Seit der frühere Vorstandschef Anshu Jain im Mai gehen musste, steckt das Unternehmen im Umbruch. Nachdem bekannt wurde, dass sich der Verlust des Unternehmens im dritten Quartal auf sechs Milliarden Euro beläuft, zieht die Deutsche Bank unter der neuen Führung von John Cryan die Konsequenzen. Grund für die hohen Verluste sind gigantische Abschreibungen vor allem auf den Wert der Tochter Postbank und das nicht mehr so lukrative Investmentbanking.
Massiver Stellenabbau
Insgesamt 9000 Stellen im Konzern und 6000 Stellen bei externen Dienstleistern sollen gestrichen und zusätzlich mehr als 200 Filialen in Deutschland geschlossen werden. Ein Großteil der Stellenstreichungen im Privatkundengeschäft trifft ebenfalls den deutschen Markt. Hier will die Deutsche Bank ca. 4000 Stellen abbauen. Die Schließung der 200 Filialen wird vor allem die Ballungsräume treffen, da man großflächig weiterhin mit über 500 Filialen in Deutschland präsent sein möchte.
Zudem will sich die Bank von Beteiligungen mit insgesamt 20 000 Mitarbeitern trennen. Dazu zählt auch die Tochter Postbank, die 2016 an die Börse gebracht werden soll. Damit wird die gesamte Belegschaft um fast ein Drittel schrumpfen.
Gleichzeitig müssen Anteilseigner für 2015 und 2016 erstmals seit den 50er Jahren auf ihre Dividenden verzichten.
Nach den Plänen Cryans soll die Bank vor allem einfacher, schlanker und damit effizienter werden. Insgesamt will die Bank durch diese Maßnahmen bis zu 3,8 Milliarden Euro pro Jahr einsparen.
Rückzug aus dem internationalen Geschäft
Zusätzlich kündigt Co-Vorstandschef John Cryan den Rückzug aus zehn Ländern wie Argentinien oder Neuseeland an, um so die Gewinnentwicklung wieder anzukurbeln. Hiervon nicht betroffen wird Indien sein. Die Entwicklung in Indien ist überraschenderweise besser als in anderen Märkten. Im Gegensatz zu vielen Konkurrenten, konnte die Deutsche Bank hier ihren Jahresgewinn fast verdoppeln und schafft so einen kleinen Lichtblick für den sonst so gebeutelten Konzern. Einschnitte in den indischen Markt sind aber dennoch nicht ausgeschlossen; im August verkaufte die Deutsche ihre Vermögensverwaltungssparte an Prudential Financial, um sich wieder mehr auf ihr Kerngeschäft fokussieren zu können.
Zurück zu den Wurzeln
So wichtig die neuen Köpfe in der Führungsebene sind, so richtig ist auch der Beschluss, das heimliche Machtzentrum unterhalb des Vorstands abzuschaffen, wo Leute wie Anshu Jain ihr Gehalt nicht offenlegen mussten und so teilweise mehr als der Vorstand verdienen konnten.
Ebenfalls grundlegend ist die Entscheidung, das Investmentbanking in das traditionelle Kapitalmarktgeschäft für Unternehmenskunden und das Handelsgeschäft aufzuspalten. Die Bank behauptet zwar seit einiger Zeit, keinen Eigenhandel mehr zu betreiben, sieht man sich die Zahlen an, scheint das jedoch eher unwahrscheinlich.
Schon während der Finanzkrise wurde die Deutsche Bank als größter Hedgefonds der Welt bezeichnet und bis heute sind die Risiken dieser Bank zu hoch.
In Zukunft will man sich daher wieder mehr auf das Kapitalmarktgeschäft mit Unternehmenskunden und auf die Vermögensverwaltung, sowie auf das Privatkundengeschäft konzentrieren. Die an der Börse wesentlich wertvollere Schweizer Bank UBS verfolgt diese Strategie schon länger und ist damit auch erfolgreich. In gewisser Weise, wäre das eine Rückkehr zu den Wurzeln der Deutschen Bank.
Lausige IT-Systeme und ein schrecklicher interner Organisationsaufbau
Die Deutsche Bank ist seit jeher eine Größe am Kapitalmarkt und als Begleiter der deutschen Industrie auf der ganzen Welt nicht mehr wegzudenken. Überdimensioniertes Handelsgeschäft und das Abenteuer Investmentbanking haben jedoch ihren guten Ruf zerstört und obendrein unzählige Milliarden Euro verschleudert, die in die Taschen der nur auf die Boni fixierten Banker gewandert sind. Dieses Geld hätte man weitaus sinnvoller nutzen können und es hätten wohl kaum diese radikalen Umstrukturierungsmaßnahmen umgesetzt werden müssen.
Nun fehlen sogar die Mittel für die längst überfälligen Investitionen in den Ausbau der IT-Abteilung. Und das zu einem Zeitpunkt, wo die Digitalisierung immer schneller voranschreitet und die Bank kurz davor ist, den Anschluss zu verlieren.
„Unsere Computersysteme arbeiten nicht zusammen, sind oft inkompatibel. 35 Prozent der gesamten Hardware in unseren Datenzentren befindet sich am Ende ihres Lebenszyklus oder ist bereits darüber hinaus“, moniert Cryan. Für ein Unternehmen dieser Größe, sind solche Aussagen mehr als erschreckend.
Ebenso das Eingeständnis, dass trotz der zahlreichen Rechtsstreitigkeiten, die die Bank seit 2012 bis heute 11,2 Milliarden Euro gekostet haben und der wiederholten Beteuerung des Managements, dass an einem Kulturwandel gearbeitet werde, weiter Probleme im Kontrollbereich bestehen und dort hohe Investitionen erforderlich sind.
Cryan sieht erst 2018 wieder Licht am Ende des Tunnels. Zum momentanen Zeitpunkt kann nicht davon ausgegangen werden, dass 2016 und 2017 starke Jahre werden. Dies zeichnet ein überraschend desolates Bild von Deutschlands einstiger Vorzeigebank. Der Umbau wird erst einmal Milliarden kosten. Und dieses Geld kann daher auf absehbare Zeit weder in Wachstum noch in Zukäufe investiert werden. Das bedeutet, die Gewinne der Deutschen Bank werden auch 2016 unter Druck bleiben.
Über die Zukunft der Deutschen Bank entscheiden nun Firmen- und Privatkunden. Daher gilt es in erster Linie das erschütterte Vertrauen dieser Kunden wieder zurückzugewinnen und die ehemals gute Beziehung wieder herzustellen.

