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Provinzial Haftpflicht

Provinzial: Vertrag von Ulrich Rüther läuft aus

Provinzial-Haftpflicht Provinzial: Vertrag von Ulrich Rüther läuft ausDie Provinzial NordWest, die zweitgrößte öffentliche Versicherungsgruppe Deutschlands, legte die Zahlen für das Geschäftsjahr 2013 vor, einem Jahr, das in der Unternehmensgeschichte eine besondere Stellung einnimmt. Mit einem Gewinn von rund 130 Millionen Euro zeigte es sich als das zweitbeste seit dem Bestehen des Konzerns. Die Freude darüber ist dennoch getrübt, denn Vorstandschef Ulrich Rüther muss mit Jahresende das Unternehmen verlassen.

Anteilseigner unter Beschuss

Der Vertrag von Ulrich Rüther wurde im Jahr 2012 neu aufgesetzt und ist noch gültig bis Jahresende 2014. Nun läuft der Vertrag aus und Ulrich Rüther muss den Hut nehmen. Mehr über Ulrich Rüther bei dermerkur.de.

Der erfolgreiche Abschluss des Geschäftsjahres 2013 fällt dabei nicht ins Gewicht, die Anteilseigner sehen keine Verlängerung des Vertrags vor. Die Gewerkschaft ver.di und auch der Betriebsrat kritisieren das Verhalten und plädieren für Rüther. Anteilseigner sind zu 40 Prozent die Sparkassenverbände Westfalen-Lippe, zu 18 Prozent die Sparkassenverbände Schleswig-Holstein und der Ostdeutsche Sparkassenverband mit 2 Prozent. Weitere 40 Prozent an Anteilen hält der Landschaftsverband Westfalen-Lippe. Die Anteilseigner konnten sich bereits 2013 über die Auszahlung von jeweils 70 Millionen Euro an Dividende für das Jahr 2012 freuen. Der nun bekanntgegebene Gewinn aus dem Geschäftsjahr 2013 wird eine mindestens ebenso hohe Dividende bringen. Und dennoch werden sich die Anteilseigner von dem Vorstandschef, der sich für den Erfolg verantwortlich zeichnet, trennen. Ein Schritt, der bei vielen Unverständnis hervorruft. Für den Finanzexperten an der Uni Hamburg , Professor Carl-Christian Freidank, ist der Grund für das Nein zur Vertragsverlängerung offensichtlich: Das Geschäftsergebnis war den Anteilseignern nicht gut genug.

Sparkassen unter Druck

Freidank erklärt: „Die Sparkassen stehen aktuell mächtig unter Druck und haben Kostenprobleme.“ Aufgrund der Finanzkrise gelten neue gesetzliche Bestimmungen, die unter anderem eine größere Rücklage von Eigenkapital vorsehen. Auch wären, so Freidank, die Sparkassen nicht zuletzt durch das dichte Filialnetz mit hohen Fixkosten konfrontiert. Dazu kämen zusätzliche Belastungen, die sich durch die wirtschaftlichen Probleme der HSH-Nordbankergeben. In einer Zeit, in der die Kreditzinsen so nieder seien, wie nie zuvor, zeigten sich zudem die Einnahmen aus dem Kreditgeschäft gering. Also gelte es, noch mehr Gewinn durch die Versicherungsgruppe zu erwirtschaften, einem Unternehmen, von dem sich die Anteilseigner ohnehin bereits 2012 trennen wollten. 2,25 Milliarden Euro wären damals durch den Verkauf der Provinzial an die Allianz in die Kassen der Sparkassen geflossen. Die Rechnung jedoch ging nicht auf. Betriebsrat und Gewerkschaft wehrten sich und organisierte Kampagnen weckten das Interesse der Öffentlichkeit, die sich ebenfalls gegen den Verkauf einsetzte. Angesichts des öffentlichen Drucks, immerhin konnten 150.000 Unterschriften gesammelt werden, wurde der Verkauf zum Politthema, auch der Unmut der Bevölkerung wuchs weiter. Demonstrationen und Protestet waren die Folge. Letztendlich platzte der Deal und die Versicherungsgruppe blieb weiter zu 60 Prozent in den Händen der Sparkassenverbände. Jetzt gelte es, so Freidank, „alle Ertragspotentiale aus dem Konzern herauszuquetschen“. Rüther hätte sich gegen derlei Tendenzen zur Wehr gesetzt, deshalb würde der Vertrag nicht verlängert. Kritik kommt auch vom SPD-Landesvorsitzenden Ralf Stegner, der auf den öffentlich-rechtlichen Auftrag des Versicherers verweist, positiv zu bilanzieren und nicht hohe und höchste Dividenden zu erwirtschaften. Ein derartig ausgeübter Kostendruck könne letztendlich auch zu Lasten der Arbeitnehmer gehen. Seitens der Sparkassenverbände liegen bislang keine Stellungnahmen vor.

Foto: © provinzial.de

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