Bremerhaven – drei Bienenstöcke zur Honigproduktion

Mitten in den Havenwelten, verborgen vor den Blicken der Deichbesucher, entsteht derzeit der wohl begehrteste Honig der Stadt – der Seestadt-Honig vom Atlantic-Hotel Sail City. Auf einem grasbewachsenen Biotop, das sich direkt auf dem Dach des Conference-Centers befindet, stehen derzeit drei Bienenstöcke des Seestadt-Imkers Andreas Bredehorn. Der Hafenarbeiter hat sich in seiner Freizeit komplett den Bienen der Stadt verschrieben und leistet dabei Menschen wie Bienen einen enorm wichtigen Dienst. Überall in der Stadt verteilt hat der Honig-Mann seine Bienenvölker aufgestellt und gibt an Schulen Nachhilfe in Sachen „Bienenkunde“. Sein Plädoyer für die emsigen Hautflügler fällt eindeutig aus: Bienen sind nicht nur nützlich – sie schaffen das Fundament der gesamten Nahrungsmittelproduktion der Welt. Der exklusive Honig vom Sail City Hotel hilft Bredehorn dabei den Bienen, zu helfen. Einfach nur, weil er so beliebt ist, dass jeder drüber redet und die geflügelten kleinen Honigproduzenten dabei ins richtige Licht rückt. Angefangen hat alles mit einem Streit unter Brüdern, wie Andreas Bredehorn lachend berichtet. Er und sein Bruder hätten sich nämlich im Garten der Eltern ständig darüber „in die Klamotten gekriegt“, wer sich das dort eher spärlich wachsende Obst einverleiben durfte. „An dem Kirschbaum dort hingen ungefähr drei Kirschen“, so Bredehorn mit einem schiefen Grinsen. „Mich hat das echt genervt und deshalb habe ich damit angefangen im Internet zu recherchieren, warum Obstbäume manchmal so wenig Obst tragen“, erklärt er weiter. Der Grund war simpel und erschreckend zugleich: Die blühenden Bäume wurden nicht ausreichend bestäubt, weil es dort einfach zu wenig Bienen gab.
Beflügelt durch dieses frisch erworbene Wissen entschließt Bredehorn sich etwas dagegen – oder besser gesagt – für die hiesige Bienenpopulation zu tun. Der junge Mann tritt in den örtlichen Imkerverein ein und besucht auch gleich einen Imkerkurs. Kurze Zeit später gesellen sich drei Bienenvölker in das Familienidyll des heimischen Gartens. Allerdings nicht um den Obststreit zwischen den Brüdern anzustacheln, sondern viel mehr um ihn obsolet werden zu lassen. Mit Erfolg – die Kirschernte im folgenden Jahr explodiert förmlich und damit kehrt wieder Harmonie auf das heimatliche Grün zurück. Alle sind zufrieden – vor allem die Bienen. Durch seinen Vater, der damals am Lloyd-Gymnasium arbeitet, erhält Bredehorn die Möglichkeit Bienenstöcke auf dem Dach der Schule aufzustellen und bringt damit eine Welle ins Rollen. Als kurze Zeit später das Bremerhavener Stadtmagazin LAUFPASS ausführlich über einen jungen Imker berichtet, der Bienen auf dem Dach einer städtischen Schule hält, explodieren bei Bredehorn die Anfragen. Die Leute interessieren sich – und plötzlich möchte jeder Bienen haben.
Der 28-jährige Hafenarbeiter weitet seine „Imkerei“ aus. An sechs städtischen Schulen stellt er Völker auf. Ebenso in Kleingartenanlagen und Parks in Bremerhaven . Dem quirligen Bienenfreund ist die regionale Nähe wichtig, dadurch entwickeln sich Kooperationen. Als „Honigfan“ Tim Oberdieck, der Hoteldirektor des Atlantic Hotel Sail City ist, vom Seestadt-Honig Wind bekommt, meldet er sich umgehend bei Bredehorn und bietet ihm seine Unterstützung an. Kurze Zeit später stehen die ersten Bienenvölker auf dem Dach des Conference Centers und der Hoteldirektor lässt dort alles begrünen. Die komplette Jahresproduktion von 150 Kilogramm wandert direkt in den hausinternen Hotelshop und wird hier exklusiv angeboten. Die Produktionsmenge ist innerhalb kürzester Zeit vergriffen, die Nachfrage ist deutlich höher als das Angebot. Ein Gewinn für Bienen, Imker und natürlich für das Hotel und seine Gäste.
Der „Sailcity-Honig“ hat durch einen sehr hohen Klee- und Lindenblütenanteil ein ganz spezielles Aroma, das einen starken Malzgeschmack beinhaltet. „Wir haben den Honig natürlich analysieren lassen“, erklärt der Imker. „Es ist ein qualitativ sehr hochwertiger Honig – ein sogenannter „Honig-Tauhonig“, der recht selten ist. In den drei Bienenstöcken auf dem Hoteldach leben ungefähr 180.000 Bienen. Demnächst kommt noch ein vierter Stock dazu, dann sind es 240.000 fliegende „Honigmacherinnen“, denn Honigproduktion ist bei den Bienen „Frauensache“. Danach ist aber auch Schluss. Es geht Bredehorn primär um die Bienen und nicht um eine Massenproduktion. Alles soll ausgewogen und innerhalb seiner Freizeit händelbar sein. Jedes seiner Bienenvölker muss alle 8 Tage kontrolliert werden, damit es sich nicht aufteilen kann und mit einem Teil des Honigs „flüchten“ geht.
Aktuell macht sich der Seestadt-Imker um seine kleinen Hautflügler allerdings etwas Sorgen. Der vergangene Winter war viel zu mild, dadurch sind die Bienen noch im Dezember ausgeschwärmt. Das Problem ist dabei nur, dass Bienen Warmblüter sind. Sobald ihre Körpertemperatur auch nur ein oder zwei Grad unter einen bestimmten Wert fällt, erstarren sie schlagartig. Wenn im Winter also plötzlich die Sonne verschwindet, fallen die Bienen buchstäblich von einer zur nächsten Sekunde einfach so vom Himmel. Ein weiteres sehr ernstes Problem ist die Varroa Milbe. Das ist ein aus Asien eingeschleppter Schädling, der unter den Bienen oftmals tödlich verlaufende Krankheiten verbreitet. Der milde Winter hat zu einem starken Anstieg der Milbenpopulation geführt. Einige Imker haben bis zu 100 Prozent ihrer Völker verloren, andere zwischen 50 und 80 Prozent – das ist verheerend. Es gilt also weiter den Bienen zu helfen, wo man nur kann.
Stadthonig ist laut Bredehorn übrigens besonders gesund, weil er aus allem gesammelt wird, was in der Stadt so blüht und dort keine Pestizide ausgebracht werden dürfen. Darüber hinaus handelt es sich dabei um ein reinweg regionales Produkt. Ein Aspekt, dem der Imker ebenso verbunden ist wie den Bienen. So lässt er beispielsweise alle seine Bienenkästen in Handarbeit, bei der Bremerhavener Lebenshilfe fertigen. Für den Seestadt-Imker ist sein Honig somit ein Produkt, das durch und durch glücklich macht, auch wenn sich das Ganze kommerziell nicht auszahlt. „Wichtig ist, den Bienen geht’s gut und es gibt ausreichend Obst für alle“, sagt Andreas Bredehorn mit einem Lächeln.

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