Baar – Glencore Xstrata mit Hauptsitz im Schweizerischen Baar ist umsatzmäßig das zweitgrößte Unternehmen in der Schweiz. In den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres konnte Glencore seine Kupferproduktion um ein Fünftel auf 675.000 Tonnen steigern. Das meiste Kupfer stammte aus den afrikanischen Minen. Aber nicht nur Glencore erfuhr Zuwächse, sondern die gesamte Rohstoffbranche in der Schweiz. Gegenwärtig tragen die rund 500 Unternehmen mehr als die Banken zur Wertschöpfung bei. Mit insgesamt 10.000 Mitarbeitern konnten im Transithandel 20 Milliarden Schweizer Franken erwirtschaftet werden, das sind rund 3,5 Prozent des Bruttoinlandprodukts.
Geringere Kupferkonzentration
Für die Rohstoffunternehmen wird die Gewinnung zusehends schwieriger, die Konzentrationen gehen zurück. Ugi Bardi, Chemieprofessor an der Universität in Florenz, verfasstee den diesjährigen Bericht des Club of Rome mit dem Titel „Der geplünderte Planet“. Die Schwierigkeiten rund um die Gewinnung sind ihm bekannt. „Als der Abbau von Kupfer begann, lag die Durchschnittskonzentration in der Regel bei 15 Prozent. Heute liegt sie bei 0,5 bis 1 Prozent“, erklärt er. In einem Durchschnittsauto sind rund 50 Kilogramm Kupfer verbaut. Um diese Menge zu gewinnen, müssen heute 2 Tonnen Gestein bewegt werden. Für Bardi steht fest, dass der Abbau von Kupfer sein Maximum 2013 erreicht haben wird. „Selbst wenn es in der nahen Zukunft möglich sein sollte, Erze aus den Tiefen des Meeresgrundes auf finanziell tragbare Weise zu fördern, können wir den Zeitraum des Kupferabbaus nur um 10 bis 15 Jahre verlängern, wenn man die aktuellen Produktionsquoten betrachtet“, meint er.
Kupferproduktion wird immer teurer
Die Kosten für den Abbau steigen aufgrund der geringeren Konzentration im Gestein, aber auch die hohen Energiepreise wirken sich aus. Aber die Problematik betrifft nicht nur Kupfer, sondern beinahe alle Rohstoffe, auch Erdöl. Bardi befürchtet, dass in Zukunft sich viele Menschen, besonders in wirtschaftlich schwächeren Ländern Rohstoffe nicht mehr leisten können. Die Schweiz scheint vor den Preiserhöhungen, speziell bei Erdöl, wenig betroffen zu sein, da sie nur einen geringen Teil der benötigten Energie importiert. Die Atomkraft, zwar umstritten, bringt eine gewisse Unabhängigkeit. Doch auch bei der Atomkraft darf nicht vergessen werden, dass es sich bei Uran ebenfalls um einen Rohstoff handelt, der nicht bis in alle Ewigkeit zur Verfügung stehen wird. Die zweite Problematik, mit der die Rohstoffunternehmen konfrontiert sind, ist das wachsende ökologische und soziale Bewusstsein in den Entwicklungsländern und Schwellenstaaten. So wurde auch gegen Glencore Xstrata im Vorjahr ein Strafverfahren in Peru eingeleitet. Die Anklage warf dem Unternehmen Delikte gegen die Umwelt, die Einwohner des Landes und gegen den peruanischen Staat selbst vor.
