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Reallöhne 0,7 Prozent niedriger als im Jahr 2000

500 Euro

Berlin – Die Löhne in Deutschland sind zuletzt kräftiger gestiegen. Trotzdem liegen sie preisbereinigt immer noch um 0,7 Prozent unter dem Niveau der Jahrtausendwende. Stärker entwickelt haben sich die Tariflöhne, vor allem aber die Gewinn- und Vermögenseinkommen. Das zeigt die aktuelle Verteilungsbilanz des WSI-Tarifarchivs in der Hans-Böckler-Stiftung.

Die Lohndaten des Statistischen Bundesamtes für 2013 sind widersprüchlich: Vertraut man auf die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung (VGR), haben die durchschnittlichen Bruttolöhne pro Beschäftigten im vergangenen Jahr real, also nach Abzug der Preissteigerung, zugelegt. Nimmt man dagegen die vorläufigen Zahlen aus der Verdiensterhebung, sind sie preisbereinigt geringfügig zurückgegangen. Klar ist aber eines: In der langfristigen Perspektive sind die durchschnittlichen Bruttolöhne je Beschäftigtem real gesunken: zwischen 2000 und 2013 um 0,7 Prozent (siehe auch Grafik 1 in der pdf-Version dieser PM; Link unten). Die vergangenen Jahre, in denen die Löhne preisbereinigt meist stiegen, haben die erheblichen Verluste noch nicht ausgeglichen, die in den 2000er Jahren aufgelaufen waren. Schwierige wirtschaftliche Rahmenbedingungen und die Deregulierung am Arbeitsmarkt hatten dazu beigetragen, dass sich die Arbeitseinkommen in dieser Zeit schwach entwickelten. So verstärkten die Hartz-Reformen den Druck auf die Verdienste. Der Niedriglohnsektor wuchs. Immerhin wird der Rückstand kleiner: 2010 hatten die realen Bruttolöhne noch um 3,5 Prozent niedriger gelegen als 2000.

Deutlich stärker haben sich die Tariflöhne und -gehälter entwickelt. Sie waren 2013 real um 8,2 Prozent höher als im Jahr 2000. In den meisten Jahren dieses Zeitraums beobachteten die Experten des WSI-Tarifarchivs eine negative Lohndrift. Das heißt: Die Bruttoeinkommen, in die unter anderem auch die Löhne der nicht nach Tarif bezahlten Arbeitnehmer einfließen, blieben hinter den Tarifeinkommen zurück. „Das Tarifsystem war in der vergangenen Dekade mehr denn je das Rückgrat der Lohnentwicklung“, sagt Dr. Reinhard Bispinck, der Leiter des WSI-Tarifarchivs. Jedoch nahm die Prägekraft im gleichen Zeitraum ab, vor allem, weil sich immer mehr Unternehmen der Tarifbindung entzogen. Hinzu kam auch, dass Unternehmen in wirtschaftlichen Schwierigkeiten tarifliche Öffnungsklauseln nutzten. Daher schlugen Steigerungen bei den Tariflöhnen nur zum Teil auf die Bruttoverdienste durch. Weitere Ursachen der Lohndrift waren der Abbau übertariflicher Einkommensbestandteile, der wachsende Niedriglohnsektor und die Zunahme von Teilzeit- und Minijobs.

Die WSI-Verteilungsbilanz macht auch deutlich, dass die Einkommen aus Vermögen und Unternehmensgewinnen die Arbeitseinkommen seit der Jahrtausendwende weit hinter sich gelassen haben: Zwischen 2000 und 2013 legten sie nach den neuesten Daten der VGR nominal um rund 62 Prozent zu, trotz eines zwischenzeitlichen Einbruchs in der Wirtschaftskrise 2009 (siehe auch Grafik 2). Die nominalen Arbeitnehmerentgelte wuchsen dagegen nur um knapp 28 Prozent. Vorübergehend ist auch hier der Abstand etwas kleiner geworden: Die Löhne machten Boden gut, die Kapitaleinkommen litten unter der Zinsschwäche. 2013 hätten die Gewinn- und Vermögenseinkommen aber wieder stärker zugelegt als die Bruttolöhne, beobachtet WSI-Experte Bispinck: „Das zeigt: Bei der Lohnentwicklung ist noch Spielraum nach oben“, sagt Bispinck. „Es ist vernünftig ihn zu nutzen, denn eine weitere Stärkung der Binnennachfrage brächte Deutschland und Europa mehr wirtschaftliche Stabilität.“

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