Aerztepfusch

Ärztepfusch – fast 15.000 Beschwerden jährlich

ÄrztepfuschNicht jeder Patient, der sich in einer Klinik behandeln lässt, verlässt das Haus gesünder als er es betreten hat. Fehldiagnosen, verpfuschte Operationen, lebensbedrohliche Infektionen mit Krankenhauskeimen oder die Verwendung von fehlerhaften Implantaten – die Liste der Beschwerden, die bei der Schlichtungsstelle für Arzthaftpflichtfragen von betroffenen Patienten vorgetragen werden, ist lang. Wer jedoch Schmerzensgeld oder Schadenersatz von seinem Arzt bekommen will, hat es nicht leicht zu seinem Recht zu kommen.

Eingereichte Beschwerden sind nur die Spitze des Eisbergs

Etwa 4.000 Fälle werden von der Schlichtungsstelle für Arzthaftpflichtfragen in Hannover jährlich begutachtet. Der Bericht des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) klingt wesentlich dramatischer. Beim MKD gingen 2014 fast 15.000 Beschwerden wegen vermeintlicher Behandlungsfehler ein. In 155 Fällen starb ein Mensch möglicherweise, weil sein Arzt einen Fehler machte. Fast 1.300 Patienten wurden dauerhaft geschädigt.

Der Anteil der Beschwerden, die vom MDK als berechtigt eingestuft werden, ist genauso hoch wie bei der Schlichtungsstelle für Arzthaftpflichtfragen in Hannover. In jedem vierten Fall vermuten die Patienten nach Meinung der Gutachter zurecht, dass sie Opfer eines Behandlungsfehlers wurden. Experten gehen davon aus, dass die Dunkelziffer noch wesentlich höher ausfällt. Optimistische Schätzungen gehen von 40.000 Betroffenen aus, andere Expertisen kommen zu dem bedrückenden Ergebnis, dass jährlich mehr als 150.000 Männer und Frauen wegen Ärztepfusch viel Leid und Schmerzen ertragen müssen.

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang der deutliche Unterschied zwischen der Behandlung im Krankenhaus und der Behandlung durch den niedergelassenen Arzt. Nur jede dritte Beschwerde, die beim MKD eingeht, richtet sich gegen einen niedergelassenen Arzt. Ein typisches Beispiel ist die Krebserkrankung, die nach Ansicht des Patienten vom Hausarzt nicht oder zu spät erkannt wurde. Dass der Anteil der Beschwerden gegen Kliniken im Vergleich zu niedergelassenen Ärzten doppelt so hoch ausfällt, hängt nach Ansicht vieler Experten mit dem wachsenden ökonomischen Druck auf die Krankenhäuser in direktem Zusammenhang. Bei der Schlichtungsstelle für Ärztehaftfragen beträgt der Anteil der Beschwerden, die sich gegen Kliniken richten, sogar 75 %.

Welche Möglichkeiten gibt es für Betroffene?

So enttäuschend es auch sein mag, wenn eine Operation nicht das Ergebnis gebracht hat, die sich der Patient wünscht – zunächst sollte sich jeder, der mit dem Ergebnis einer ärztlichen Behandlung unzufrieden ist, möglichst kritisch selbst hinterfragen, ob seine Erwartungen möglicherweise überzogen waren. Auch Götter in Weiß können keine Wunder verbringen. Und nicht immer geht es in solchen Fällen um Tupfer, die im Bauchraum vergessen wurden oder um eine Infektion im Krankenzimmer, die sich der Patient wegen offensichtlicher Hygienemängel zugezogen hat.

Zweifelt ein Patient an der Kunst seines Arztes, ist es sinnvoll, sich zunächst vertrauensvoll an die Krankenkasse zu wenden. Kommen die erfahrenen Mitarbeiter nach eingehender Prüfung zu dem Schluss, dass die Zweifel des Patienten berechtigt sein könnten, werden sie die Unterlagen an den Medizinischen Dienstes der Krankenkassen weiterleiten. Die Experten des MKD erstellen dann ein Gutachten. Dieses Prozedere ist für den Patienten kostenlos.

Alternativ können sich Betroffene selbst an die Schlichtungsstelle für Arzthaftpflichtfragen in Hannover wenden. Sie ist für zehn Bundesländer zuständig. Die Gutachter sind zum großen Teil Mediziner im Ruhestand. Sie sind ehrenamtlich tätig und prüfen bei ihren Zusammenkünften die Patienten-Akten gewissenhaft. Mit ihrer Berufserfahrung sind sie in der Lage, auch Röntgenbilder oder Aufnahmen aus dem MRT fachmännisch zu beurteilen. Diese Gutachten brauchen die Patienten ebenfalls nicht zu bezahlen.

Jeder zehnte Fall landet vor Gericht

Die überwiegende Mehrheit der Patienten, die ihren Fall der Schlichtungsstelle für Arzthaftpflichtfragen in Hannover vorlegt, akzeptiert den Schlichterspruch. Vermutlich scheuen viele Betroffene den steinigen Weg, der sie in der Regel erwartet, wenn sie ihre Ansprüche gegen den behandelnden Arzt gerichtlich durchsetzen wollten. Statistisch gesehen werden etwa 10 % der Fälle von einem Richter beurteilt.

Patienten, die Klage einreichen wollen, haben ohne einen Anwalt, der sich auf das Gebiet Medizinrecht spezialisiert hat (siehe beispielsweise hier: http://www.weil-rechtsanwalt.de/medizinrecht/), kaum Chancen zu ihrem Recht zu kommen. Nur diese Spezialisten sind in der Lage, eine wirksame Strategie zur Durchsetzung von Schadenersatz- oder Schmerzensgeldforderungen zu entwickeln. Sie kennen sich genau mit dem komplizierten Krankenversicherungsrecht und dem ärztlichen Berufsrecht aus.

Da die Folgen von Behandlungsfehlern häufig schwerwiegende und lang andauernde Auswirkungen auf das Privat- und Berufsleben der Betroffenen haben, ist es vorteilhaft, wenn sich Patienten für einen Anwalt entscheiden, der sie darüber hinaus in allen Fragen, die mit Pflegeversicherung, Erwerbsunfähigkeit und Schwerbehinderung zusammenhängen, kompetent vertreten kann.

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