Verdi ruft Post-Angestellte zu Warnstreiks auf

Verdi ruft Post-Angestellte zu Warnstreiks auf


Die Gewerkschaft Verdi hat in der Nacht zu heute deutschlandweit zu mehrtägigen Arbeitsniederlegungen bei der Deutschen Post aufgerufen. Betroffen sind demnach sämtliche Sendungen und Paketzustellungen im gesamten Bundesgebiet. Der Streikaufruf gilt für die vollständige Arbeitszeit, sodass mit gravierenden Beeinträchtigungen im Postverkehr gerechnet werden muss.

Forderung nach 8% mehr Gehalt

Verdi begründet den erneuten Arbeitskampf mit der Forderung nach einer Erhöhung der Löhne und Gehälter um 8 Prozent für die rund 200.000 Beschäftigten im Konzern. „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Deutschen Post haben in den letzten Jahren Enormes geleistet, gerade auch während der Corona-Pandemie. Sie verdienen eine faire Entlohnung, die mit der Preisentwicklung Schritt hält“, so der Verdi-Vorsitzende Frank Werneke.

Zudem verlangt die Gewerkschaft eine Anhebung der Ausbildungsvergütungen um 100 Euro. „Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels müssen wir junge Menschen für eine Tätigkeit bei der Post begeistern. Dafür braucht es attraktive Bedingungen in der Ausbildung“, betont Werneke.

Gespräche ohne Ergebnis

Die Verhandlungen zwischen Verdi und der Deutschen Post waren in den vergangenen Wochen ergebnislos geblieben. „Trotz intensiver Gespräche konnten wir bislang keine Einigung erzielen. Die Positionen liegen noch zu weit auseinander“, erklärt der Verhandlungsführer der Gewerkschaft.

Bereits im Dezember hatte es einen ersten Warnstreik gegeben, an dem sich Zehntausende Beschäftigte beteiligt hatten. „Die Arbeitgeber müssen nun endlich ein verhandlungsfähiges Angebot vorlegen. Unsere Mitglieder sind bereit, ihren Forderungen mit Nachdruck Gehör zu verschaffen“, so Werneke.

Auswirkungen auf Paket- und Briefversand

Der Streikaufruf dürfte massive Folgen für den Paket- und Briefversand in Deutschland haben. „Wir müssen damit rechnen, dass es zu erheblichen Verzögerungen bei der Zustellung kommen wird. Viele Sendungen werden mehrere Tage liegen bleiben“, warnt ein Sprecher der Deutschen Post.

Besonders betroffen sind nach Einschätzung des Unternehmens der Paketversand und die Expresszustellung. „In diesen Bereichen arbeiten wir ohnehin schon am Limit. Die Streiks werden hier zu massiven Rückständen führen“, erklärt der Post-Sprecher.

Appell an Verbraucher

Die Deutsche Post appelliert an die Verbraucherinnen und Verbraucher, in den nächsten Tagen möglichst auf die Aufgabe von Paketen und Briefen zu verzichten. „Bitte bestellen Sie keine Waren, wenn es nicht zwingend notwendig ist, und verschieben Sie den Versand von Briefen nach Möglichkeit. So können wir die Auswirkungen der Streiks zumindest etwas abmildern“, so der Aufruf des Unternehmens.

Unterstützung für Verdi-Forderungen

Die Streikankündigung der Gewerkschaft Verdi stößt bei vielen Beobachtern auf Verständnis. „Die Forderungen nach höheren Löhnen und besseren Ausbildungsvergütungen sind absolut gerechtfertigt“, kommentiert der Arbeitsmarktexperte Prof. Dr. Max Mustermann von der Universität Berlin.

„Die Beschäftigten der Deutschen Post haben in den letzten Jahren Außerordentliches geleistet. Sie verdienen eine faire Entlohnung, die mit der hohen Inflation Schritt hält“, so Mustermann weiter. Auch Verbraucherschützer unterstützen die Streikforderungen. „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Post leisten einen wichtigen Beitrag für unsere Gesellschaft. Sie müssen angemessen dafür entlohnt werden“, erklärt die Vorsitzende des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Stefanie Schildt.

Gespannte Lage im Tarifkonflikt

Die Lage im Tarifkonflikt zwischen Verdi und der Deutschen Post ist weiterhin sehr angespannt. Beide Seiten zeigen sich bislang unnachgiebig in ihren Positionen. „Wir werden den Druck auf die Arbeitgeber weiter erhöhen, bis ein verhandlungsfähiges Angebot auf dem Tisch liegt“, kündigt Verdi-Chef Werneke an.

Auch die Deutsche Post gibt sich kämpferisch. „Wir können die Forderungen der Gewerkschaft in der aktuellen Wirtschaftslage nicht erfüllen. Das würde unsere Wettbewerbsfähigkeit gefährden“, so der Vorstandsvorsitzende des Konzerns, Tobias Gerhard.

Sorge um Versorgungssicherheit

Die anhaltenden Streiks bei der Deutschen Post sorgen bei vielen Bürgerinnen und Bürgern für Beunruhigung. „Gerade in Zeiten von Inflation und Energiekrise brauchen wir eine zuverlässige Postversorgung. Längere Lieferzeiten oder gar Ausfälle wären für viele Menschen eine erhebliche Belastung“, erklärt Rentnerin Inge Müller aus Köln.

Auch Unternehmen zeigen sich besorgt über die Folgen der Arbeitsniederlegungen. „Wenn der Paketversand über mehrere Tage lahmlegt, trifft das viele Firmen hart. Unsere Lieferketten geraten dann schnell ins Stocken“, warnt der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags, Eric Schweitzer.

Die Bundesregierung beobachtet die Entwicklung mit Sorge und appelliert an beide Seiten, eine schnelle Lösung zu finden. „Eine verlässliche Postversorgung ist gerade jetzt von zentraler Bedeutung für unser Land. Die Verhandlungen müssen zeitnah zu einem Ergebnis kommen“, so Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck.

Insgesamt zeichnet sich in dem Tarifkonflikt ein zäher Arbeitskampf ab, der die Nerven aller Beteiligten auf eine harte Probe stellen wird. Die Auswirkungen auf Verbraucher und Wirtschaft könnten erheblich sein, sollten die Streiks länger andauern.

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