Acino: Auf und Ab der Aktie

Basel – Im Juli musste das Pharmaunternehmen Acino seine Umsatzprognosen für 2013 nach unten revidieren. Im ersten Halbjahr wurde zwar ein Umsatzplus erreicht, doch das „Business-to-Business“-Geschäft erfüllte die Erwartungen nicht. Auf den Kurs der Aktien wirkte sich die Ankündigung mit einer Talfahrt aus. Doch heute zahlen die Beteiligungsgesellschaften Avista Capital Partner und Nordic Capital über die Hälfte mehr als die Acino Aktie in den letzten 60 Tagen wert war. Der Aktienkurs stieg auf über 30 Prozent. Der Grund? Ein Kaufangebot, das, so die Privatbank Vontobel, unbedingt anzunehmen sei.

Kaufangebot für Acino

Avista und Nordic Capital bieten den Aktionären 115 Franken je ausstehender Aktie. Aus dem Angebot ergibt sich ein Gesamtpreis von 398 Millionen Franken. Erfolgt ist das Angebot durch die Pharma Strategy Partners, eine hundertprozentige Tochterfirma von Avista und Nordic Capital. Der Verwaltungsrat von Acino befürwortet das Angebot. Verwaltungspräsident Luzi A. von Bidder sieht im Verkauf den einzigen richtigen Schritt. Er selbst, wie auch die anderen Mitglieder des Strategie- und Aufsichtsratsgremiums, wird nach der Übernahme zurücktreten: „Das tut natürlich etwas weh. Aber wir haben nicht für uns persönlich, sondern für 800 Mitarbeiter und die Aktionäre entschieden.“ Die Mitarbeiter werden allesamt übernommen. An den Standorten in Deutschland und in der Schweiz werde sich für das Management und die Angestellten nichts ändern. Das Unternehmen werde wie bisher weitergeführt. Die Banken Vontobel und die Zürcher Kantonalbank begrüßen den Kauf ebenfalls. Die Zürcher Kantonalbank räumt lediglich ein, dass der Preis nicht besonders hoch wäre.

Acino, ein Traditionsunternehmen

Eigentlich als erste Schweizer Saline 1836 gegründet, wurden bereits ein Jahrzehnt später Chemikalien produziert. Um 1900 kamen die Bereiche Futtermittel und Petrol dazu. Neben der Produktion wurde zwischen den Weltkriegen auch der Handel mit Futter- und Düngemittel, Getreide, Mineralölen und Pharmarohstoffen eingeführt. „Die chemische Fabrik auf der Schweizerhall“ übernahm in den 1970ern den Parfumhersteller Aerosol Service AG. Im Pharmabereich wurden seit 2001 immer wieder Beteiligungen getauscht und veräußert. 2004 wurde die Cinex Pharma AG übernommen. Der Kauf stellte den Einstieg in den europäischen Generikamarkt dar. 2006 kam auch die Novosis AG zum Unternehmen, womit die Etablierung am Markt bestätigt werden konnte. 2006 wurde die Schweizerhall Chemie AG an die Brenntag AG verkauft. 2008 erfolgte die Umbenennung der Schweizerhall Holding AG und ihrer Töchter in Acino. Der letzte große Schritt erfolgte 2012 mit der Übernahme des Pharmaunternehmens Mepha einschließlich der Produktionsanlagen und Forschungsstätten. Jetzt geht ein neuer Deal über die Bühne. Nicht dass Acino nicht hätte ohne Verkauf überleben können, sagt von Bidder, doch wäre das Unternehmen nur sehr viel langsamer vorwärts gekommen.

Foto: © Acino Pharma

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