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KPN fürchtet Großinvestor und prüft E-Plus-Verkauf

Den Haag – Die niederländische Telefongesellschaft KPN versucht ein Angebot des Mobilfunkriesen America Movil abzuwehren. Dessen mexikanischer Chef Carlos Slim möchte seinen Anteil an KPN von fünf auf 27,7 Prozent erhöhen und bietet dafür acht Euro pro Aktie. Die sind insgesamt 3,25 Mrd. Dollar. Übernahmen, Verkäufe und Verschuldungen stehen auf dem Telekommunikationsmarkt an der Tagesordnung.

„Vor allem die enormen Verschuldungsraten der großen Anbieter sind momentan der bestimmende Faktor in der Branche“, erklärt Pascal Göttmann, Analyst der Privatbank Merck Finck & Co. Der große Konkurrenzdruck, der Ausbau von Netzen sowie ständig notwendige Großinvestitionen bringen die Unternehmen in Zugzwang, so der Experte.

E-Plus auf dem Prüfstand

Das Management der Niederländer rät seinen Anlegern, die Offerte abzulehnen, da sie nicht dem eigentlichen Wert sowie dem Potenzial des Konzerns entspricht. „Wir sind davon überzeugt, dass America Movil keine faire Prämie dafür zahlt, dass es deutlich mehr Einfluss auf KPN gewinnt“, sagt KNP-Chef Eelco Blok. Das Unternehmen diskutiert nun „strategische Optionen“ für seine deutsche Tochter E-Plus, um für seine Aktionäre einen höheren Wert herauszuschlagen. Ein möglicher Verkauf steht im Raum.

Das mexikanische Angebot wird mit Argusaugen betrachtet, da American Movil dadurch strategische Entscheidungen bei KPN maßgeblich beeinflussen könnte. Grund dafür ist, dass durchschnittlich nur 44 Prozent des Gesamtkapitals bei den KPN-Hauptversammlungen anwesend sind und American Movil somit stets die erforderliche Stimmenmehrheit hätte.

Verschuldete Telefónica hofft auf O2

Der spanische Mobilfunk-Riese Telefónica bekommt nun die Rechnung für seine aggressive Expansionspolitik zu spüren. Der Schuldenstand des Unternehmens beläuft sich mittlerweile auf 57 Mrd. Euro. Hauptschuld tragen dafür die zahlreichen globalen Großzukäufe der vergangenen Jahren, womit Telefónica zur größten Telefongesellschaft Europas aufgestiegen ist. Konzernchef Cesar Alierta will nun eine Trendwende einläuten und plant den Börsengang der deutschen Unternehmenstochter O2.

Das dadurch eingehende Kapital soll den Schuldenberg verkleinern. O2 ist mit seinen rund 18,6 Mio. Kunden Deutschlands viertgrößter Anbieter. T-Mobile und Vodafone haben jeweils doppelt so viel. E-Plus befindet sich auf Platz drei. Experten spekulieren, dass Telefónica mit dem aus dem O2-Börsengang erwirtschafteten Geld die KPN-Tochter E-Plus kaufen könnte. Die Ratingagentur Standard & Poor’s sähe dies allerdings gar nicht gern. Sie hat Telefónica kürzlich auf „BBB“ herabgesetzt und rechnet, genau wie einige Analysten, dass die Spanier das zusätzliche Kapital in den Abbau der Schulden stecken werden.

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