Freiburg – Es gibt sie, die Skier, in denen statt eines Kunststoff- oder Holzkerns Pflanzenfasern zu finden sind. Sie zeichnen sich durch ihr geringes Gewicht bei gleichbleibender Robustheit und Beweglichkeit aus. Bis zu 30 Prozent zeigen sie sich leichter als herkömmliche Skier. Die verwendeten Flachsfasern dämpfen jedoch auch Schläge besser ab, sodass sich das Material auch für die Herstellung von Ski- und Walkingstöcken eignet. Einige Ski- und Snowboard-Hersteller sind bereits auf den Flachszug aufgesprungen, darunter die Marke Stöckli. Die Idee für den Faserski kam von den Jungunternehmern Julien Rion, Cyrille Boinay und Christian Fischer, die gemeinsam im Jahr 2011 das Unternehmen Bcomp gründeten.
Bcomp in Freiburg
Bcomp, untergebracht im Innovationsquartier Freiburg, auf dem Gelände des ehemaligen Feldschlösschen, gelang es, die Eigenschaften von Flachsfasern zu verbessern, sodass ein Einsatz des neuen Materials in mannigfaltiger Weise möglich wird. Doch es ist nicht nur das geringe Gewicht, das der Pflanzenfaser gegenüber einem anderen Material den Vorzug gibt, sondern auch die Biegsamkeit und die verbesserte Dämpfung. Ebenfalls kann Flachs als nachwachsender Rohstoff bei der Nachhaltigkeit punkten. Flachs wird dafür gesponnen, verwoben und mit Harz ummantelt. Bcomp konnte bereits viele Hersteller aus der Sport-, Musik- und Transportindustrie vom neuen Hightech-Werkstoff auf Flachsbasis überzeugen. Doch nicht nur für die Skiherstellung eignet sich der neue Werkstoff. Auf der World Futur Energy Summit in Abu Dhabi wurde eine Weltsensation von Bcomp, gänzlich Made in Swiss, präsentiert, das erste Elektroauto, dessen Karosserie zur Gänze aus Flachs besteht.
Bcomp auf Linie Cleantech
Emissionsreduzierung und Ressourcenschonung sind das Ziel von Cleantech-Produkten. Bei Cleantech werden saubere Technologien eingesetzt, die ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit mit einem gesteigerten gesellschaftlichen Bewusstsein in Einklang bringen. Bcomp scheint ganz vorne mit dabei zu sein. Ein erst 2 Jahre altes Unternehmen könnte zeigen, wo es in Zukunft lang geht. Schon lange vor der Präsentation der Autokarosserie erklärte Dr. Julien Rion, technischer Direktor von Bcomp: „Für uns ist die Sportindustrie aber nur ein Anfang, wir wollen uns ausweiten auf die Transport- und Autoindustrie.“ Das Ziel scheint Bcomp, das Jungunternehmen mit inzwischen 8 Mitarbeitern, beinahe erreicht zu haben. Ausgang für die Autokarosserie ist die sogenannte Power-Rips-Technolgie, durch die eine Fertigung von steifen, aber sehr leichten Platten aus Flachs möglich wird. Die Oberfläche wird dabei durch Rippen verstärkt. Im Vorjahr wurde dem Unternehmen der Swiss Excellence Product Award, eine Auszeichnung für hervorragende Innovationsprojekte verliehen.

