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Mittelstandsanleihen

Mittelstandsanleihen: Für Anleger nicht so sicher wie erhofft

Mittelstandsanleihen Mittelstandsanleihen sind eine verhältnismäßig neue Anlageklasse auf dem Kapitalmarkt. Wurden Unternehmensanleihen bis vor wenigen Jahren fast ausnahmslos von Großunternehmen begeben, dienen Mittelstandsanleihen speziell der Refinanzierung mittelständischer Unternehmen auf dem Kapitalmarkt. Das Emissionsvolumen reicht in der Regel von 10 bis zu 200 Millionen Euro. Mittelstandsanleihen werden entweder als Eigenemission direkt vom Emittenten oder als Fremdemission über Investmentbanken ausgegeben. Die Laufzeit von Mittelstandsanleihen beträgt normalerweise 5 Jahre. Die Anlagen beinhalten einen festen Zinscoupon, der gegenüber großen Unternehmensanleihen mit vergleichbarer Laufzeit in der Regel einen bis zu sechsprozentigen Aufschlag enthält.

Mittelständische Unternehmen – das Rückgrat der Wirtschaft

Kleine und mittelständischen Unternehmen machen etwa 90 Prozent der deutschen Unternehmen aus. Sie erwirtschaften rund 40 Prozent des gesamten Umsatzes aller deutschen Unternehmen. Das macht Mittelstandsanleihen für die Anleger überaus attraktiv, denn ihr investiertes Kapital wird produktiv und in Branchen mit einem hohen Zukunftspotential verwendet. Die wesentlichen Merkmale der noch recht jungen Mittelstandsanleihen sind ihr relativ kleines Anlagevolumen bis maximal 200 Millionen Euro sowie ihre Emission über den organisierten Kapitalmarkt. So werden die Renditen einzig vom Markt definiert und im Vergleich zu Emissionen über den ungeregelten, grauen Kapitalmarkt bietet der organisierte Markt eine weitaus höhere Sicherheit für die Anleger. Auch wenn der Markt für Mittelstandsanleihen erst wenige Jahre alt ist, boomt er stärker als erwartet. Inzwischen haben sich schon mehr als 100 Mittelständler Kapital über Mittelstandsanleihen besorgt und das Marktvolumen hat bereits den Milliardenbereich erreicht. Mittelstandsanleihen  sind für mittelständische Unternehmen als eine bankenunabhängige Finanzierungsmöglichkeit mehr und mehr attraktiv. Während für einen Börsengang die Rechtsform der AG zwingend notwendig ist, können auch GmbHs, KGs und Einzelunternehmen Mittelstandanleihen emittieren und sich so Kapital für ein weiteres Firmenwachstum beschaffen. Doch inzwischen häufen sich die Krisenfällen und nach diversen Anlageausfällen kommen mehr und mehr Zweifel an der Zukunftsträchtigkeit von Mittelstandsanleihen auf. Insgesamt 147 Mittelstandsanleihen müssen bis zum Jahr 2019 zurückgezahlt werden. Dabei handelt es sich laut einer Studie von Apollo Corporate Finance um ein Gesamtvolumen von 6,9 Milliarden Euro. Wie genau die Refinanzierung bei vielen mittelständischen Unternehmen dann funktionieren soll, ist bis dato noch nicht klar. Mittlerweile gibt es insgesamt bereits 34 Ausfälle und die Anleger mussten mit Erschrecken feststellen, dass die eigentlich attraktiven Attribute von Mittelstandsanleihen bei vielen Firmen einfach nicht gegeben sind. Ein Beispiel dafür, dass die Strategie der Mittelstandsanleihen nicht immer aufgeht, ist der Immobilienentwickler Golden Gate. Bereits im Jahr 2009 begab das Unternehmen eine Anleihe in Höhe von 30 Millionen Euro. Kurz bevor die Anleihe zurückgezahlt werden sollte, wurden die Anleger vom Firmengründer mit der Ankündigung einer planmäßigen Rückzahlung  beruhigt. Doch das Geld für die Refinanzierung fehlte und das Unternehmen war kurz darauf insolvent. Inzwischen sind bei den Mittelstandsanleihen 34 Ausfälle zu verzeichnen. Besonders alarmierend für Finanzexperten und Anleger ist dabei die Tatsache, dass auch bekannte Firmen wie etwa der Suppenhersteller Zamek oder der Betreiber des Kreuzfahrtschiffes MS-Deutschland unter den betroffenen Unternehmen sind und die Zinsen nicht mehr zahlen können.

Refinanzierung durch neue Anlagen am Beispiel von Katjes

Dass die Refinanzierung durch Mittelstandsanleihen durchaus erfolgreich sein kann, zeigt der Süßwarenhersteller Katjes. Deutschlands drittgrößter Süßwarenhersteller konnte durch Akquisition starker Hersteller aus dem westeuropäischen Zuckerwarenmarkt seine Marktposition beispielhaft ausbauen und hat es sich zum Ziel gesetzt, seine führende Marktposition in Westeuropa auch in Zukunft zu erweitern. So zählen zu den ausländischen Beteiligungen von Katjes unter anderem der französisch-belgische Zuckerwarenproduzent Lutti, die belgische Continental Sweets Belgium und der Lakritzhersteller Festivaldi aus den Niederlanden. In Deutschland gehören zum Beteiligungsportfolio von Katjes International die traditionsreichen Hersteller Dallmann und Piasten. Im Juli 2011 hat das Unternehmen eine Anleihe begeben, die im März 2012 auf insgesamt 45 Millionen Euro aufgestockt wurde. Als Auslauftermin war Juli 2016 festgeschrieben. Doch Katjes machte von seiner vorzeitigen Kündigungsoption Gebrauch und löste die Anleihe mit einem Kurs von 101 Prozent bereits im Mai 2015 ab. Das Unternehmen bot am 6. Mai 2015 eine neue Anleihe mit einer fünfjährigen Laufzeit und einem Volumen zwischen 45 und 60 Millionen Euro an. Das Zielvolumen von 60 Millionen Euro dieser neuen Unternehmensanleihe wurde bereits aufgrund der hohen Nachfrage einen Tag nach dem Angebot erreicht. Der Ausgabekurs liegt bei 100 Prozent, der jährliche Zinssatz liegt zwischen 5,500 und 5,875 Prozent. Die Anleihe richtete sich an private und institutionelle Anleger bei einer Mindestanlage von 1000 Euro. Mit einem Teil des Emissionserlöses konnte Katjes die alte Unternehmensanleihe aus dem Jahr 2011 vorzeitig zurückzahlen.

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