Weihnachtspost: Ein Wunsch hat seit Corona deutlich zugenommen

Weihnachtspost: Ein Wunsch hat seit Corona deutlich zugenommen


Weihnachten steht vor der Tür – zehntausende Wunschzettel trudeln in diesen Tagen in den Weihnachtspostfilialen der Deutschen Post ein. Die Wünsche sind dabei vielfältig, doch nicht alle lassen sich auch mit Geld kaufen.

Die ungebrochene Tradition der Wunschzettel

Seit Generationen ist der Wunschzettel fester Bestandteil der Weihnachtszeit. Kinder verfassen liebevoll verzierte Briefe an den Weihnachtsmann, in denen sie ihre Träume und Sehnsüchte zum Ausdruck bringen. Doch längst nicht nur Kinder nutzen diesen Brauch, um ihre Wünsche für die Feiertage kundzutun.

In den letzten Jahren hat sich die Tradition des Wunschzettels gewandelt. Immer mehr Erwachsene entdecken den Zauber des Schreibens an den Weihnachtsmann für sich. „Wir verzeichnen einen deutlichen Anstieg an Wunschzetteln von Erwachsenen“, bestätigt Sabine Grünberg, Sprecherin der Deutschen Post. „Die Pandemie hat diesen Trend noch verstärkt.“

Der Wunsch nach menschlicher Nähe

Der Grund für den Anstieg ist naheliegend: Viele Menschen sehnen sich in Zeiten von Lockdowns und Kontaktbeschränkungen nach emotionaler Verbundenheit und persönlicher Zuwendung. „Die Einsamkeit, die viele in der Corona-Krise erfahren haben, lässt sie verstärkt nach Geborgenheit und Gemeinschaft suchen“, erklärt die Psychologin Dr. Anna Schwarz. „Der Wunschzettel bietet ihnen die Möglichkeit, ihre Gefühle zum Ausdruck zu bringen und Hoffnung auf eine Verbesserung ihrer Situation zu schöpfen.“

Nicht selten finden sich daher auf den Wunschzetteln der Erwachsenen Bitten um Gesundheit für die Liebsten, um das Wiedersehen mit der Familie oder einfach nur um ein „frohes Weihnachtsfest“. „Viele wünschen sich nichts Materielles, sondern sehnen sich nach emotionaler Zuwendung und zwischenmenschlicher Nähe“, berichtet Grünberg.

Kreativität als Ventil

Doch die Wunschzettel der Erwachsenen beschränken sich nicht nur auf traditionelle Wünsche. Immer öfter dienen sie auch als kreatives Ventil, um Frust und Ängste loszuwerden. „Wir erhalten viele Wunschzettel, auf denen die Absender ihre Sorgen um die Zukunft, ihre Ängste vor Krankheit oder ihren Frust über die gesellschaftlichen Spannungen zum Ausdruck bringen“, sagt Grünberg.

Die Verfasser nutzen die Wunschzettel, um ihre Gefühle in Worte zu fassen und an den Weihnachtsmann zu richten. Manche flehen um Frieden in der Welt, andere beklagen die Auswirkungen des Klimawandels. Nicht selten finden sich auch Forderungen nach mehr Gerechtigkeit, Mitgefühl und Solidarität.

„Die Wunschzettel spiegeln die Nöte und Sehnsüchte der Menschen wider“, erklärt die Psychologin Schwarz. „In Zeiten der Unsicherheit und des Umbruchs dienen sie als Ventil, um Ängste loszuwerden und Hoffnung zu schöpfen.“

Wunschzettel als Seismograph der Gesellschaft

Für die Mitarbeiter der Deutschen Post werden die Wunschzettel daher zu einem besonderen Spiegel der Gesellschaft. „Wir bekommen einen sehr persönlichen Einblick in die Gedanken und Gefühle der Menschen“, sagt Grünberg. „Die Wünsche reichen von ganz alltäglichen Dingen bis hin zu komplexen gesellschaftlichen Themen.“

Manche Wünsche sind dabei durchaus überraschend. So baten einige Absender den Weihnachtsmann um Hilfe bei der Partnersuche oder um Unterstützung bei der Bewältigung von Suchtproblemen. Andere wiederum wünschten sich Dinge, die man nicht einfach kaufen kann, wie mehr Zeit mit den Angehörigen oder die Überwindung von Einsamkeit.

„Die Wunschzettel zeigen, dass die Menschen in der Weihnachtszeit nicht nur materielle Dinge im Sinn haben“, betont Grünberg. „Viele sehnen sich nach Geborgenheit, Zusammenhalt und Erfüllung jenseits des Konsums.“

Wunschzettel als Impulsgeber für die Gesellschaft

Für die Mitarbeiter der Deutschen Post sind die Wunschzettel daher nicht nur ein Spiegel der Gesellschaft, sondern auch ein Appell an die Mitmenschen. „Die Wünsche nach Mitgefühl, Solidarität und Gerechtigkeit zeigen, dass viele Menschen den Wert menschlicher Beziehungen und gesellschaftlichen Zusammenhalts erkennen“, sagt Grünberg.

Die Wunschzettel können somit als Impulsgeber dienen, um die Gesellschaft in Richtung mehr Empathie und Gemeinschaft zu bewegen. „In Zeiten der Krise und Unsicherheit sehnen sich die Menschen nach Orientierung und Halt“, erklärt die Psychologin Schwarz. „Die Wunschzettel können dazu beitragen, diesen Bedarf sichtbar zu machen und Wege zu finden, um ihm zu begegnen.“

Ob es nun der Wunsch nach mehr Zeit mit der Familie, Hilfe für Bedürftige oder einfach nur Frieden und Zuversicht ist – die Wunschzettel zeigen, dass viele Menschen bereit sind, über den Tellerrand zu blicken und Verantwortung füreinander zu übernehmen.

„Die Wunschzettel sind ein Spiegel unserer Zeit und zugleich ein Ausdruck der Sehnsucht nach einer besseren Welt“, resümiert Grünberg. „Sie können uns alle daran erinnern, dass Weihnachten mehr ist als nur Konsum und Bescherung – es geht um Menschlichkeit, Mitgefühl und den Glauben an das Gute im Menschen.“

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