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Uni Rostock bildet seit 20 Jahren wissenschaftliche Taucher aus

Eine kleine Gruppe von Wissenschaftlern der Universität Rostock sowie ein ehemaliger Rostocker Taucherarzt organisierten zwischen 1992 und 1994 ein Vorlesungsangebot zum Thema "Grundlagen des wissenschaftlichen Tauchens". 1995 erfolgte dann die erste Forschungstaucherausbildung in Rostock nach der Wende, nachdem durch die Drägerwerk AG Lübeck mit einer Tauchgerätespende eine erste materiell-technische Basis geschaffen worden war.Mit der Beteiligung des Instituts für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) erfolgte zudem weitere personelle Unterstützung. Die Kooperation zwischen der Universität Rostock und dem IOW erwies sich von Anfang an als fruchtbar. Darüber hinaus waren und sind zwei externe Ärzte, die Landesarchäologie und der Verein Fisch und Umwelt MV e.V. beteiligt. Erster zugelassener Ausbildungsbetrieb für Forschungstaucher wurde dann die Weiterbildungsgesellschaft (WBG) an der Universität.  Erst nach Auflösung der WBG beantragte die Universität Rostock den Status des Ausbildungsbetriebes, den ihr die Prüfungskommission für Forschungstaucher der BG Bau 2006 zuerkannte. In den letzten 20 Jahren wurden insgesamt 21 Forschungstaucherkurse in Rostock durchgeführt und 228 junge Wissenschaftler durch die zuständige Prüfungskommission erfolgreich geprüft. Die frisch ausgebildeten Forschungstaucher kamen in zahlreichen wissenschaftlichen Projekten nicht nur in Deutschland, sondern auch in tropischen und arktischen Gebieten zum Einsatz, denn die Kombination von fachlicher Expertise und taucherischer Fähigkeit sorgt für sehr gute berufliche Perspektiven. Auch die Finanzierung und Durchführbarkeit vieler mariner Projekte ist an die Einsatzfähigkeit von Forschungstauchern gebunden. Ohne sie wäre beispielsweise die wissenschaftliche Bearbeitung der künstlichen Ostseeriffe vor Warnemünde zwischen 2003-2015 kaum möglich gewesen (Förderung durch EU und Land MV mit ca. 10 Mill. Euro). Rostocker Forschungstaucher sind derzeit u.a. beim Küstenschutz (Langzeituntersuchungen des Buhnenbefalls durch den Schiffsbohrwurm teredo navalis), in der Aquakultur, in der Landes-UW-archäologie oder auch bei der Gewässernutzung und -überwachung aktiv beteiligt. Im Jahr 1990 wurde den Mitgliedern der Zentralen Tauchprüfungsprüfungskommission vom Seefahrtsamt der DDR mitgeteilt, dass von der im Staatsvertrag DDR-BRD vorgesehenen Außerkraftsetzung von Rechtsvorschriften der DDR auch die Taucheranordnung aus dem Jahr 1986 betroffen sei. Eine der Konsequenzen war, dass die bis 1990 ausgebildeten wissenschaftlich agierenden Schwimmtaucher der DDR bis Ende 1992 die Prüfung zum Forschungstaucher entsprechend berufsgenossenschaftlicher Regeln der BRD ablegen mussten, um weiterhin arbeiten zu können. Diesen Schritt vollzogen jedoch nur 13 Forschungstaucher. Damit entstand nachfolgend ein akuter Mangel an Forschungstauchern, vor allem unter dem Aspekt, dass perspektivisch in den Gewässern der Neuen Bundesländer zahlreiche wissenschaftliche Aufgaben unter Wasser auch durch Taucher gelöst werden mussten.
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