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Was ist gerecht? Top-Gehälter und Arbeitnehmerlohn in Deutschland

Die Frage der Löhne und Gehälter und der angemessenen Vergütung menschlicher Arbeit steht bei vielen Diskussionen oft im Mittelpunkt. Gehaltsfragen werden fast überall äußerst kontrovers diskutiert, wobei natürlich auch immer wieder der Vergleich des eigenen Salärs mit den Bezügen von Politikern eine Rolle spielt, während die Gehälter der Top-Manager in der deutschen Wirtschaft kaum Gesprächsstoff sind.

Jedoch hat Bundestagspräsident Norbert Lammert Mitte Juli 2012 gerade dieses Thema wieder ins Gespräch gebracht, indem er seinen Unmut über die Höhe der Managergehälter äußerte und anmerkte, dass diese den Verdacht auf „Selbstbedienung“ erweckten und keinesfalls durch Leistung gerechtfertigt seien. Er sagte gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“, dass man zunehmend den Eindruck gewinne, die Gehaltsfindung der Top-Manager verselbständige sich und er verlieh seiner zeitweiligen Fassungslosigkeit Ausdruck, mit welcher Skrupellosigkeit solche Ansprüche teilweise geltend gemacht und durchgesetzt werden. Dies gelte im Übrigen auch für Finanzmakler, die, wie Lammert ausführte, die Folgen ihrer Fehleinschätzungen beim Steuerzahler anmeldeten und gleichzeitig vor Gericht für sich Bonusleistungen einklagten. Grund genug, uns einmal eine Grafik über die Verteilung der Löhne und Gehälter in Deutschland näher zu betrachten.

Gehaelter_Deutschland Was ist gerecht? Top-Gehälter und Arbeitnehmerlohn in Deutschland
Grafik: Statista

Es war einmal…

Vorausgehend sollte vielleicht noch erwähnt werden, dass einst Professor Ernst Abbé, der langjährige Geschäftspartner von Carl Zeiss in Jena, 1889 die Firma Carl Zeiss Jena in eine Stiftung umgewandelte und testamentarisch bestimmt hat, dass die Gehälter des Managements von Carl Zeiss Jena nicht höher als das Zehnfache des Gehaltes eines normalen Arbeiters oder Angestellten der Firma sein darf. Diese Bestimmung wurde von Lothar Späth, dem ehemaligen Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg und späteren Zeiss-Manager, außer Kraft gesetzt.

In der restlichen deutschen Wirtschaft galt lange Jahre das ungeschriebene Gesetz, dass ein Manager nicht mehr als das Zwanzig- bis Fünfundzwanzigfache eines Arbeitergehaltes verdienen sollte.

Diese Zeiten sind längst Geschichte, wofür die vorliegende Grafik eindeutige Belege liefert. Sie gibt uns einen Überblick über das Verhältnis zwischen den Gehältern von Vorstandsmitgliedern einzelner DAX-Konzerne und „normalen“ Arbeitnehmern in Deutschland.

Top-Verdiener in DAX-Unternehmen und ihre Mitverantwortung

Die Grafik zeigt, dass allein Martin Winterkorn im Jahre 2011 ein Salär von 17,5 Mio Euro bezog, was dem 350-fachen eines normalen Arbeiters im eigenen Konzern entspricht. Damit liegt er weit vor den anderen vier genannten Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank Ackermann, Zetsche von Daimler, Löscher von Siemens und dem Vorstandsvorsitzenden von Linde Reitzle. Letztgenannter ist mit einem Jahreseinkommen von 6,7 Mio Euro immer noch weit davon entfernt, aufstockend Hartz IV beantragen zu müssen. Übrigens wird das Jahresgehalt des Chefs von Toyota auf ca. 500.000 Euro geschätzt – und Toyota ist weltweit größer und erfolgreicher als Volkswagen.
Allerdings finden wir in der Grafik keine Informationen, wie die Risikobeteiligung der Manager an den von ihnen geführten Unternehmen aussieht. Jedoch ist dies kein Fehler der Grafik – es gibt schlicht und ergreifend keine Beteiligung des Managements an den unternehmerischen und wirtschaftlichen Risiken in den DAX-Konzernen. Hier wird besonders deutlich, wie weit die Mitverantwortung und Solidarität des Managements in den Unternehmen geht bzw. nicht geht.

Auch hier kann man wieder den Bundestagspräsidenten Lammert zu Wort kommen lassen, der im gleichen Interview feststellte: „Die erstaunliche Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft, die noch vor 15 Jahren im Ausland als kranker Mann Europas galt, sei ganz wesentlich der Lohn- und Gehaltsdisziplin der Beschäftigten zu verdanken“. Man denke dabei auch an die Phasen der Kurzarbeit in den großen Konzernen der Automobilindustrie, die wesentlich zur Gesundung aus der Krise in der Branche beigetragen haben.

Wie stehen diese Beschäftigten da?

Eindrucksvolle Zahlen in der Grafik zeigen dies: Arbeitnehmer gucken in die Röhre. In der Grafik wird die Situation von Arbeitnehmern und Vorständen bezüglich ihrer Einkommen und der damit verbundenen Kaufkraft deutlich. Es wird klar, dass die Vorstände sowohl was Einkommen, als auch die damit in Zusammenhang stehende Kaufkraft betrifft, in den vergangen Jahren und Jahrzehnten die eindeutigen Gewinner im Verteilungskampf waren, wohingegen die sogenannten einfachen Arbeitnehmer immer weitere Einbußen hinnehmen mussten. Die Schere wird immer größer und die Gruppe der Geringverdiener nimmt ständig an Umfang zu, was dazu führt, dass inzwischen schon von Einkommen am Rande der Armutsgrenze die Rede ist. Die Tatsache, dass die realen Einkommen der „unteren 10%“ seit den Achtzigerjahren praktisch nicht mehr gestiegen sind, belegt eindeutig, dass die Befürchtungen vieler Menschen vor dem Fall in die Armut und besonders in die Altersarmut nicht unbegründet sind, denn durch steigende Preise wird die Rente bei den meisten nicht mehr reichen, ein Leben in ausreichender Versorgung zu führen

Was noch zu sagen wäre…

Worüber die Grafik nicht informiert ist die Tatsache, dass es in Deutschland auch eine ganze Reihe unternehmergeführte Familienbetriebe gibt, die durchaus in der Liga der DAX-Firmen mitspielen können. Auch hier gibt es ein angestelltes Management – allerdings nicht mit den Bezügen der Vorstandsvorsitzenden. In einem Familienunternehmen würde man in einem Vorstellungsgespräch sein Gehalt mit dem Firmeninhaber aushandeln. Die Vorstandvorsitzenden der DAX-Unternehmen – so der weitverbreitete Vorwurf – kungeln es untereinander aus. Dies ist unter anderem deshalb möglich, weil Aktiengesellschaften nicht nur einen Vorstand, sondern auch einen Aufsichtsrat haben, der die Geschäfte des Vorstands überwachen soll. Und in der Wirtschaft ist es nun mal so, dass der eine Vorstand da im Aufsichtsrat sitzt, und der andere Aufsichtsrat dort im Vorstand. So gilt die Devise: eine Hand wäscht die andere.

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