Die deutsche Internetwirtschaft wächst jährlich um 12 Prozent – bis 2019 soll das Umsatzniveau der Branche dadurch auf etwa 114 Milliarden Euro ansteigen. Damit zählen Internetunternehmen zu den Wirtschaftsmotoren in Deutschland und sorgen auch für Wachstum bei Zulieferern oder Dienstleistern. Dadurch entstehen Steuereinnahmen und neue Arbeitsplätze, aber auch ein neuer Datenhunger, der von der vorhandenen Infrastruktur nur schwer bewältigt werden kann.
Um der wachsenden Nachfrage begegnen zu können, werden besonders Hosting- und Rechenzentren-Betreiber in diesem Jahr ihre Kapazitäten massiv ausbauen müssen. Dr. Béla Waldhauser vom Verband der Internetwirtschaft geht dabei von 5 bis 10 Megawatt zusätzlicher Leistung pro Anbieter aus, die innerhalb der nächsten 12 Monate zugeschaltet werden. Für die hohe Nachfrage sind auch US-Amerikanische Unternehmen verantwortlich, die aus datenschutzrechtlichen Gründen ihre Rechenprozesse auslagern und Anbieter aus Deutschland beauftragen, ihre Daten zu speichern.
Boomender Markt
Der Markt in Deutschland ist sehr profitabel, denn mit bis zu 40 Prozent haben Anbieter hierzulande die höchsten Bruttomargen in ganz Europa. Dadurch entsteht ein regelrechter Wettlauf unter den verschiedenen Unternehmen, schließlich wollen sie alle von dem neuen Wachstum profitieren. Der Ausbau erfordert allerdings Zeit und so werden viele Datencenter erst 2018 fertiggestellt oder erweitert werden, weshalb es aktuell noch zu Engpässen kommen kann.
Gegenwärtig liegt der hiesige Markt fest in der Hand von deutschen Unternehmen. So kommen Anbieter wie 1&1 im Bereich „Hosting & Domains“ auf einen Anteil von 20 Prozent – gefolgt von Strato und Hosting Europe mit jeweils 10 Prozent. Es ist vor allem ihre Spezialisierung als Vermieter von leistungsstarken Root Servern für private und unternehmerische Zwecke, der Anbieter wie 1&1 ihren Erfolg verdanken. Dadurch kann Rechenpower augenblicklich genutzt werden, ohne dass Unternehmen zunächst eine eigene Infrastruktur errichten müssen. In letzter Zeit drängen allerdings zunehmend ausländische Unternehmen in den deutschen Markt. Dabei wollen sie einerseits von den hohen Bruttomargen profitieren und andererseits über den Serverstandort das Vertrauen ihrer Kunden gewinnen, da die hierzulande gespeicherten Daten dem deutschen Datenschutzrecht unterliegen. Somit entwickelt sich der Datenschutz zunehmend zu einem Standortfaktor, der vor allem dem deutschen Markt nützt.
Mut zur Veränderung
Große Wachstumschancen haben besonders die mittelständischen Unternehmen. Laut einer Studie von Technoconsult vollziehen fast drei Viertel der deutschen Mittelständler eine digitale Transformation – oder wollen sie vollziehen. Dazu gehört auch eine Modernisierung der Vertriebs- und Kommunikationsstrukturen. Davon erhoffen sich die Firmen eine Steigerung der Innovationskraft und Produktivität, eine Verbesserung der Kundenbeziehung sowie die Chance, neue Kunden und Märkte zu gewinnen. Dieser Mut zur Veränderung macht den Mittelstand zu einem Vorreiter der Digitalisierung. Und diese Entwicklung zeigt auch, dass nicht nur große Unternehmen von solchen Modernisierungsprozessen profitieren können.
Jobmotor Digitalisierung?
Durch die voranschreitende Digitalisierung entstehen auch immer mehr Stellen für IT-Fachkräfte. Der Digitalverband Bitkom gab im November 2016 an, dass es momentan in Deutschland über 51.000 offene IT-Stellen gibt, was einem Anstieg von 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Insgesamt geben 6 von 10 Digitalunternehmen an, freie Stellen für IT-Spezialisten zu haben: Dabei werden vor allem Netzwerkadministratoren, Software-Entwickler und IT-Sicherheitsexperten gesucht. Insbesondere der Bedarf an Sicherheitsexperten wird in Zukunft stark zunehmen. Denn in einer digital vernetzten Welt wird der Schutz der eigenen Produkte, Forschungsergebnisse und Kundendaten immer wichtiger. Denn der Verlust solcher Daten hat meist nicht nur direkte finanzielle Folgen, sondern führt auch zu einem Vertrauensverlust bei den Kunden.

