Die Bedeutung des Europäischen Leitzins

Die Bedeutung des Europäischen Leitzins

Die Bedeutung des Europäischen LeitzinsBerlin – Als die Europäische Zentralbank Mitte Juli auf ihrer ersten Monatssitzung, in der regelmäßig über die Zinspolitik beraten wird, bekanntgab, dass der momentan auf Rekordniedrigniveau liegende Europäische Leitzins bei 0,5% belassen wird, wunderte sich eigentlich niemand. Allerdings sorgte die Ankündigung des Chefs der EZB Mario Draghi, dass dieses niedrige Niveau der Schlüsselzinsen in der Eurozone auch weiterhin – und zwar auf längere Zeit – beibehalten werden würde und sogar noch weiter sinken könne, bei manchem für Erstaunen. Mit „längerfristig“ sei dabei nicht nur 6 Monate und auch nicht nur 12 Monate, sondern ein ausgedehnter Zeitraum gemeint, betonte Draghi. Die EZB werde ihre konjunkturunterstützende Geldpolitik so lange wie nötig fortsetzen.

Begründet wurde diese Aussage unter anderem damit, die Unsicherheit auf den europäischen Finanzmärkten zu reduzieren, denn es rankten sich einige Spekulationen um den Ausstieg der EZB aus der Politik des billigen Geldes. Dies hätte selbstverständlich negative Auswirkungen auf die Kredit- und Zinspolitik der Geschäftsbanken und würde sich damit auch unmittelbar auf die Wirtschaft und den Preis für Kredite niederschlagen.

„Den“ Leitzins der EZB gibt es nicht

Der landläufig als „der“ Europäische Leitzins bezeichnete Zins ist ja bekanntlich der Zinssatz, zu dem sich die Geschäftsbanken bei der Europäischen Zentralbank Geld leihen können. Die korrekte Bezeichnung dafür ist allerdings: Zinssatz für das Hauptfinanzierungsgeschäft. Dieser ist letztendlich auch maßgebend für die Zinspolitik der einzelnen Landeszentralbanken und hat somit direkte Auswirkungen auf die Zinsen in Österreich, Deutschland und die anderen Eurostaaten.

Betrachtet man seine Entwicklung über die letzten fünf Jahre, stellt man fest, dass dieser von fast 4,5% im Jahr 2008 auf nunmehr 0,5% gesunken ist und laut Draghi sogar noch darunter fallen könnte.

Spitzenrefinanzierungsfazilität und Einlagefazilität

Neben dem Zinssatz für das Hauptfinanzierungsgeschäft gilt es aber auch die beiden anderen Leitzinssätze der EZB zu beachten. Dies ist einerseits die Spitzenrefinanzierungsfazilität, also der Zinssatz, zu dem sich Banken, sofern entsprechende Sicherheiten hinterlegt sind, unbegrenzt und quasi „über Nacht“ Mittel aus dem Eurosystem bekommen. Dieser bestimmt gleichzeitig die die obere Grenze für Tagesgeld und liegt gegenwärtig bei 1%. Banken bezahlen ihren Kunden keinesfalls mehr, als sie selbst für kurzfristigen Geldbedarf einrechnen müssen.

Der dritte Zinssatz, der dringend zu beachten ist und der sich auf den Geldpreis in Österreich und den anderen Euroländern auswirkt ist die Einlagefazilität. Zu diesem Zinssatz kann das überschüssige EZB-Guthaben der Banken bis zum nächsten Geschäftstag im Eurosystem quasi als „Übernachteinlage“ anlegen. Hier kündigte Draghi übrigens auch mögliche Änderungen der EZB-Zinspolitik an. Er sprach davon, dass es durchaus denkbar sei, negative Einlagezinsen für Geschäftsbanken als Strafzins für Übernachteinlagen bei der EZB einzuführen, um die Kreditversorgung der Unternehmen und Haushalte zu verbessern und damit Geld für Investitionen in den Wirtschaftskreislauf zu bringen.

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