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Blau machen und Lohnfortzahlung kassieren – besser nicht

„Die Party gestern Abend lief etwas aus dem Ruder, besser ich hole mir eine Krankschreibung und ruhe mich zu Hause aus.“ „Die Sonne scheint so schön, warum nicht lieber eine Motorradtour machen und irgendwo am See chillen, als im Büro zu sitzen.“

Das sind Gedanken von vielen Arbeitnehmern in Deutschland. Doch was auf den ersten Blick, als ein alltägliches Phänomen wirkt, ist strafbar. Bezeichnet wird dies als Lohnfortzahlungsbetrug und ist ebenso strafbar wie der Arbeitszeitbetrug.

Die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall


Allein im Jahr 2019 belief sich der durchschnittliche Krankenstand in der gesetzlichen Krankenversicherung auf circa 4,34 %. Damit hat der Wert im Vergleich zum jüngsten Tiefstand im Jahr 2007 (3,22 %) in den letzten zehn Jahren um „nur“ rund 1 % zugelegt. Aber dennoch hat es den Anschein dass die Zahl derer, die sich durch eine Krankschreibung einige extra Urlaubstage verschaffen wollen zu steigen.

Arbeitnehmer die ihre Arbeitsunfähigkeit nur vortäuschen, sich also krank melden, obwohl sie einen Bummel durch das Stadtzentrum machen oder ihre Zeit beispielsweise im Freibad verbringen, begehen eine Straftat. Von den meisten wird dafür ein ärztliches Attest vorgelegt, was es für den Arbeitgeber naturgemäß schwer macht, einen Beweis zu erbringen, dass dieser diesen Betrug begeht. Denn um einen Lohnfortzahlungsbetrug aufzudecken, benötigt dieser Beweise, um letztendlich dagegen vorgehen zu können. Das bedeutet, der Arbeitgeber muss nachweisen, dass der Arbeitnehmer diesen Betrug begeht.

Der Arbeitgeber hat also das Recht, entsprechende Konsequenzen zu ziehen, sofern er zu 100% belegen kann, dass der Arbeitnehmer nicht krank war. Das „blau machen“ kann dementsprechend eine fristlose Kündigung zur Folge haben oder sogar Post vom Staatsanwalt bedeuten.

Wie kann ein Lohnfortzahlungsbetrug aufgedeckt werden


Eine Option ist es, dass der Arbeitgeber einen medizinischen Dienst der Krankenkassen kurz MDK einschaltet. Von diesem wird unabhängig die Arbeitsunfähigkeit des Mitarbeiters auf Herz und Nieren geprüft. Dafür werden in der Praxis psychische aber auch physiologische Untersuchung durchgeführt. Somit ist es möglich einen Lohnfortzahlungsbetrug über offizielle Kanäle aufzudecken. Das Problem dabei ist, das die Erfolgschance nicht sehr hoch ist.

Bessere Erfolgschancen zeigt die Einschaltung eines Privatdetektivs. Die Privatdetektive nehmen eine Überwachung des betroffenen Arbeitnehmers vor und fertigen im Anschluss eine Dokumentation mit Hilfe der lückenlosen Observation an. Es ist nicht notwendig, die Zustimmung des Betriebsrates vor einer kurzfristigen Observation eines krankgeschriebenen Mitarbeiters einzuholen. Vielmehr reicht der handfeste Verdacht aus, um eine temporäre Observation vornehmen zu lassen.

Liegt ein begründeter Verdacht vor, kann der Unternehmer beispielsweise die Detektei A Plus bei Lohnfortzahlungsbetrug einschalten. Die erfahrenen Detektive gehen allen Belangen gründlich nach und verfügen über das notwendige Fingerspitzengefühl. Ist es möglich, einen Lohnfortzahlungsbetrug nachzuweisen, kann der Arbeitgeber die entstandenen Kosten für den Privatdetektiv vom Arbeitnehmer zurückfordern. Denn oftmals ist es notwendig, dass ein Mitarbeiter über einen längeren Zeitraum hinweg beobachtet werden muss.

Die möglichen Konsequenzen eines Lohnfortzahlungsbetrugs


Wie der Arbeitgeber auf den Lohnfortzahlungbetrug reagiert, ist letztendlich seine Entscheidung. Sollte beispielsweise der betreffende Arbeitnehmer in der Regel tadellos arbeiten, kann der Vorgesetzte zunächst eine Abmahnung aussprechen, die entweder schriftlich oder mündlich erfolgt. Allerdings darf der Arbeitgeber je nach Ausmaß des Betruges und nach Personalakte eine fristlose Kündigung aussprechen. Jedoch benötigt er dafür die bereits erwähnten Beweise. Sollte der überführte Mitarbeiter sogar den Arzt getäuscht haben und ist nicht krank, kann seine Vorgehensweise sogar strafrechtliche Folgen (Gebrauch unrichtiger Gesundheitszeugnisse) mit sich bringen.

Sollte es sich sogar um eine Lohnfortzahlung in Kombination mit einem unrichtigen Gesundheitszeugnis handeln, liegt ein doppelter Betrug vor. Wissenswert ist, dass es sich dabei um zwei Straftatbestände handelt, die separat bestraft werden: Einerseits vom Arbeitgeber und andererseits vom Strafrecht. Letzteres bedeutet dass, dass der Betrüger Post vom Staatsanwalt erhält und diese bringt strafrechtliche Folgen mit sich. Dabei kann es sich um eine hohe Geldstrafe handeln oder sogar um eine Haftstrafe von bis zu einem Jahr. Der Grund ist, dass die Vorlage eines gefälschten oder eines zwar echten, aber inhaltlich falschen Attestes eine ernstzunehmende Straftat darstellt. Im übrigen gilt dies auch für den behandelnden Arzt, der im schlimmsten Fall seine Arbeit und sogar seine Zulassung verlieren kann, sofern ihm die Staatsanwaltschaft die Ausstellung unrichtiger Gesundheitszeugnisse nachweisen kann.

Ehrlich währt am längsten


Jeder Arbeitnehmer sollte sich darüber bewusst sein, dass der Verdacht auf einen Lohnfortzahlungsbetrug im Krankheitsfall schnell aufkommen kann. Ein Attest des Arztes schützt sowohl den Arbeitnehmer als auch den Arbeitgeber. Wichtig ist dass der Arbeitnehmer seine Krankheit so früh wie möglich meldet und das Attest möglichst am ersten Krankheitstag beim Arbeitgeber vorliegt. Damit sind die Chancen weitaus höher sich vor dem Vorwurf Braut zu machen zu schützen. Anstatt sich der Versuchung hinzugeben, das Wochenende ein wenig zu verlängern oder die Krankheit für eine Urlaubsverlängerung vor zu schieben, ist es ratsamer ehrlich mit dem Chef zu sprechen. Denn in der Regel findet sich immer eine Lösung mit der beide Parteien zufrieden gestellt werden können. Denn ehrliche Mitarbeiter währen länger.

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