Mitte-Rechts-Politiker“ darstellende Bolsonaro die überfälligen Reformen anschieben wird, um die nationale Schuldenlast zu zähmen. Genau hier wird sich zeigen, wer Bolsonaro wirklich ist. Nur wenn er die unbestritten notwendigen, aber zutiefst unbeliebten Vorhaben umsetzt, kann er den Ruf des Populisten ablegen.

Quelle: Börsen-Zeitung von Andreas Fink

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