Die Berliner werden „sesshafter“

Fast jede Minute fuhr in den 1990er-Jahren ein Umzugswagen von Kiez zu Kiez. Doch das hat sich in den letzten Jahren geändert und das die Berliner „sesshafter“ werden, das ist auf die steigenden Mieten zurückzuführen.

Umzüge seit 1991: ein Rückblick

Die Zahl der Umzüge stieg nach der Wiedervereinigung innerhalb Berlins bis 1998 sprunghaft. 1998 gab es tatsächlich durchschnittlich in Berlin 1250 Umzüge und das bedeutet fast jede Minute zog jemand um. Doch warum nahmen die Umzüge bis 1998 so stark zu?

Sigmar Gude vom Stadtforschungsbüro Topos erklärte 2015 zu diesem Thema, dass der Wohnungsmarkt in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre wesentlich entspannter war. Der Grund war, dass viele Neubauwohnungen entstanden, darunter auch häufig Sozialwohnungen und die Altbauwohnungen im Osten der Stadt saniert wurden. Viele Berliner kauften sich zu dem Zeitpunkt auch Eigentumswohnungen im Umland, was zur Folge hatte, dass viele Woh-nungen in der Stadt frei wurden.

Jedoch blieb der erwartete Bevölkerungszuwachs aus und damit war bezahlbarer Wohnraum vorhanden. Der Stadtforscher erklärte zudem, dass unter den Berlinern die allgemeine Stim-mung herrschte, sich wohnungs- bzw. quartiermäßig zu verbessern.

2014: im Schnitt täglich 400 Umzüge

Die Berliner waren auch 2014 stets in Bewegung, sei es mit einer Umzugsfirma-Berlin.de oder im Alleinmarsch. Jeden Tag gab es im Schnitt etwa 400 Umzüge und das bedeutet das stündlich rund 18 Familien die Koffer von Kiez zu Kiez gefahren haben.

Am häufigsten verschlug es die Menschen dabei aus der Mitte Berlin nach Pankow. Die An-wohner aus Tempelhof-Schöneberger zogen eher einen Umzug nach Steglitz-Zehlendorf vor. Bei den Lichtenbergern ging es zumeist nach Marzahn-Hellersdorf. Diese Daten basieren auf den Erhebungen des Landesamtes für Statistik Berlin-Brandenburg.

Im dritten Quartal 2013 wurde die höchste Anzahl an Umzügen in Mitte registriert: 4709! Das war zu dem Zeitpunkt ein Trend, der seit längeren beobachtet wurde. Selbst im Jahr 2012 gab es in dem Bezirk über 44.000 Zuzüge.

Dass der Bezirk so beliebt ist, das liegt daran, dass vor allem die Studenten in der Innenstadt leben wollten und in Ortsteilen wie Moabit oder Wedding oftmals noch Wohnraum fanden, der halbwegs bezahlbar war. Das Schlusslicht bildete Spandau. In den Stadtteil verlegten nur 2055 Berliner aus anderen Kiezen ihren Wohnsitz.

In Berlin steigen die Mieten: besonders am Stadtrand

Die Berliner ziehen heute im Bundesdurchschnitt weniger um und die Häufigkeit des Woh-nungswechsels ist mit den steigenden Mieten zu begründen. Und es kommt noch heftiger, denn es ist auf dem Berliner Immobilienmarkt kein Ende des Preisanstiegs zu erkennen.

Der frühere Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit hat einst gesagt, dass es kein Recht auf Wohnen in der Innenstadt gibt, als er auf die Verdrängung der alteingesessenen Berliner aus der City angesprochen wurde. Wenn nun daraus der Schluss zieht, dass er in Spandau oder Reinickendorf eine preiswerte Wohnung findet, der liegt falsch. Denn besonders in den beiden Bezirken sowie im Südosten (Treptow-Köpenick) steigen die Mieten am stärksten.

Die Mieten für Wohnungen stiegen laut dem IVD (Immobilienverband Deutschland) in den Standardlagen um 6,3 %, auf 8,50 Euro pro Quadratmeter an. In den Vorzugslagen verteuerten sich die Wohnungen pro Quadratmeter um 5,2 % auf 10 Euro. In Spandau stiegen die Mieten um 11 % und die Mieter werden dort mit 7,75 Euro pro Quadratmeter zur Kasse gebeten. Auch die Mieten in den einfachen bis mittleren Lagen machten vor dem Preisanstieg nicht halt (8,25 Euro pro Quadratmeter) – zumindest dann wenn die Wohnung eine vernünftige Ausstattung aufweist und der Zustand des Hauses ordentlich ist.

Damit wird das Wohnen am Stadtrand teurer und der Abstand zu den Quadratmeter-Preisen in der City. Die niedrige Kaufkraft ist eine Erklärung dafür, die bereits seit Jahren nicht mehr mit dem Anstieg der Mieten in der City standhalten kann. Wer aus seiner Wohnung raus muss oder sich vergrößern möchte, der muss auf den Stadtrand ausweichen. Jedoch schlägt sich eben diese Nachfrage in der Entwicklung der Mieten nieder.

Berlin-Mitte: Ein teures Pflaster

Sollte man dann doch lieber kaufen? Wer in Berlin eine Wohnung sein Eigen nennen möchte, der muss durchschnittlich dafür pro Quadratmeter 3100 Euro bezahlen – in den Vorzugslagen und das sind 10 % mehr als noch 2016. Die Makler geben bei „stöhnenden Kaufinteressenten“ eine simple Antwort: Der Anstieg war im vergangenen Jahr noch höher mit 12 % in 2016 und 2015 betrug er sogar 13,5 %. Käufer die nicht unbedingt in bester Lage wohnen möchte, der zahlt für die Standardlagen durchschnittlich 2350 Euro pro Quadratmeter und auch hier steigen die Preise wie bei den Mieten.

Aber damit ist die Spitze des Eisberges noch nicht erreicht, denn wer es auf eine Neu-bauwohnung abgesehen hat, der wird mit 4600 Euro pro Quadratmeter in den Vorzugsla-gen zur Kasse gebeten. Das sind 7,8 % mehr als 2016. In den Standardlagen beträgt der durchschnittliche Quadratmeterpreis 3900 Euro und das bedeutet ein Zuwachs von 6,5 % im Vergleich zu 2016.

Eine Million für ein Eigenheim stadtnah! Laut dem IVD wechseln die Eigenheime in Stadtnähe wie in Charlottenburg-Wilmersdorf die Besitzer für durchschnittlich 950.000 Euro. Der Durchschnittspreis der Ein- und Zweifamilienhäuser im Stadtgebiet beträgt 450.000 Euro und verfügen über eine Fläche von 100 bis 180 Quadratmetern in den Vorzugslagen.

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