Jean-Marie Le Pen verstorben: Der Führer der französischen extremen Rechten wurde 96 Jahre alt

Jean-Marie Le Pen verstorben: Der Führer der französischen extremen Rechten wurde 96 Jahre alt


Jean-Marie Le Pen, eine der einflussreichsten und umstrittensten Persönlichkeiten der französischen Politik, ist im Alter von 96 Jahren verstorben. Die Nachricht seines Todes wurde von der Nachrichtenagentur AFP und seiner Familie gemeinsam bekannt gegeben.

Le Pen wurde am 20. Juni 1928 in La Trinité-sur-Mer geboren und prägte die französische Politiklandschaft über Jahrzehnte hinweg. Er war der Gründer und langjährige Vorsitzende des Front National, einer rechtsextremen Partei, die seit 2018 unter dem Namen Rassemblement National firmiert.

Aufstieg zur Führungsfigur der extremen Rechten

Seine politische Karriere begann Le Pen bereits in den 1950er Jahren. Als Anwalt und ehemaliger Fallschirmjäger engagierte er sich zunächst in der Poujadisten-Bewegung, einer Interessenvertretung für kleine Gewerbetreibende. Später wechselte er zur rechtsextremen Partei Ordre Nouveau, bevor er 1972 den Front National gründete.

In den folgenden Jahrzehnten baute Le Pen die Partei sukzessive auf und positionierte sie als eine der einflussreichsten Kräfte am rechten Rand des politischen Spektrums in Frankreich. Mit seiner populistischen Rhetorik und seiner strikten Ablehnung von Einwanderung und Integration gelang es ihm, eine treue Anhängerschaft aufzubauen.

Kontroversen und Skandale

Immer wieder sorgte Le Pen mit provokanten Äußerungen und Positionen für heftige Kontroversen. So leugnete er lange Zeit den Holocaust und äußerte sich abfällig über Juden und Ausländer. Auch seine Nähe zu rechtsradikalen Strömungen im In- und Ausland brachte ihm scharfe Kritik ein.

Trotz oder gerade wegen dieser Skandale gewann Le Pen zunehmend an Popularität. Bei den Präsidentschaftswahlen 2002 schaffte er es sogar überraschend in die Stichwahl, was landesweit für großes Aufsehen sorgte. Zwar unterlag er in der Endrunde deutlich gegen Jacques Chirac, doch hatte er damit gezeigt, dass die extreme Rechte eine ernstzunehmende Kraft in der französischen Politik geworden war.

Generationenwechsel in der Parteiführung

Im Jahr 2011 übergab Le Pen den Vorsitz des Front National an seine Tochter Marine Le Pen. Dieser Generationenwechsel an der Spitze der Partei sollte eine neue Ära einläuten, in der die extreme Rechte weiter an Einfluss gewinnen konnte.

Marine Le Pen setzte zunächst darauf, das Image der Partei zu modernisieren und sie salonfähiger zu machen. Unter ihrer Führung gelang es dem Rassemblement National tatsächlich, bei Wahlen immer bessere Ergebnisse zu erzielen und sich fest im politischen Establishment Frankreichs zu verankern.

Reaktionen auf den Tod Le Pens

Der Tod Jean-Marie Le Pens löste ein geteiltes Echo in Frankreich aus. Während seine Anhänger den „Patriarchen“ der extremen Rechten als einflussreiche Figur würdigten, verurteilten viele andere seine umstrittene politische Karriere aufs Schärfste.

Präsident Emmanuel Macron bezeichnete Le Pen zwar als „historische Figur der extremen Rechten“, die fast sechzig Jahre lang eine Rolle im öffentlichen Leben Frankreichs gespielt habe. Zugleich betonte er, dass es nun an der Geschichte sei, über dieses Erbe zu urteilen.

Andere Politiker und Kommentatoren zeigten sich deutlich kritischer. Sie erinnerten an die vielen Skandale und Provokationen, für die Le Pen über Jahrzehnte stand. Insbesondere seine Äußerungen zum Holocaust und zur Einwanderung wurden scharf verurteilt.

Vermächtnis und Bedeutung für Frankreich

Trotz aller Kontroversen lässt sich nicht leugnen, dass Jean-Marie Le Pen die französische Politik über viele Jahre hinweg entscheidend geprägt hat. Als Gründer und langjähriger Vorsitzender des Front National trug er maßgeblich dazu bei, die extreme Rechte in Frankreich zu etablieren und ihr eine neue Stimme zu verleihen.

Sein Erbe ist bis heute umstritten. Einerseits gelang es ihm, der Ideologie des Rechtspopulismus und Nationalismus erheblichen Auftrieb zu verleihen. Andererseits standen seine Positionen im krassen Widerspruch zu den Werten der Republik und dem demokratischen Konsens in Frankreich.

Letztlich bleibt Jean-Marie Le Pen eine Schlüsselfigur der französischen Politik, über deren Wirken und Vermächtnis die Debatte wohl noch lange andauern wird. Sein Tod markiert das Ende einer Ära, in der die extreme Rechte in Frankreich an Einfluss gewinnen konnte – eine Entwicklung, deren Folgen bis heute spürbar sind.

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