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Chemische Industrie: Wie gestaltet sich die Branche in der Zukunft?

Der Film-Klassiker aus den USA „Die Reifeprüfung“ aus dem Jahr 1967 wird sicherlich so manchem bekannt sein. Dustin Hoffmann schlüpft darin in die Rolle des ziellosen College-Absolventen Benjamin Braddock. Dieser geht eine Liaison mit „Miss Robinson“ ein, einer älteren und verheirateten Frau, aber verliebt sich dann in deren Tochter. Auf der Party, die seine Eltern zu Ehren seines College-Abschlusses geben, wird er von McGuire, einem Freund der Eltern gefragt, was er nun beruflich plant – doch gibt die Antwort gleich darauf selbst. Für ihn hatte Kunststoff eine große Zukunft!

In den 1960igern war Kunststoff die Zukunft

Durch diese Szene sollte die Klaustrophie des damaligen konservativen Lebens vermittelt werden. Doch McGuire’s Aussage war richtig, denn Kunststoff war zu dem Zeitpunkt das Material, dem die Zukunft gehörte. In den 1960er Jahren gab es eine Menge Innovationen: Es wurden Materialien wie Gore-Tex® und Kevlar® erfunden und Neil Armstrong’s Stiefelsohlen bestanden aus dem neuartigen Silikon-Gummi. Die Strumpfhosen der Damen bestanden nicht mehr nur aus Seide, sondern auch aus Nylon. Dieses wurde vom US-Chemie-Giganten DuPont entwickelt und gefertigt. Seide und Baumwolle wurden damals durch künstlich hergestellte Materialien, die auf Erdöl basieren ersetzt, und kamen auch zunehmend in der industriellen und medizinischen Produktion zum Einsatz.

Doch das gehört der Vergangenheit an und inzwischen hat sich in der Chemie-Industrie einiges getan und es strömten eine Vielzahl von Herstellern und Anbieter wie rct-online.de auf den Markt. In den letzten 10 Jahren ist die globale Chemieindustrie weiter erheblich gewachsen. Doch wer mehr über die zukünftige Entwicklung der Wirtschaft wissen möchte, der wird mit dem Blick in die Glaskugel nicht weiterkommen. Sondern hier sind ausschließlich fundierte Prognosen, die auf der Basis von Forschungen und Studien basieren hilfreich.

Die chemische Industrie ist im Wandel: Der Glanz verblasst

Wer genau hinsieht, der wird erkennen, dass einstige Glanz der Industrie verblasst ist. Die großen Innovationen der Chemie-Industrie sind rar geworden und innerhalb der Unternehmen hat sich das organische Wachstum stark reduziert. Dafür haben sich die Konzernkassen ordentlich gefüllt und quellen über – doch die Vorstandschefs haben offenbar keine Vorstellung darüber, worin sie investieren sollen.

Würde es anders sein, dann würde nicht seit rund zwei Jahren die Fusionitis in der Branche grassieren, von der zuletzt auch der US-Konzern Huntsman und sein Schweizer Konkurrent Clariant angesteckt wurden. In Sulzbach befindet sich dessen Europazentrale, während sich in Frankfurt-Höchst dessen weltweit größter Produktions- und Forschungsstandort befindet. Der Marktwert des daraus entstehenden Konzerns: circa 20 Milliarden Euro! Doch dieser Zusammenschluss ist bei weitem nicht die größte Transaktion weltweit, sondern zuvor gaben die beiden US-Riesen Dow Chemical und DuPont ihre Fusion bekannt. Die Transaktionssumme bei dieser Fusion betrug 66 Milliarden Dollar – doch das war bei weitem noch nicht alles. Denn die Bayer AG übernahm den US-Konzern Monsanto: Übernahmesumme: 66 Milliarden und der chinesische Konzern Chemchina das Schweizer Unternehmen Syngenta für 46 Milliarden. Bei der Übernahme von Monsanto durch Bayer handelte es sich zugleich um eine der größten, die von einem deutschen Unternehmen durchgeführt wurde. Aber auch andere deutsche Firmen wie Evonik, BASF und Lanxess gaben Milliarden für Fusionen und Übernahmen aus.

Allein 2016 wurden in der Chemieindustrie 264 Milliarden Euro für Fusionen und Übernahmen gestemmt. Damit wurde der Rekord aus 2015 eingestellt, wo 180 Milliarden Euro ausgegeben wurden. Das bedeutet einen Wert der dreimal so hoch liegt, wieder langjährige Durchschnitt.

Es geht um die schiere Größe

Diese „chemischen Verbindungen“ haben nur ein Ziel: es geht zumeist schlicht und einfach um die Größe. Denn diese bietet zum einen die Möglichkeit, im neuen Konzern die Kosten zu senken, da Überschneidungen bei Forschung, Produktion und Verwaltung beseitigt werden. Auf der anderen Seite wird darauf gesetzt, dass durch die größere Marktmacht bei den Preisverhandlungen mit Zulieferern, die neben Schutzkleidung auch Laborbedarf etc. liefern und Kunden ein Vorteil erzielt werden kann.

Das gilt auch für Clariant. Der Vorstandschef Hariolf Kottmann erklärte, dass man davon überzeugt ist, dass eben die Firmen den Weg angeben, die einen Umsatz von mindestens 13 bis 14 Milliarden Euro/Dollar erzielen. Sein Ziel ist es, von 2019 an jährlich 400 Millionen Dollar einzusparen und das über Skalen-Effekte bei der Beschaffung, durch Senkung der Kosten für Logistik und Lagerung, aber auch durch Einschnitte in der Verwaltung.

VCI warnt: Nicht auf den Erfolgen ausruhen

Kurz gesagt es geht bei den Fusionen und Übernahmen in den meisten Fällen um Finanzgeschäfte und nicht um die Entwicklung von neuen chemischen Verfahren und Produkten. Statt der Quantensprünge, die aus den Anfängen der Branche bekannt sind, gibt es heute eher nur ein minimales Voranschreiten.

Von McKinsey wurde dafür der Begriff „Game of Inches“ (Zentimeterarbeit) geprägt. In einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung heißt es, dass es schwerfällt, einen chemischen Verkaufsschlager aufzuzeigen, würde einmal von dem Pflanzenschutz abgesehen, der in den letzten 10 Jahren entwickelt wurde.

Auch der Verband der chemischen Industrie (VCI) warnt davor, sich auf den Erfolgen der Vergangenheit auszuruhen. Besonders in China wurden die Forschungsaktivitäten massiv verstärkt und es wird davon ausgegangen, dass China seinen Anteil von 2 % in 2000 auf 15 % bis 2030 ausbauen wird. Dadurch stehen auch die deutschen Unternehmen unter einem starken Druck und somit muss das Ziel lauten: Entwicklungsarbeit in Wachstum zu verwandeln. Zwar sind die Forschungsausgaben seit 2005 um 33 % gesteigert worden, doch die Produktion ist nur um 4 % gestiegen! DA hilft laut den Experten auch langfristig die Fusionitis nicht weiter, vor allem da Kooperationen auf Kosten- und Ertragsseite sich viel zu schnell in Luft auflösen.

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