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Princeton-Ökonom erwartet Stabilisierung durch Wiederaufbaufonds

Der Princeton-Ökonom Markus Brunnermeier erwartet eine positive Wirkung des EU-Wiederaufbaufonds. „Der Vorschlag von Merkel und Macron ist ein gutes Zeichen. Ein Wiederaufbaufonds wirkt stabilisierend“, sagte Brunnermeier der „Süddeutschen Zeitung“ (Donnerstagausgabe).

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatten vergangene Woche einen 500 Milliarden Euro schweren Wiederaufbaufonds vorgeschlagen, der dem Wiederaufbauplan von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ähnelt. Den Gegenvorschlag der Länder Österreich, Schweden, Dänemark und der Niederlande, die als Instrument lieber Kredite statt Zuschüsse einsetzen wollen, betrachtete der Finanzmarktwissenschaftler kritisch. „Ein zu hoher Schuldenstand kann Neuinvestitionen abwürgen, deshalb halte ich Zuschüsse meist für besser als Kredite, auch wenn sie teurer sind“, sagte Brunnermeier. Der EU-Kommissionsvorschlag sieht Zuschüsse und Kredite vor. Über den richtigen Weg sollte laut Brunnermeier von Fall zu Fall entschieden werden – je nachdem ob sogenannte Schuldenüberhangprobleme entstehen, welche die Probleme noch schlimmer machen würden. Die Hilfen könnten insbesondere Ländern wie Italien helfen, die von der Coronakrise besonders betroffen sind. „Wenn die Zinsen bei Italien hochgehen, sind die Schulden ab einem bestimmten Punkt nicht mehr tragfähig.“ Das Problem seien „sich selbsterfüllende“ Erwartungen. „Wenn die Finanzmärkte mit hoher Wahrscheinlichkeit erwarten, dass es zu einer Schuldenumstrukturierung kommen muss, dann möchten sie heute schon hohe Zinsen.“ Diese hohen Zinsen hätten zur Folge, das dann die Schulden nicht mehr tragfähig seien. „Wenn jedoch die Finanzmärkte erwarten, dass die Schulden hundertprozentig zurückgezahlt werden, dann ist man als Investor mit niedrigen Zinsen zufrieden, was dann eine vollständige Rückzahlung möglich macht“, sagte Brunnermeier. In dieser Situation sei es entscheidend, was die Politik nun mache. „Das europäische Projekt ist in Gefahr, weil viele denken, dass keine Solidarität gezeigt wird“, machte der Ökonom die Dringlichkeit deutlich. Es sei gut, dass die Politik sich nicht nur auf die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) verlasse. „Die Krise hat gezeigt, dass wir in einer Welt leben.“ Gerade ein Exportland wie Deutschland könne sich nicht abschotten. „Die Probleme können wir nur gemeinsam lösen“, sagte Brunnermeier.

Foto: Euromünze, über dts Nachrichtenagentur

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