Video: Ein Therapieplatz ist für Geflüchtete ein Glücksfall

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Psychologische Hilfe für Asylbewerber in Deutschland stark eingeschränkt – Psychosoziale Zentren als wichtige Anlaufstellen – Fallbeispiel Jamshid Qaderi: Vom Trauma zum Therapieplatz in Frankfurt – Forderungen nach verbesserter Versorgung und Abbau bürokratischer Hürden.

 

Die psychische Gesundheit von Geflüchteten ist ein Thema, das oft im Schatten der akuten Bedürfnisse nach Unterkunft und Versorgung steht. Doch gerade Menschen, die Krieg, Verfolgung und Flucht erlebt haben, tragen oft schwere Traumata mit sich. In Deutschland haben Asylbewerber in den ersten drei Jahren ihres Aufenthalts jedoch nur in äußersten Notfällen Anspruch auf psychologische Hilfe. Eine Situation, die von Experten und Hilfsorganisationen scharf kritisiert wird.

Psychosoziale Zentren als wichtiger Anker

In dieser schwierigen Situation spielen psychosoziale Zentren eine wichtige Rolle. Diese Einrichtungen, von denen es bundesweit lediglich 71 gibt, bieten Geflüchteten niedrigschwellige Beratung und Unterstützung an. Hier können sie ihre Erlebnisse verarbeiten, Ängste bewältigen und Strategien für den Umgang mit dem neuen Leben in Deutschland entwickeln. Doch auch diese Zentren sind oft überlastet und können den Bedarf kaum decken.

Jamshid Qaderi: Eine Geschichte von Trauma und Hoffnung

Ein Beispiel für die Schwierigkeiten, mit denen Geflüchtete bei der Suche nach psychologischer Hilfe konfrontiert sind, ist der Fall von Jamshid Qaderi. Der junge Mann stammt aus Afghanistan und hat dort schreckliche Dinge erlebt. Nach seiner Flucht nach Deutschland war er stark traumatisiert und litt unter Angstzuständen und Schlafstörungen.

„Ich konnte nicht mehr schlafen, hatte immer wieder Bilder im Kopf“, erzählt Qaderi. „Ich wusste, dass ich Hilfe brauche, aber ich wusste nicht, wo ich sie bekommen kann.“

Nach langer Suche und vielen Absagen fand Jamshid Qaderi schließlich einen der wenigen Therapieplätze im Evangelischen Zentrum in Frankfurt. Hier wird er von einer erfahrenen Psychologin betreut und lernt, mit seinen Traumata umzugehen.

Evangelisches Zentrum Frankfurt: Ein Leuchtturm in der Not

Das Evangelische Zentrum in Frankfurt ist eine der wenigen Einrichtungen, die sich auf die psychologische Betreuung von Geflüchteten spezialisiert haben. Hier arbeiten Psychologen, Therapeuten und Sozialarbeiter Hand in Hand, um den Geflüchteten eine umfassende Unterstützung zu bieten.

„Wir sehen, wie dringend der Bedarf an psychologischer Hilfe ist“, sagt die Leiterin des Zentrums. „Viele Geflüchtete haben schreckliche Dinge erlebt und brauchen professionelle Unterstützung, um diese zu verarbeiten.“

Forderungen nach verbesserter Versorgung

Experten und Hilfsorganisationen fordern seit langem eine verbesserte psychologische Versorgung von Geflüchteten. Sie kritisieren die restriktiven Zugangsbedingungen und die mangelnde Finanzierung der psychosozialen Zentren.

„Es ist inakzeptabel, dass Menschen, die so viel Leid erfahren haben, in Deutschland kaum Zugang zu psychologischer Hilfe haben“, sagt ein Sprecher einer Flüchtlingsorganisation. „Wir brauchen dringend eine Änderung der Gesetzgebung und eine Aufstockung der Mittel, um eine flächendeckende Versorgung zu gewährleisten.“

Bürokratische Hürden abbauen

Neben der finanziellen Unterstützung fordern Experten auch den Abbau bürokratischer Hürden. Viele Geflüchtete scheitern bereits an den komplizierten Antragsverfahren und den sprachlichen Barrieren. Es sei notwendig, die Zugangswege zur psychologischen Versorgung zu vereinfachen und mehrsprachige Angebote zu schaffen.

Der Fall von Jamshid Qaderi und die Arbeit des Evangelischen Zentrums in Frankfurt zeigen, wie wichtig psychologische Hilfe für Geflüchtete ist. Es ist an der Zeit, dass Politik und Gesellschaft die Bedürfnisse dieser vulnerablen Gruppe erkennen und eine verbesserte Versorgung sicherstellen. Nur so kann Integration gelingen und ein menschenwürdiges Leben ermöglicht werden.

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