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Studie: Informatikstudiengänge verpassen Digitalisierung

Das Interesse junger Menschen an einem Informatik-Studium wächst, viele Hochschulen sind darauf aber schlecht eingestellt – in den Informatikstudiengängen gibt es bisher kaum zusätzliche Professoren und Lehrkräfte. Das zeigt eine neue Untersuchung des Stifterverbands für die deutsche Wissenschaft, über die die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Mittwochausgabe) berichtet. Die Zahl der Studienanfänger im Fach Informatik hat sich der Studie zufolge in fünf Jahren um fast 20 Prozent erhöht, von 28.000 im Wintersemester 2011/12 auf 33.400 im Wintersemester 2016/17. Die Zahl hauptberuflicher Informatikprofessoren stieg im gleichen Zeitraum aber nur um gut 8 Prozent auf 2.652 Professoren an.

Da zugleich auch in anderen Fachbereichen Stellen aufgebaut wurden, ging der Anteil der Informatiker am gesamten Hochschulpersonal laut Stifterverband sogar von 4,0 auf 3,8 Prozent zurück. Der Stifterverband, der von namhaften Unternehmen und Stiftungen getragen wird, sieht hierin ein Alarmzeichen für ein Land, das durch eine technologische Spitzenposition seinen Wohlstand sichern will. „Die Anstrengungen der letzten fünf Jahre reichen bei weitem nicht aus“, sagte der stellvertretende Generalsekretär des Verbands, Volker Meyer-Guckel, der FAZ. „Statt Stagnation brauchen wir mehr wissenschaftliches Personal und Bildungsangebote – und vor allem müssen wir die Zahl der Absolventen in der Informatik weiter deutlich erhöhen“, fordert er. Eine Erklärung für den schleppenden Personalaufbau ist laut Stifterverband, dass die Hochschulen in Konkurrenz zu den Unternehmen stehen, die wegen der Digitalisierung ihrerseits mit hohen Gehältern um Informatiker werben. Allerdings müssten die Hochschulen auch selbst mehr tun, um wissenschaftlichen Nachwuchs zu halten, ergänzte Studienautor Mathias Winde. Besonders ungünstig ist die Entwicklung in den östlichen Bundesländern, wie die Studie unter dem Titel „Ländercheck Informatik“ zeigt: Dort ging die Zahl der Informatikprofessoren an den meisten Hochschulen sogar zurück, beispielsweise in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern sogar um mehr als 20 Prozent. Nur Sachsen ist im Osten eine Ausnahme: Dort konnten die Informatik-Studiengänge ihr wissenschaftliches Personal in den fünf Jahren um 19,8 Prozent aufstocken. Noch stärkere Zuwächse verzeichnet der Stifterverband für Schleswig-Holstein (plus 26,6 Prozent), Nordrhein-Westfalen (24 Prozent), Hessen (22,5 Prozent) und Bayern (19,8 Prozent). Nordrhein-Westfalen schneidet in dem Vergleich trotzdem nur mäßig ab, weil dort rechnerisch auf einen Informatikprofessor immer noch 153 Studenten kommen, im Durchschnitt aller 16 Bundesländer sind es 78.

Foto: Computer-Nutzer, über dts Nachrichtenagentur

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