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Schottland und England: Zwischen Rivalität und Eintracht

Am 18. September entscheidet Schottland darüber, ob es nach mehr als 300 Jahren aus dem Vereinigten Königreich ausscheiden soll – eine Abstimmung von womöglich historischer Tragweite.Noch heute teilt der berühmte Hadrianswall Großbritannien von Küste zu Küste. Gebaut im zweiten Jahrhundert markiert er damals die nördliche Grenze des römischen Reiches. Kaiser Hadrian lässt die gigantische Mauer einem antiken Chronisten zufolge erbauen, um „die Römer von den Barbaren zu trennen“. Diese sogenannten „Barbaren“ sind die Stämme Kaledoniens – heute besser bekannt als Schottland. Für Jahrhunderte bleiben England und Schottland getrennt. Immer wieder führen sie Krieg gegeneinander. Doch 1707 schließen sich England und Schottland zum Königreich Großbritannien zusammen – eine Entscheidung, die seitdem in Schottland heftig umstritten ist.

Chris Whatley, Professor für schottische Geschichte, fasst zusammen: „In den Augen der Bevölkerung dominiert seit 300 Jahren die Sichtweise, dass dies ein unrechtmäßiger Akt war – etwas, das korrupte Politiker den Schotten eingebrockt haben.“ Über den Nutzen der Vereinigung toben damals heftige Debatten. In der schottischen Nationalbibliothek finden sich hunderte Schmähschriften gegen den Zusammenschluss. Das gewichtigste Argument der Befürworter einer Einheit mit England ist damals die Sorge um den wirtschaftlichen Wohlstand der Schotten – eine Begründung, die auch heute vor dem Referendum über die Loslösung immer wieder angeführt wird. Dennoch sehnen sich viele Schotten zurück nach vollständiger Unabhängigkeit – und dem Zustand vor 1707.

Schotten im Ausland bei Referendum außen vor

Wenn am 18. September die Bewohner Schottlands über ihre Unabhängigkeit abstimmen, haben im Ausland lebende Schotten kein Wörtchen mitzureden. Wahlberechtigt sind nämlich nur all jene, die in Schottland leben – egal ob sie dort geboren sind oder nicht. Craig Stephen aus Glasgow: „Ich bin durch und durch Schotte und ich würde sehr gerne mitwählen, aber ich lebe nicht dort, ich kann nichts beitragen und es betrifft mich nicht. Ich finde es fair, dass all diejenigen wählen dürfen, die dort wohnen und nicht die, die dort herkommen.“

Über eine Million Schotten leben nicht in ihrer Heimat, 750 000 von ihnen allerdings nur einen Steinwurf entfernt jenseits der Grenze in England. Dass nur alle Bewohner Schottlands ab 16 Jahre wählen dürfen, ist eine Entscheidung der schottischen Regierungspartei SNP. Professor Tony Travers von der „London School of Economics“: „Ich denke, dass in Schottland, besonders unter schottischen Nationalisten, die Angst umgeht, dass viele Auswanderer gegen die Unabhängigkeit stimmen könnten. Viele ärgern sich darüber, andererseits gibt es viele Menschen im Rest Großbritanniens, die der Meinung sind, dass die Abstimmung eigentlich auch sie betrifft.“

Es bleibt bis zuletzt spannend. Eins ist allerdings jetzt schon sicher: Wenn am 18. September die Entscheidung fällt, ob sich Schottland nach über 300 Jahren vom Vereinigten Königreich abwendet, werden hunderttausende Landsleute weltweit vor Fernsehgeräten und Computern mitfiebern.

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