Bundeswehr-Soldaten putzen Stolpersteine in Hamburg

Bundeswehr-Soldaten putzen Stolpersteine in Hamburg


Am Montag setzten Soldaten der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg ein wichtiges Zeichen gegen das Vergessen. Im Grindelviertel, einem Stadtteil mit einer reichen jüdischen Tradition, putzten sie sorgfältig die sogenannten Stolpersteine. Diese kleinen Messingtafeln im Bürgersteig erinnern an die Menschen, die einst hier gelebt haben und dann von den Nationalsozialisten ermordet wurden.

Das Grindelviertel war einst das Zentrum des jüdischen Lebens in der Hansestadt. Vor dem holocaust wohnten hier viele jüdische Familien, die das kulturelle und wirtschaftliche Leben der Stadt prägten. Doch mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 änderte sich das schlagartig. Juden wurden systematisch entrechtet, diskriminiert und schließlich deportiert und ermordet. Viele der Stolpersteine erinnern an diese Opfer des Nationalsozialismus.

Durch das Putzen der Steine zeigten die Bundeswehrsoldaten ihren Respekt und ihre Achtung vor den Opfern. „Es ist wichtig, dass wir uns immer wieder daran erinnern, was damals geschehen ist“, sagte Oberstleutnant Max Müller, der die Aktion organisiert hatte. „Nur so können wir sicherstellen, dass sich so etwas nie wiederholt.“

Lernen über das jüdische Leben in Hamburg

Neben dem praktischen Akt des Putzens hatten die Soldaten aber auch die Gelegenheit, mehr über das jüdische Leben in Hamburg zu erfahren. In Gesprächen mit Zeitzeugen und Historikern lernten sie über die vibrierende jüdische Kultur, die einst das Grindelviertel prägte. Sie erfuhren von den bedeutenden jüdischen Persönlichkeiten, den Institutionen und Geschäften, die das Viertel einst ausgemacht hatten.

„Es war für uns alle ein sehr bewegender und lehrreicher Tag“, berichtete Hauptfeldwebel Lisa Schneider. „Wir konnten einen kleinen Einblick in eine Welt gewinnen, die so grausam zerstört wurde. Das macht einen sehr nachdenklich und sensibilisiert einem für die Bedeutung von Toleranz und Menschenrechten.“

Stärkung des Geschichtsbewusstseins in der Bundeswehr

Die Putzaktion im Grindelviertel ist Teil einer breiteren Initiative der Bundeswehr, das Geschichtsbewusstsein und den Respekt für die Opfer des Nationalsozialismus in den eigenen Reihen zu stärken. Immer wieder organisieren die verschiedenen Standorte ähnliche Gedenkaktionen, um die Soldaten für dieses dunkle Kapitel der deutschen Geschichte zu sensibilisieren.

„Als Armee in der Demokratie tragen wir eine besondere Verantwortung, uns mit unserer Geschichte auseinanderzusetzen“, betonte Generalleutnant Erich Schmidt, der Kommandeur der Führungsakademie. „Nur wer die Vergangenheit kennt, kann auch in Zukunft verantwortungsvoll handeln und dafür sorgen, dass sich solche Gräueltaten nicht wiederholen.“

Die Aktion im Grindelviertel sei daher auch als wichtiges Signal an die Öffentlichkeit zu verstehen. „Wir wollen zeigen, dass die Bundeswehr eine Armee ist, die sich ihrer historischen Verantwortung bewusst ist“, so Schmidt weiter. „Nur so können wir das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in unsere Streitkräfte stärken.“

Gedenken als permanente Aufgabe

Die Putzaktion der Bundeswehrsoldaten war somit weit mehr als nur ein symbolischer Akt. Sie verdeutlichte eindrücklich, dass das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus eine permanente Aufgabe ist, der sich auch die Streitkräfte immer wieder stellen müssen. 

„Wir dürfen nie vergessen, was damals geschehen ist“, mahnte Oberstleutnant Müller. „Indem wir die Stolpersteine putzen und uns mit der Geschichte auseinandersetzen, tragen wir dazu bei, dass das Andenken an die Opfer lebendig bleibt. Das ist unsere Verpflichtung als Soldaten in einer Armee der Demokratie.“

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