Adolf Bauer

Gustav Adolf Bauer war SPD-Politiker und vom 21. Juni 1919 bis zum 26. März 1920 Reichskanzler der Weimarer Republik. Bauer, Sohn eines Gerichtsvollziehers, dessen Vorfahren 1731/32 aus Süddeutschland nach Ostpreußen ausgewandert waren, arbeitete nach dem Abschluss der Volksschule in Königsberg 1884 zunächst als Schreiber in einer Rechtsanwaltskanzlei. Nach einer schweren Erkrankung musste ihm 1888 ein Bein amputiert werden. Von 1893 bis Dezember 1895 war er Bürovorsteher beim prominenten Strafverteidiger Fritz Friedmann. Bauer gründete 1895 den „Zentralverein der Bureauangestellten Deutschlands“, dem er bis zur Fusion mit dem „Verband der Verwaltungsbeamten der Krankenkassen“ 1908 vorstand. Nachdem er 1902 seinen Arbeitsplatz wegen der gewerkschaftlichen Tätigkeit verloren hatte, machte er sich als Gastwirt selbständig, gab dies jedoch bereits nach einem Jahr auf, als er hauptamtlicher Leiter des gewerkschaftlichen Zentral-Arbeitersekretariats wurde. Von 1908 bis 1918 hatte Bauer das Amt des zweiten Vorsitzenden der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands inne. 1912 wurde er zum Aufsichtsratsvorsitzenden der neu gegründeten Volksfürsorge gewählt. Im Jahr 1917 war er an der Gründung des Volksbundes für Freiheit und Vaterland beteiligt, der ein Gegengewicht zur extremistischen Deutschen Vaterlandspartei bilden sollte. Nach seinem Ausscheiden aus der Politik war er Geschäftsführer einer Berliner Wohnungsbaugenossenschaft.

Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wurde er im Mai 1933 wegen Anschuldigungen im Zusammenhang mit Steuerdelikten für mehrere Wochen inhaftiert. Vermutlich war dies eine Intrige, denn Beweise konnten nicht vorgelegt werden. Anschließend trat er nicht mehr in Erscheinung.

Gustav Bauer war verheiratet mit Hedwig Moch. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof der Kirchengemeinde Glienicke/Nordbahn. Bauer war Mitglied der SPD, wo er dem rechten Parteiflügel angehörte, der die Politik des Burgfriedens mit der Reichsregierung während des Ersten Weltkrieges unterstützte. 1925 wurde er im Zusammenhang mit dem Barmat-Skandal aus der SPD ausgeschlossen. Das Parteischiedsgericht hob den Ausschluss am 14. Mai 1926 wieder auf. Er gehörte zur Zeit der Weimarer Republik dem Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold an.

Reichskanzler Max von Baden berief ihn im Oktober 1918 zum Staatssekretär des Reichsarbeitsamtes. Dem Kabinett Scheidemann gehörte Bauer seit dem 13. Februar 1919 als Reichsarbeitsminister an. Nach Scheidemanns Rücktritt am 20. Juni 1919 wurde am folgenden Tag Bauer Reichskanzler der Regierung (Kabinett Bauer), die den Vertrag von Versailles unterzeichnete, obwohl er selbst die Bedingungen des Vertrages ablehnte. Nachdem er sich bereits am 22. Juni für die Annahme des Vertrages aussprach, aber bei der Entente noch gegen Einzelbestimmungen protestieren wollte (Kriegsschuldfrage und Auslieferung von deutschen Staatsbürgern), musste er in der Sitzung der Weimarer Nationalversammlung einen Tag später eingestehen, dass seine Interventionen bei den Siegermächten keinen Erfolg gezeigt hatten.

Er setzte in seiner Amtszeit die Zuordnung des Eisenbahnwesens in die Reichszuständigkeit ebenso durch, wie mit Reichsfinanzminister Matthias Erzberger die umfangreichste Finanzreform der deutschen Steuer- und Finanzgeschichte. Bauer musste 1920 nach dem Kapp-Putsch zurücktreten, weil er ebenso wie der Reichswehrminister seines Kabinetts, Gustav Noske, das Vertrauen seiner Partei und der Gewerkschaften verloren hatte; aber in der folgenden Regierung seines Parteifreundes Hermann Müller bekleidete er das Amt des Schatzministers und ab 1. Mai 1920 auch das Verkehrsressort, welches er bis zum 25. Juni 1920 leitete. 1921 gehörte er dem zweiten Kabinett Wirth als Vizekanzler und Reichsschatzminister an.

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