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Umfrage: Manager für Begrenzung von Spitzengehältern

Berlin - Im Streit um die hohen Gehälter von Spitzenmanagern der deutschen Wirtschaft fordern selbst viele Führungskräfte der deutschen Wirtschaft Grenzen für die Bezahlung der Wirtschaftselite. Das ergab "Leaders Parliament", eine Umfrage von "Welt am Sonntag" und "Roland Berger Strategy Consultants". 24,3 Prozent der Befragten halten strengere Regeln für Managergehälter für notwendig, weil Gehaltsexzesse nicht länger vermittelbar seien.

Weitere 52,7 Prozent sind ebenfalls für Grenzen, wollen aber , dass die Aufsichtsräte und Vorstände selbst mehr Verantwortung übernehmen. Lediglich 22,5 Prozent der Befragten lehnen derartige Eingriffe ab. Auch Klaus-Peter Müller, der Vorsitzende der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex, hätte nichts dagegen, die Hauptversammlung der Aktionäre künftig über die Verdienste der Wirtschaftselite in börsennotierten Aktiengesellschaften abstimmen zu lassen. "Mit Blick auf die bereits gelebte Praxis und wenn dies allgemein zu einer höheren Akzeptanz führt, kann die Frage durchaus diskutiert werden, ob wir dann nicht auch in Deutschland über eine entsprechende Kodexregelung zu einem bindenden Votum kommen können", sagte Müller der "Welt am Sonntag". "Damit hätte ich zum Beispiel gar kein Problem." Es müsse dem Eigentümer vorbehalten bleiben, allein über die Vergütung ihres Vorstands zu bestimmen. Gleichzeitig wies Müller, der auch Commerzbank-Aufsichtsratschef ist, darauf hin, dass die Auswirkungen möglicherweise gar nicht so groß seien. Schon heute würden die 30 Unternehmen im Dax ihre Vergütungssysteme der Hauptversammlung zur Abstimmung stellen. Zwar sei dieses Votum bislang nicht bindend. "Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass ein Aufsichtsrat das Risiko auf sich nimmt und ein Votum der Eigentümerversammlung einfach übergeht. Schließlich wird er von den Eigentümern gewählt." Europaweit schlägt die Debatte nach dem Volksentscheid in der Schweiz am vergangenen Wochenende hohe Wogen. Die Schweizer haben beschlossen, dass künftig die Aktionärsversammlung über die Managervergütung bestimmen soll. Außerdem sollen hohe Antrittszahlungen und Abfindungen künftig wegfallen. Die EU-Kommission plant ä;hnliche Regeln bis zum Jahresende. Der Chef des Autoherstellers Renault/Nissan, Carlos Ghosn wünscht sich endlich eine Entscheidung der Politik in diesem seit Jahren andauernden Streit: "Am Ende braucht man einen klaren Standpunkt, eine Entscheidung, sonst hört die Diskussion um Manager-Gehälter, die ohnehin unscharf geführt wird, nicht auf", sagte Ghosn der "Welt am Sonntag". Von gesetzlichen Vorgaben hält er allerdings wenig. "Es muss der über die Gehälter seiner Spitzenmanager entscheiden, dem das Unternehmen gehört." Dass die Diskussion gesellschaftliche Relevanz hat, bestreitet allerdings kaum jemand: "Die Debatte ist berechtigt, wenn erkennbar Relationen auseinander gehen, denn nur dann finden Veränderungsprozesse statt", sagte Michael Hüther, Chef des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) dieser Zeitung. "Dass es Übertreibungen gab, ist keine Frage." Um 713 Prozent sind die Gehälter der Dax-Spitzenkräfte in den vergangenen 25 Jahren gestiegen, rechnet Management-Professor Joachim Schwalbach von der Berliner Humboldt-Universität vor. 1997 habe ein Vorstandsmitglied im Schnitt das 19fache seiner Beschäftigten verdient, 2011 sei es dann das 54-fache gewesen. "Der Nachweis, dass die Vorstandsgehälter sich wirklich an der individuellen Leistung orientieren, wird von den Unternehmen nur sehr unzureichend gegeben", moniert Schwalbach.

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