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Missbrauchsbeauftragter fordert „ressortübergreifenden Masterplan“

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, fordert von allen Bundesländern, einen „ressortübergreifenden Masterplan“ zur Bekämpfung von sexueller Gewalt gegen Kinder zu erstellen und umzusetzen. „Es muss doch in ihrem vorrangigsten Interesse liegen, dass ihre Landeskinder möglichst frei von sexueller Gewalt aufwachsen“, sagte Rörig den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Montagausgaben). Denn bei allen Fällen wie in Staufen, Lügde oder Münster sei der Kampf um das Kindeswohl an Defiziten und mangelnder Zusammenarbeit einzelner Disziplinen gescheitert.

Enttäuscht sei er auch vom Engagement einzelner Ministerpräsidenten. „Nach dem Missbrauchsfall Staufen hatte ich die Hoffnung, dass sich der Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann, im Kampf gegen sexuellen Missbrauch bundesweit an die Spitze der Länder setzt. Das hat er aber nicht.“ Auch von der früheren SPD-Familienministerin Manuela Schwesig, derzeit Ministerpräsidentin in Mecklenburg-Vorpommern, habe er erwartet, dass sie „eine zentrale Rolle im Kampf gegen Missbrauch einnimmt“. In einem Brief an alle Parteien, über den die Zeitungen der Funke-Mediengruppe berichten, forderte der Missbrauchsbeauftragte, das Thema Missbrauch stark in ihren künftigen Wahlprogrammen zu verankern. „Der Kampf gegen sexuellen Missbrauch sollte als nationale Daueraufgabe benannt und in jedem Wahlprogramm ein Schwerpunktthema sein, egal ob es um eine Bundestags- oder Landtagswahl geht.“ Weiterhin forderte der Missbrauchsbeauftragte die Debatte darüber, wie man sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen eindämmen kann, unbedingt weiterzuführen. Er halte die geplanten Strafverschärfung von Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) zwar für richtig, vor allem sei sie „wichtiges Signal für Betroffene“. Aber allein „mit Strafverschärfung verhindern wir Missbrauch nicht“. Die Debatte jetzt zu beenden, wäre ein „Riesenfehler“. Der schnelle Ruf nach schärferen Gesetzen sei nach dem Missbrauchsfall in Münster „der typische politische Reflex“, sagte Rörig. Man gewinne den Kampf gegen sexuelle Gewalt an Kindern aber nicht allein durch höhere Strafandrohungen. Die würden keinen „Sexualstraftäter, der Kinder vergewaltigt, foltert und dabei filmt, abhalten“. Die Täter wüssten, welche hohen Strafen ihnen drohen, wenn sie erwischt würden. „Dann kriegen sie wie die Täter in Staufen Haftstrafen von zwölf Jahren oder wie in Lügde 13 Jahre. Plus Sicherungsverwahrung kommen die nie mehr raus“, so der Missbrauchsbeauftragte. Viel entscheidender sei, dass Entdeckungsrisiko für Missbrauchstäter zu erhöhen. Diese erreiche man wie in NRW durch verbesserte Aufklärungs- und Präventionsarbeit und bessere polizeiliche Ermittlungsmöglichkeiten. Zentral sei auch eine enge Zusammenarbeit aller Behörden, die dem Kindeswohl dienen, insbesondere zwischen den Jugendämtern und den Familiengerichten.

Foto: Kinder vor einem unsanierten Haus in Berlin-Neukölln, über dts Nachrichtenagentur

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