Arbeitsschutz: Zählt Deutschland zu den Schlusslichtern in Europa?

Seit Jahren rücken Arbeitsschutz, betriebliche Gesundheitsförderung und betriebliches Gesundheitsmanagement immer stärker ins Bewusstsein von mittelständischen Unternehmen. Das einstige Gefühl, das der Staat die Unternehmen bevormundet und gängelt, ist der Einsicht gewichen, dass ein systematischer Arbeitsschutz betriebswirtschaftlich sinnvoll ist. Es kommt durch die Vermeidung von krankheits- oder unfallbedingten Fehlzeiten zu weniger Störungen im innerbetrieblichen Ablauf und die Folge ist eine Steigerung der Produktivität. Zudem wirken die ergriffenen Maßnahmen zur Arbeitssicherheit und Gesundheitsförderung heute mitarbeiterbindend und sind für die Auswahl der Arbeitgeber bei Arbeitssuchenden längst ein wichtiges Kriterium geworden. Nicht zu vergessen ist, dass in den letzten Jahren die Richtlinien, Verordnungen und Gesetze die Unternehmen zu Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz verpflichten, im Rahmen der europäischen Harmonisierung zusätzlich verschärft wurden. Kommt es zu einer Nichtbeachtung müssen die Unternehmen verstärkt mit Bußgeldern rechnen. Dieses Whitepaper zum Thema Arbeitsschutz kann dieses doch sehr komplexe Thema verständlich näherbringen.

Pro Arbeitstag zwei Tote durch Berufsunfälle

Es gibt nicht nur die Arbeitnehmer, die tagtäglich Platz auf einem der Arbeitsstühle in den Büros nehmen, sondern Menschen, die auf Baustellen in luftigen Höhen arbeiten, Elektriker, Gerüstbauer und viele mehr. In einem Bericht von Plusminus werden Missstände im Arbeitsschutz offenbart, die als gravierend bezeichnet werden, wenn es um die Absicherung von Baustellen oder Betrieben geht. Die Folge sind Tote und Verletzte.

Das traurige Fazit des Beitrages ist, dass der vorgeschriebene Standard beim Arbeitsschutz in Deutschland nicht mehr flächendeckend erreicht wird. Der Alltag auf den deutschen Baustellen ist laut dem Bericht in Bezug auf die Arbeitssicherheit „erschreckend“ und die KOntrollen sind, wenn sie dann stattfinden, einfach viel zu lasch, da die Behoerden massiv Personal abgebaut haben. Im Zeitraum von 1996 bis 2017 viel die Zahl der Betriebskontrollen von 600.000 auf 200.000!

Doch was tut der Staat dagegen, außer gelegentlich Kontrollen vorzunehmen? Die Experten, die von Plusminus interviewt wurden, sagen „fast nichts“. Der Chef des Bundes technischer Beamter erklärt die harte Realität sogar in Zahlen. Laut ihm gibt es so wenige Arbeitsinspekteure, dass ein Betrieb in Deutschland im Schnitt mit einer Kontrolle binnen 30 Jahren zu rechnen hat. Durch den recht niedrigen Kontrolldruck schleicht sich der Schlendrian ein. Ein weiterer Experte geht sogar noch einen Schritt weiter und spricht von einem „Staatsversagen“ in diesem Bereich. Sogar der Sachverständigenrat des Europarates hat festgestellt, dass in Deutschland nicht mehr die vorgeschriebenen Standards erreicht werden.

Empörung bei der DGUV

Keineswegs ist Deutschland nach Ansicht der DGUV (Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung) eines der Schlusslichter in Sachen Arbeitsschutz in Europa. Die korrekte aussage des Arbeits- und Sozialrechtlers Prof. Wolfhard Kohte von der Universität Halle-Wittenberg lautet in einem Bericht: Der Arbeitsschutz in Deutschland sei „bereits seit Jahren auf das Niveau von Ländern wie Bulgarien und Ungarn gesunken“.

Vom DGUV-Hauptgeschäftsführer Dr. Walter Eichendorf wird die Schlusslicht-Metapher sogar als „unseriös“ beschrieben. Laut einer weltweiten Recherche des Arbeitsministeriums von Singapur, so Eichendorf sei Deutschland eines von weltweit nur vier Ländern, in denen sich über mehrere Berichtsjahre hinweg weniger als ein tödlicher Arbeitsunfall pro 100.000 Beschäftigte pro Jahr ereignet habe.

Er verweist zudem auf die Anstrengungen, die von den Berufsgenossenschaften und Unfallkassen unternommen werden, um die Anzahl der tödlichen Unfälle zu verringern. „Über 2500 Präventionsfachleute“ gehen laut Eichendorf täglich in die Betriebe (Vision Zero) und in jedem Jahr werden fast 400.000 Berufstätige in Sicherheitsfragen geschult. Die DGVU propagiert bereits seit geraumer Zeit das Ziel, die schweren und tödlichen Arbeitsunfälle zu vermeiden. Bundesweit wurden 2017 451 tödliche Unfälle gezählt und das sind 27 mehr als 2016. Für das erste Halbjahr 2018 berichtet die Unfallversicherung einen Rückgang von 17 Fälle auf insgesamt 206 gegenüber dem Vergleichszeitraum 2017.

Sicherheit & Gesundheit: Sie müssen bei der Arbeit Vorrang haben

In dem Bericht von Plusminus wurde auch auf den Rückgang der staatlichen Kontrollen eingegangen. Im Bericht heißt es, dass die jährlichen Betriebskontrollen von 630.000 in 1996 auf 189.000 in 2017 gesunken sind. Somit müssten die Betriebe statistisch gesehen nur alle 30 Jahre mit einer Kontrolle rechnen. Dieser Aussage will der DGUV-Geschäftsführer Eichendorf nicht widersprechen und mahnt, dass ausreichende Ressourcen für die Überwachung und Beratung notwendig sind, sowie der politische Wille „Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit den Vorrang zu gewähren“.

Zusammenfassung: Es liegt noch einiges im Argen

Es gibt noch immer Betriebe, wo in Bezug auf die Sicherheit einiges im Argen liegt und das führt immer wieder zu schweren Unfällen. In diesen Fällen ist Überwachung das richtige Mittel, aber klar ist auch, dass Kontrolle nicht alles ist. Damit weitere Fortschritte erzielt werden, ist es wichtig, nicht nur ausreichende Ressourcen für die Überwachung und Beratung bereitzustellen, sondern auch der politische und gesellschaftliche Wille, Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit Vorrang einzuräumen sind wichtig.

Ein Kommentar

  1. Hallo, das ist sehr schlimm. Jede Baustelle ist sehr gefährlich. Ich habe mal mit einem Sicherheitsbeauftragten zusammen gearbeitet. Er hatte alle Verträge durchgelesen und entschieden, ob der Arbeitgeber auch für genügend Schutz gesorgt hat. Vielen Dank für den super Blog!

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