Mobile Payment: noch fehlen die Geschäftsmodelle

Der Markt für Mobile Payment ist attraktiv. Gartner zum Beispiel erwartet für das Jahr 2015 ein weltweites Zahlungsvolumen von 429 Milliarden US-Dollar, das über Mobiltelefone abgewickelt wird. Dabei ist kontaktloses Bezahlen keine völlig neue Idee. Bereits 1997 wurde in Hong Kong die Octopus Card, eine auf Guthaben basierte kontaktlose Bezahlkarte, eingeführt. Zudem sind seit 2008 für kontaktlose Transaktionen geeignete Kreditkarten, wie etwa die Lufthansa MasterCard, in größerer Zahl im Markt verfügbar, werden jedoch mangels Infrastruktur nahezu ausschließlich für klassische Transaktionen genutzt. In Deutschland haben die Sparkassen erst kürzlich eine der Octupus Card entsprechende Karte unter der Marke „girogo“ eingeführt. Über den derzeitigen Pilotversuch mit rund 1,5 Millionen Karten hinaus soll „girogo“ bis 2015 sollen alle 45 Millionen SparkassenCards mit der neuen Technologie ausgestattet werden. Von „girogo“ wird insbesondere die Entwicklung der kontaktlosen Infrastruktur am Point of Sale erwartet.

Amerikanische Unternehmen dominieren den Markt

US-amerikanische Unternehmen aus dem stationären Internet wie PayPal, Google, Apple, Facebook und Amazon verfolgen allesamt bereits Payment-Aktivitäten und schaffen damit erstmals einen hohen Innovationsdruck. Dabei geht es ihnen um die Erlangung der zentralen Kundenbeziehung. Sie versuchen immer stärker, die Nutzer in ihren geschlossenen Systemen zu halten und ihre Lebens- und Konsumgewohnheiten zu beeinflussen. M-Payment (insbesondere aufgrund der entstehenden Transaktionsdaten) stellt hierbei eine wichtige Schlüsselposition dar. So hat PayPal in Kooperation mit der Deutschen Bank und dem Technologieanbieter Itellium einen auf QR-Codes basierenden Pilotversuch am stationären Handel gestartet. Ziel ist neben dem Testen neuer Verkaufskonzepte auch die Kundenbindung und letztendlich die Akzeptanz des Kunden, ohne die sich ein M-Payment-Verfahren nicht durchsetzen kann.

Immer noch überwiegend Trials

Gründe für die zunehmenden Mobile Payment-Aktivitäten, die derzeit allerdings noch immer überwiegend auf Trial-Ebene stattfinden, sind insbesondere die steigende Verbreitung von Smartphones sowie die Akzeptanz von Mobile Commerce und die Verschmelzung von mobilen Finanzdienstleistungen mit Zusatzdiensten. „Mobile Finanzdienstleistungen verschmelzen immer mehr miteinander. Auf der einen Seite generieren Banken durch Mobile Banking Services einen erheblichen Mehrwert für ihre Kunden. Zum anderen nutzen Unternehmen und Mobil-funkanbieter ihre Marketingerfahrung und werten ihr Angebot mit entsprechenden Finanzdienstleistungen auf. In Deutschland wird z.B. die DZ Bank AG nach der erfolgreichen Umsetzung von Mobile Banking sukzessive Mobile Payment Services einführen und mit mPass ist ein erfolg-reicher mPayment-Standard der Mobilfunkanbieter Vodafone, O2 und T-Mobile eingeführt“, so Carsten Kress, Senior Director Sales EMEA bei Sybase 365.

Fehlende Marktmacht und Geschäftsmodelle

Trotz zahlreicher Versuche von Mobilfunkanbietern, Banken und spezialisierten M-Payment-Anbietern hat es bisher noch keinen folgerichtigen und konsequenten Ansatz gegeben. „Um heutzutage einen Marktdurchbruch zu erzielen, müssen M-Payment-Systeme neben der reinen Bezahlfunktionalität zusätzliche Bausteine wie etwa Mobile Marketing, Mobile Couponing, Mobile Loyalty, Mobile Ticketing und Mobile Social Media integrieren“, so Yvonne Hufenbach, Projektleiterin für Mobile Marketing der Forschungsgruppe wi-mobile. Hierbei müssen insbesondere zwei Fragen gelöst werden: Einerseits die Frage nach der Marktdurchdringung und wie es gelingt, gleichzeitig eine hohe Anzahl an Händlern und Kunden in das System zu holen, andererseits die Frage nach dem Wertschöpfungsnetz und dem Geschäftsmodell.

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