Reconvilier – Seit mehr als 10 Jahren kämpft die Swissmetall, heute Tochterunternehmen von Baoshida, mit wirtschaftlichen Widrigkeiten. Im Januar 2013 übernahm die chinesische Beteiligungsgesellschaft Baoshida die Werke von Swissmetall in Reconvilier und Dornach. Damals verpflichtete sich das chinesische Unternehmen die Mitarbeiter an beiden Standorten vollkommen zu übernehmen. Erworben hat Baoshida die Anlagen, Einrichtungen und Warenlager beider Standorte sowie das geistige Eigentum, die Namensrechte und die Immobilien in Reconvilier. Die Dornacher Grundstücke blieben im Besitz der Swissmetall und wurden an Baoshida vermietet. Die von der heutigen Baoshida Swissmetall AG hergestellten Produkte aus Kupfer und Kupferlegierungen kommen in der Elektronik-, der Telekommunikations-, der Erdöl-, der Automobil- und der Uhrenindustrie zum Einsatz.
Ein Jahr nach der Übernahme
Nunmehr wurde bekannt, dass das Unternehmen neu ausgerichtet werden soll, eine Notwendigkeit, wie es heißt, um den Fortbestand zu sichern, denn die Ergebnisse aus dem vergangenen Jahr und die Aussichten auf das laufende lägen unter den Erwartungen. Der Fokus soll in Zukunft verstärkt auf der Herstellung von Produkten aus Kupferlegierungen liegen. Aber auch andere Materialien und neue Produktionstechnologien sollen eingesetzt werden. Die Neuausrichtung geht jedoch auch mit einer personellen Anpassung einher, 20 der 250 Mitarbeiter sollen entlassen werden. Kritik erfährt Baoshida vom Verband der Angestellten Schweiz. Schwierig zeige sich die Situation deshalb, da unter einer Anzahl von 30 Entlassungen ein Unternehmen keinen Sozialplan vorlegen müsse. Die Geschäftsführung werde auch keine finanzielle Unterstützung anbieten, so der Verband, wäre jedoch für andere Vorschläge offen.
Swissmetall hat Tradition
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden an den Standorten Thun, Reconvilier und Dornach Buntmetallprodukte für die Waffen-, Uhren- und Telefondrahtherstellung erzeugt. Das Unternehmen in Reconvilier lief unter dem Namen Bueche, Boillat et Cie, das in Thun nannte sich Selve & Co und jenes in Dornach Metallwerke AG. Bis in die 1980er Jahre waren die drei Unternehmen Führer auf dem Buntmetallmarkt. Der Wettbewerbsdruck wurde jedoch immer größer, sodass die drei Betriebe sich 1986 zur Schweizerischen Metallwerke AG zusammenschlossen. 1990 beschäftigte die neue AG mehr als 2.000 Mitarbeiter. Mangelnde Wettbewerbsfähigkeit in speziellen Bereichen und Verluste an Marktanteilen führten schließlich zur Schließung des Thuner Werks. Die Banken kündigten ihre Kredite, das Unternehmen stand vor dem Untergang. Ein Restrukturierungsprogramm der Ally Management Group wurde beschlossen und sicherte das Überleben. 2009 lief das Programm aus und die Weltwirtschaftskrise traf das Unternehmen mit einem neuen Schlag. Durch eine neuerliche Restrukturierung bekam die Swissmetall eine weitere Chance, doch 2012 konnte nur noch über eine Übernahme diskutiert werden, die dann im Jänner 2013 durch Baoshida erfolgte.

