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500 Mio. Paletten halten Europas Logistik am laufen

Egal ob Holz oder Kunststoffpaletten sowie Paletten aus Restholz oder Recyclingkunststoffen, Paletten sind unverzichtbar in der weltweiten Logistik. Rund 440 verschiedene Hersteller von Paletten gibt es allein in Deutschland. Hinzu kommen noch die Händler, die Paletten aufkaufen, reparieren und wieder verleihen oder verkaufen.

Paletten sind aus der weltweiten Logistikbranche nicht wegzudenken

Die Nase weit vor hat die klassische Holzpalette, die rund 90% des gesamten europäischen Palettenmarktes ausmacht. Der Marktführer in diesem Bereich ist die „European Pallet Association e.V.“ (EPAL), deren Paletten am häufigsten zum Einsatz kommen. Im internationalen Markt produzierte EPAL im Jahr 2000 noch knapp 50 Mio. Paletten, so wurde 2016 bereits die 100 Mio. Marke geknackt. Damit erreichte EPAL innerhalb von sechs Jahren eine Verdoppelung der Produktion. Über 110 Mio. wurden 2017 produziert. Rund 20 Prozent der gesamten Holzproduktion in Europa gehen auf das Konto von Holzpaletten und -verpackungen. Europaweit beschäftigt der Sektor circa 50.000 Mitarbeiter in 3.000 Firmen. Zudem steht EPAL für drei Prozent der gesamten Holzverarbeitungsindustrie. Zudem sind Paletten aus Wellpappe, Metall- und Papierpaletten sowie Kunststoffpaletten in der Logistik bzw. auf dem Markt im Umlauf. Besonders die Kunststoffpaletten, die insbesondere in der Lebensmittel- und Pharmaindustrie genutzt werden, bauen ihren Marktanteil immer weiter aus. Nach Schätzungen der Hersteller werden von den Kunststoffpaletten jedes Jahr sechs bis sieben Millionen produziert. Zu den wichtigsten Herstellern neben EPAL sind die Holz,- Plastik- und Metallpaletten der CHEP (Common Wealth Equipment Pool), die WORLD-Palette der Falkenhahn AG sowie die INKA-Paletten des Herstellers Inselkammer, die aus gepressten Restholz hergestellt werden und im leeren Zustand ineinander gestapelt gelagert werden können.

Der deutsche Palettenmarkt schwächelt

Im Jahr 2019 wurden 62,5 Mio. Stück Holzflachpaletten nach Deutschland importiert und das sind 15,3 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Zurückzuführen ist der Rückgang nach Einschätzung des Geschäftsführers des Bundesverbandes Holzpackmittel, Paletten, Exportverpackungen (HPE) auf einen stärkeren Eigenbedarf der Erzeugerländer sowie auf einen geringeren Bedarf auf dem deutschen Palettenmarkt. Die Statistik weist deutliche Rückgänge bei den Einfuhren aus den Niederlanden (-27 Prozent), aus Lettland (-20,4 Prozent) und aus Polen (-14 Prozent) auf. Im Gegensatz dazu sind die Bezüge aus Tschechien um 12,7 Prozent gestiegen. Bereits in den vergangenen Jahren ist der deutsche Paletten-Export um rund 12 Prozent auf 32,5 Mio. Stück gesunken. Auch die Palettenproduktion mit 110,6 Mio. Stück hat den Vorjahreswert knapp verfehlt. Damit gab der apparente Palettenverbrauch in Deutschland 2019 um 2,1 Prozent auf circa 140,6 Mio. Paletten nach.

Wie wird sich der Markt für Mehrweg-Kunststoffpaletten entwickeln?

Im vergangenen Jahr ist eine Untersuchung von Ekupack dieser Frage nachgegangen. Besonders interessant ist das Resultat dass bereits im Jahr 2017 rund 16 bis 20 Millionen Kunststoff-Einweg- sowie Mehrwegpaletten von den bekannten Paletten-Herstellern produziert wurden. In einem Interview zu der Untersuchung erklärte der Studienautor Ekart Kuhn, dass es sich dabei um eine sehr hohe Anzahl handelt. Auf die Frage, welche Prognose für die nächsten Jahre vorliegt, erklärte Kuhn, dass es in den letzten Jahren eine permanent positive Entwicklung gegeben habe. So rechnet er mit einer Verdoppelung der derzeitigen Produktionsmenge in den nächsten fünf bis sieben Jahren. Das Marktpotenzial für die Kunststoffpaletten sieht er in den nächsten Jahren im zweistelligen Prozentualbereich. Allerdings ist dies abhängig von den Anforderungen die im Bereich der Hygiene oder der Standardisierung der Ladungsträger aufkommen.

Die Treiber für Kunststoffpaletten

Auf jeden Fall ist die längere Lebensdauer der Kunststoffpaletten als ein Treiber der Marktentwicklung anzusehen. Zudem ergeben sich Vorteile in Bezug auf hohe Hygienevorschriften bzw. -Anforderungen – denn diese Paletten sind reinigungsfähig. Weitere Punkte sind das oftmals geringere Gewicht im Vergleich zu den Holzpaletten, die geringere Schadensquote, die reduzierte Verletzungsgefahr beim manuellen Handling sowie die Recyclingfähigkeit. Zudem wird keinerlei zusätzliche Behandlung bei Exporten im Bereich der Einwegpaletten benötigt. Darüber hinaus ist es möglich, Kunststoffpaletten zu individualisieren, wie bspw. durch Farben oder Beschriftungen. Selbst die Oberflächen können flexibel gestaltet werden, wie bspw. mit Noppen oder Antirutschstreifen. Sie sind pflegeleicht und wasserabweisend und damit ideal für Catering Services und die Gastronomie.

Holz vs. Kunststoff

Die Vorteile von Holzpaletten liegen auf der Hand: Zum einen ist es der günstigere Beschaffungspreis der Holzpaletten und natürlich der offene Tauschpool in einer Größenordnung, die rund 500 Mio. Paletten in Europa beträgt. Darüber hinaus können Holzpaletten repariert werden. Auf die Kunststoffpaletten setzen Branchen wie bspw. die Fleisch-, Fisch- und Pharmaindustrie, aber auch Molkereien und exportierende Unternehmen. Die Holzpaletten kommen überwiegend bei den Spediteuren im Stückgutbereich zum Einsatz. Was die Nutzungsdauer der Paletten angeht, so weist eine EPAL-Holzpalette eine Lebensdauer von zwei bis maximal drei Jahren auf. Für die stabilen Mehrwegkunststoffpaletten hingegen wird eine Lebensdauer von fünf bis 10 Jahren angesetzt. Auch wenn Plastik in der Öffentlichkeit sehr umstritten ist, so werden die beschädigten Kunststoffpaletten an professionelle Recyclingbetriebe abgegeben. Diese stellen aus den Paletten ein hochwertiges Recyclat her, welches wiederum annähernd 1 : 1 in der Fertigung für Kunststoffpaletten sowie für andere Produkte eingesetzt wird. Das die Kunststoffpaletten immer mehr genutzt werden, das liegt vor allem an den hohen Anforderungen durch die internationalen Qualitätsstandards. Außerdem gibt es mittlerweile viele technische Notwendigkeiten und die Möglichkeit, die Paletten durch RFID oder Barcodes intelligent zu machen. Klar ist, dass für die nahe Zukunft intelligente Ladungsträger der Treiber sein wird.

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