Zuerich

Weniger Lohn für Frauen im Kanton Zürich

ZürichZürich - Heißt es in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, Artikel 23, Absatz 2, jeder, ohne Unterschied, hat das Recht auf gleichen Lohn für gleiche Arbeit, sieht die Situation in der EU, aber auch in der Schweiz anders aus, besonders im Kanton Zürich. Innerhalb der EU verdienen Frauen in Deutschland, Tschechien, Estland und Österreich mehr als 23 Prozent im Schnitt weniger als Männer, die dieselbe Arbeit verrichten. In der Schweiz verdienen Frauen durchschnittlich um 18 Prozent weniger, außer im Kanton Zürich, der mit mehr als 23 Prozent auf dem EU-Niveau liegt.

In der Verfassung seit 1981 verankert

In der Schweizerischen Verfassung ist das Recht auf gleichen Lohn bei gleicher Arbeit für Männer wie Frauen seit 1981 verankert. Exakt am Tag nachdem das Gesetz in die Verfassung aufgenommen wurde, zogen 20 Krankenschwestern aus dem Kanton Zürich vor Gericht. Sie verglichen ihre Entlohnung mit vergleichbaren Berufsgruppen und bekamen schließlich nach 5 Jahren Recht. Die Differenz auf faire Entlohnung wurde ihnen rückwirkend ausbezahlt. Das Urteil hatte weitreichende Folgen, denn mehrere tausend Krankenschwestern und Krankenpfleger erhielten Nachzahlungen im Gesamtwert von 280 Millionen Franken und wurden um mindestens eine Gehaltsstufe höher eingestuft. Ein Beispiel, dass Schweizer Gerichte sich an die Verfassungsregelung halten, doch im Berufsalltag zeigt sich sichtlich die Situation noch immer von der diskriminierenden Seite. Laut einer Lohnstrukturerhebung verdient eine Frau im Kanton Zürich rund 5363 Franken, Männer hingegen 7042 Franken . Die größten Unterschiede bestehen im Gast- und im Baugewerbe, aber auch im Einzelhandel und im Verkehr. Im Versicherungs- und Finanzdienstleisterbereich sind die Unterschiede am geringsten.

Wenige Fälle landen bei Gericht

Laut Bibiane Egg, auf Lohnfragen spezialisierte Rechtsanwältin, landen jedoch nur wenige Fälle bei der Schlichtungsstelle oder vor Gericht. Arbeitnehmerinnen scheuen sich davor, den Rechtsweg einzuschlagen. In den letzten 30 Jahren waren es lediglich 109 Fälle, ein Drittel wurde bei der Schlichtungsstelle entschieden, zwei Drittel über Gerichtsverfahren. Meist sind es Gewerkschaften, die für ganze Berufsgruppen Lohngleichheit mit anderen, vergleichbaren Berufsgruppen einfordern. Das Eidgenössische Büro für Gleichstellung entwarf ein Qualitätslabel, von dem erwartet wird, dass er das ungleiche Lohnverhältnis zwischen Mann und Frau den Arbeitgebern vor Augen führen solle. Bundesrätin Simonetta Sommaruga geht einen Schritt weiter. Sie meinte kürzlich, dass freiwillige Maßnahmen zu wenig effizient wären und forderte eine Lohnpolizei, die in Betrieben Kontrollen durchführen solle. Diskussionen zur geschlechtsbezogenen Ungleichstellung laufen in beinahe allen europäischen Ländern, doch seit dem 10. Dezember 1948 ist die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte bekannt, sichtlich nicht immer den Arbeitgebern.

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